Abwesenheit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Abwesenheit · Nominativ Plural: Abwesenheiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache [ˈapveːzn̩haɪ̯t]
Worttrennung Ab-we-sen-heit
Wortzerlegung abwesend-heit
Wortbildung  mit ›Abwesenheit‹ als Erstglied: ↗Abwesenheitsnotiz · ↗Abwesenheitspfleger  ·  mit ›Abwesenheit‹ als Letztglied: ↗Geistesabwesenheit
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Nichtanwesenheit, körperliches Nichtzugegensein von jmdm.
siehe auch Absenz, entsprechend der Bedeutung von abwesend, Gegenwort zu Anwesenheit, Gegenwart (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: krankheitsbedingte, unentschuldigte, häufige, demonstrative, eigenmächtige, vorübergehende Abwesenheit
als Genitivattribut: die Dauer, Zeit, Jahre, Monate, Wochen der Abwesenheit
Beispiele:
für die Dauer meiner AbwesenheitWDG
nach fünfjähriger, jahrelanger AbwesenheitWDG
jmds. Abwesenheit bemerken, feststellen (= jmds. Fehlen bemerken, feststellen)WDG
in Abwesenheit verhandeln, jmdn. in Abwesenheit verurteilenWDG
saloppdurch Abwesenheit glänzen (= nicht dasein)WDG
Der 28 Jahre junge Copilot hatte beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen, eine kurze Abwesenheit des Piloten im Cockpit ausgenutzt und den Airbus A320 gegen einen Berg gesteuert. [Die Welt, 20.08.2019]
Ein Schweizer Gericht verurteilte ihn in Abwesenheit zu 30 Monaten Freiheitsstrafe, von denen er zwölf absitzen muss. [Bild, 26.04.2018]
Die Abwesenheit von Artisten und Zirkustieren, die Idee der Leere stehen für die Künstlerin im Vordergrund, die sie mit allerhand abgelegten Requisiten und Kostümen betont. [Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2012]
Während meiner zufälligen Abwesenheit aus München erschien die Polizei in meiner dortigen Wohnung, um mich zu verhaften. [Die Welt, 12.05.2010]
2.
Fehlen von etw.
Beispiele:
Bei einem älteren Patienten aus der Abwesenheit von Fieber zu folgern, der Betreffende habe keine Lungenentzündung, wäre sehr fahrlässig. [Die Welt, 16.11.2019]
Einsamkeit wird meist als Mangel begriffen, als Abwesenheit von Menschen, Abwesenheit von Spuren menschlichen Lebens. [Die Welt, 08.04.2019]
Es fängt an, leicht zu schneien, das Nachmittagslicht ist fahl. […] Die Abwesenheit von Farbe lässt die von Bäumen eingerahmte Ebene aussehen wie ein Schwarz‑Weiß‑Foto. [Welt am Sonntag, 18.02.2018]
Frieden ist, so stellt es sich jetzt heraus, nicht viel – nicht mehr als die Abwesenheit von Krieg, nicht mehr als eine Pause zwischen den Waffengängen, ein zeitlicher Vorbehalt, ein Aufschub, eine Fermate. [Süddeutsche Zeitung, 24.12.2002]
3.
übertragen Entrücktheit, geistiges Nichtzugegensein; Zustand, in dem jmd. in Gedanken versunken ist
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: geistige, innere Abwesenheit
Beispiele:
als ob er aus irgendeiner tiefen Abwesenheit erwachte [ Th. MannBuddenbrooks1,137]WDG
Auch wenn er während des Interwiews unentwegt am basteln war und ich als Gesprächspartner totale gedankliche Abwesenheit seinerseits vermutete, so kamen seine Antworten präzise und wohl überlegt. [Team KloPPoKoPPter, 01.05.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Manche Studenten täuschen geschickt vor, angestrengt dem Vortrag des Professors zu lauschen. […] Auffällig wird ihre geistige Abwesenheit höchstens, wenn ihr Zustand vom Dösen ins Schlafen übergeht und der Kopf plötzlich nach vorn kippt. [Der Spiegel, 06.01.2009 (online)]
Erste Symptome von Schuldistanz können beispielsweise ein plötzlicher Leistungsabfall, geistige Abwesenheit im Unterricht oder die Isolierung von den Mitschülern sein. [Die Welt, 01.10.2005]
Auch die äußere Erscheinung des Pianisten – die Blässe, das latent Fiebrige, die scheinbare innere Abwesenheit beim Betreten und Verlassen der Bühne – passt zur Genie‑Aura. [Die Zeit, 19.07.2001]
Schläfrigkeit als logische und erste Konsequenz des Schlafmangels kann zu kurzen mentalen Abwesenheiten oder zum – mindestens am Steuer – sehr gefährlichen Sekundenschlaf führen. [Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2004] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

abwesend · Abwesenheit
abwesend Adj. ‘nicht zugegen, nicht vorhanden, nicht da (wo erwartet)’, Gegensatz ↗anwesend (s. d.). Das seit der 2. Hälfte des 15. Jhs. bezeugte Adjektiv, vgl. auch mnd. afwēsende, ist das Part. Präs. des im 17. Jh. untergegangenen, überwiegend auf nd. Sprachgebiet bezeugten Verbs abwesen, mhd. abewesen, mnd. afwēsen, ahd. abawesan ‘fehlen, nicht da sein’ (9. Jh.), einer Übersetzung von lat. abesse. Zum Verb wesen, das mit sein konkurriert, s. ↗Wesen. Die Übertragung ‘geistig nicht zugegen, mit den Gedanken nicht bei der Sache, zerstreut’ ist seit der 2. Hälfte des 17. Jhs. bezeugt. Abwesenheit f. ‘das Nichtzugegensein, Nichtvorhandensein, Fehlen’ (omd. ostobd. 1. Hälfte 16. Jh.), eine lat. absentia wiedergebende Bildung zum substantivierten Infinitiv Abwesen n.; vgl. mnd. afwēsen ‘das Fehlen, Abwesendsein’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(unentschuldigte) Abwesenheit · Blaumachen · ↗Fehlstunde(n) · Schwänzen
Assoziationen
Synonymgruppe
Abwesenheit (von) · ↗Ermangelung (von) · Fehlen (von) · ↗Mangel (an)
Assoziationen
Synonymgruppe
Abwesenheit · ↗Defizit · Fehlen · ↗Mangel  ●  ↗Absenz  österr., schweiz.

Typische Verbindungen zu ›Abwesenheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abwesenheit‹.

Zitationshilfe
„Abwesenheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abwesenheit>, abgerufen am 13.05.2021.

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