Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Abtreibung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Abtreibung · Nominativ Plural: Abtreibungen
Aussprache  [ˈaptʀaɪ̯bʊŋ]
Worttrennung Ab-trei-bung
Wortzerlegung abtreiben -ung
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

vorzeitige Beendigung einer Schwangerschaft durch medikamentöse oder chirurgische Maßnahmen
siehe auch Schwangerschaftsabbruch, Synonym zu Abort² (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine ambulante, stationäre, medikamentöse, indizierte Abtreibung; eine illegale, legale, straffreie, heimliche Abtreibung
als Akkusativobjekt: eine Abtreibung durchführen, vornehmen; Abtreibung befürworten, erwägen, ermöglichen, rechtfertigen, erlauben, zulassen; Abtreibung ablehnen, erschweren, verbieten, verhindern, verweigern
in Präpositionalgruppe/-objekt: das Recht auf Abtreibung; der Grund, die Voraussetzung für eine Abtreibung; der Kampf gegen, der Streit, die Debatte um Abtreibungen
Beispiele:
In Deutschland ist eine Abtreibung in der Regel bis zur 12. Schwangerschaftswoche rechtlich zulässig, sofern sich die Frau an einer staatlich anerkannten Stelle beraten lassen hat. Bei einer medizinischen Indikation wie einer schweren Behinderung kann die Frist verlängert werden. [Der Tagesspiegel, 30.10.2020]
Sie geht zu ihrem Frauenarzt, weil sie eine Abtreibung möchte. Der untersucht sie und erklärt ihr die »Drei‑Tage‑Regel«. So lange muss eine Frau nach der Beratung durch den Arzt abwarten, bevor die Abtreibung tatsächlich vorgenommen werden kann. So möchte man Kurzschlusshandlungen vermeiden. [Hamburger Abendblatt, 09.10.2019]
Der Supreme Court, das oberste Gericht in Washington, hat Abtreibungen 1973 grundsätzlich landesweit erlaubt, doch besonders konservative Staaten haben dies nie wirklich akzeptiert. [Süddeutsche Zeitung, 30.11.2015]
Man habe nicht darüber zu richten, wenn sich eine Frau trotz Hilfen für eine Abtreibung entscheide. [Die Zeit, 18.03.2004, Nr. 13]
Auch die Betreuung der Frauen bei Abtreibungen auf Grund medizinischer Indikation gehört zum Arbeitsbereich einer Hebamme. Für Schmid dürfen Frauen bei einer Abtreibung nicht in den Strafvollzug hineingeraten. Jede Frau soll alleine über ihren Körper entscheiden können – die Abtreibung, die Pränataldiagnostik, das Geburtsprozedere sowie das Stillen dürfen nicht fremdbestimmt werden. [Neue Zürcher Zeitung, 10.04.2002]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treiben · Treiben · Treiber · Treibeis · Treibjagd · abtreiben · abgetrieben · Abtreibung · antreiben · Antreiber · Antrieb · auftreiben · Auftrieb · vertreiben · Vertrieb
treiben Vb. ‘vorwärtsbewegen, fortjagen, sich mit etw. beschäftigen’, ahd. trīban (8. Jh.), mhd. trīben, asächs. drīƀan, mnd. mnl. drīven, nl. drijven, aengl. drīfan, engl. to drive, anord. drīfa, schwed. driva, got. dreiban (germ. *dreiban) sowie die unter Trieb und Trift (s. d.) behandelten Substantive lassen sich lediglich vergleichen mit lit. drìbti ‘in Flocken niederfallen, schlaff, schlapp werden’ (vgl. anord. drif, drīfa, drīft, dript ‘Schneegestöber’). Ob ein daraufhin angenommenes ie. *dhreibh- ‘treiben, stoßen’ an die unter Treber, Trester, trübe (s. d.) genannte Wurzel ie. *dher(ə)- ‘trüber Bodensatz einer Flüssigkeit, Schmutz’, auch ‘matschiges Wetter’, angeschlossen werden kann, ist ungewiß. – Treiben n. ‘geschäftiges Tun, Treibjagd’ (18. Jh.). Treiber m. ‘wer bei der Treibjagd den Schützen das Wild zutreibt, wer ein (Arbeits-, Last)tier führt, Vieh (auf die Weide) treibt, Antreiber’, ahd. trībāri (11. Jh.), mhd. trīber, mnd. drīver; als Jagdausdruck seit dem 17. Jh. Treibeis n. ‘auf Gewässern treibende Eisschollen’ (Anfang 18. Jh.). Treibjagd f. (18. Jh.). abtreiben Vb. ‘in eine andere (nicht gewünschte) Richtung bringen, vom Kurs abkommen, eine Schwangerschaft abbrechen, Vieh mit sich forttreiben’, ahd. abatrīban (Hs. 12. Jh.), mhd. abetrīben ‘ver-, forttreiben’; veraltet ist heute die Bedeutung ‘abhetzen, durch Treiben erschöpfen’ (seit Anfang 16. Jh.), erhalten in abgetrieben Part.adj. ‘abgehetzt, erschöpft, kraftlos’, häufig von Zug-, Reittieren (16. Jh.); Abtreibung f. ‘Schwangerschaftsabbruch’ (Anfang 16. Jh.). antreiben Vb. ‘(ein Tier) vorwärtstreiben, jmdn. zu größeren Leistungen, zur Eile drängen, anschwemmen, künstlich zum Treiben bringen’, mhd. anetrīben ‘tun, anstiften, ausüben, fortsetzen’; Antreiber m. ‘wer andere (zur Arbeit) antreibt’ (15. Jh.); Antrieb m. ‘Anstoß, Anreiz, Beweggrund’, in der Technik ‘die einer technischen Vorrichtung zugeführte Bewegungsenergie, Teil einer Maschine, die diese Energie liefert oder überträgt’ (16. Jh.). auftreiben Vb. ‘in die Höhe treiben, aus der Ruhe aufscheuchen, aufblähen, Vieh zum Verkauf auf den Markt bringen, ausfindig machen’, ahd. ūftrīban ‘erhöhen, (eine Fähre) stromaufwärts treiben’ (11. Jh.), mhd. ūftrīben ‘emportreiben, errichten, erbauen, beunruhigen, auferlegen, sich erheben’; Auftrieb m. in der Physik ‘der Schwerkraft entgegengesetzte Kraft, Aufwärtsdruck’, übertragen ‘(Auf)schwung, Elan, Schaffenskraft’ (19. Jh.). vertreiben Vb. ‘verjagen, (Zeit) verkürzen, kurzweilig gestalten, Waren (im großen) verkaufen’, ahd. firtrīban ‘vertreiben, verstoßen, entfernen’ (8. Jh.), mhd. vertrīben; Vertrieb m. ‘Verkauf von Waren’ (16. Jh.), ‘Abteilung eines Betriebes, die die Bestellung und Auslieferung der Waren besorgt’ (20. Jh.).

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
Schwangerschaftsabbruch · Schwangerschaftsunterbrechung  ●  Abort  fachspr. · Abortion  fachspr. · Abtreibung  ugs. · induzierter Abort  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Abtreibung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abtreibung‹.

Zitationshilfe
„Abtreibung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abtreibung>.

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