Abwehrmechanismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Abwehrmechanismus · Nominativ Plural: Abwehrmechanismen
WorttrennungAb-wehr-me-cha-nis-mus
WortzerlegungabwehrenMechanismus
DWDS-Vollartikel, 2020

Bedeutungen

1.
Psychologie, Psychoanalyse unbewusst ablaufender psychischer Vorgang zur Bewältigung von seelischen Konflikten zwischen der bewussten inneren Instanz und Triebansprüchen
Beispiele:
Was versteht man unter Sublimation? […] Bezeichnung für einen Abwehrmechanismus, der in der Umwandlung unbewusster sexueller Triebimpulse in geistige oder kulturelle Leistungen besteht. [Die Welt, 30.08.2008]
»Unser Problem ist nach wie vor, dass wir so tun, als gäbe es die Scham nicht. Anstatt all der Verdrängungs- und Abwehrmechanismen brauchen wir einen bewussten Umgang, auch im Alltag«, sagt Marks. Demnach müsse Scham als Entwicklungsimpuls verstanden werden. [Die Welt, 23.05.2019]
Es gibt keinen Ausweg aus Prozessen, die absichtlich so gestaltet sind, dass sie das individuelle Bewusstsein umgehen und auf die wir für ein effektives tägliches Leben angewiesen sind. Diese Abhängigkeit ist ein klassischer faustischer Pakt, dieser Konflikt betäubt unsere Psyche. Darauf reagieren wir dann wiederum mit resigniertem Zynismus oder Abwehrmechanismen […]. [Süddeutsche Zeitung, 07.11.2018]
Der Terror [der Stalin-Zeit] verseuchte die menschlichen Beziehungen und beschädigte das Gewissen jedes Einzelnen. […] Die Scham darüber dauert bis heute an und wird mit den üblichen Abwehrmechanismen unterdrückt: Es kann nicht alles schlecht gewesen sein, es gab auch gute Seiten. [Welt am Sonntag, 01.11.2009, Nr. 44]
Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, Kinder mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten müssten in der Schule mit Bestnoten auffallen. Verkannt wird hierbei, dass die anhaltende Unterforderung im Unterricht oft zu verschiedenen Abwehrmechanismen führt, vom dezenten Zurückhalten der eigenen Fähigkeiten beispielsweise bis zur eigentlichen Arbeitsverweigerung. [Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2000]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein psychischer Abwehrmechanismus
2.
Physiologie in lebenden Organismen wirkender, selbsttätiger Vorgang zum Unschädlichmachen von Krankheitserregern oder anderen schädigenden Einflüssen und zur Verhinderung bzw. Bekämpfung von Krankheiten
Beispiele:
Viele Pflanzen schütten Blausäure aus, wenn sie angeknabbert werden, ein klassischer Abwehrmechanismus. [Süddeutsche Zeitung, 08.06.2018]
Die [Blut-]Proben dieser Patienten versetzten die Mediziner im Labor mit einer Mischung aus Hunderten Biomarkern: Bestandteile von Antikörpern, die für diverse Regulierungen des Immunsystems zuständig sind, darunter auch Abwehrmechanismen gegen Krebs. »Der menschliche Körper ist so gebaut, dass er sich zuerst um die Abwehr von komplexen Erkrankungen kümmert – also um Krebs, Autoimmunerkrankungen oder Infektionen«, schreiben die Forscher […]. [Die Welt, 24.09.2018]
Nicht nur wir Menschen stehen in einem fortwährenden Abwehrkampf gegen Krankheitserreger, auch Bakterien verteidigen sich ständig gegen Viren. Sie haben hierfür zahlreiche Abwehrmechanismen entwickelt, von denen jedoch die wenigsten erregerspezifisch sind. [Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2010]
Einer der wichtigsten Abwehrmechanismen gegen Viren, Bakterien und Krebszellen sind die zytotoxischen T-Zellen. Sie können infizierte Körperzellen oder auch Krebszellen zerstören. [Der Standard, 01.03.2010]
Die Sonne brennt ihre Spuren in die Haut, und auch Alkohol, Zigaretten und fettes Essen vergisst der Körper nicht. Mit einer Armada von Abwehrmechanismen versucht er zwar, sich gegen den Verfall zu wehren – doch vergebens. Seine Reparaturenzyme, Fresszellen und Antikörper reichen nicht aus. [Spiegel, 28.11.2008 (online)]
Die gentechnisch veränderten Reben können […] »einen wesentlichen Beitrag zum umweltschonenden Weinbau liefern«. Durch eigene Abwehrmechanismen der Reben würden Pflanzenschutzmittel ersetzt. [Süddeutsche Zeitung, 29.07.1999]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein zellulärer, körpereigener, natürlicher, ausgeklügelter Abwehrmechanismus
als Akkusativobjekt: einen Abwehrmechanismus aktivieren
mit Genitivattribut: die Abwehrmechanismen des Körpers
3.
allgemeiner Methode, Mittel, etwas Bedrohliches, Unerwünschtes abzuwenden, zu verhindern
Beispiele:
Ende 2016 gab es auf Bali die Generalversammlung der Interpol, auf der auch Maßnahmen zur Verbesserung der Abwehrmechanismen gegen Missbrauch verabschiedet wurden. [Die Welt, 29.08.2017]
Seit den Anschlägen von New York und Washington am 11. September 2001 hat London seine Sicherheitsstrukturen so gekonnt verändert, dass dieses Land kaum noch über einen Mangel an Abwehrmechanismen gegen den Terror klagen kann. [Die Welt, 07.06.2017]
Die Gründe für den Abstieg an Spam-Mails sind vielseitig: Einerseits versuchen Strafbehörden, »Cybercrime« einzudämmen und gehen daher gegen kriminelle Netzwerke im Mail vor. Provider entwickeln andererseits immer bessere Abwehrmechanismen; auch E-Mail-Anbieter filtern die Nachrichten aus. [Der Standard, 20.07.2015]
Schließlich sind Gräten beim Fisch nach innen, was die Stacheln des Igels nach außen sind, ein naturgegebener Abwehrmechanismus, der ihn im Grunde ungenießbar macht, weshalb der wahre Fischkenner eigentlich auch keinen Fisch ißt. [Düffel, John von: Vom Wasser, München: dtv 2006, S. 154]
Soll sich eine Regierung nach einem Anschlag hinstellen und zugeben, dass die Abwehrmechanismen versagt haben? [Der Standard, 10.07.2005]

Typische Verbindungen zu ›Abwehrmechanismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abwehrmechanismus‹.

Zitationshilfe
„Abwehrmechanismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abwehrmechanismus>, abgerufen am 25.01.2020.

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