Acht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Acht · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Acht‹ als Letztglied: ↗Reichsacht
eWDG, 1967

Bedeutungen

historisch gerichtlich verhängter Ausschluss aus der weltlichen Gemeinschaft
Beispiele:
die Acht über jmdn. verhängen, aussprechen, erklären
jmdn. mit der Acht belegen, in die Acht tun (= jmdn. ächten, für vogelfrei erklären)
in der Acht sein, der Acht verfallen sein
jmdn. in Acht und Bann erklären, tun (= jmdn. aus der weltlichen und kirchlichen Gemeinschaft ausstoßen)
Weißt du, daß dich die Acht verfolgt [SchillerTellV 2]
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Beispiel:
Natürlich ist dies blutschänderische Paar […] in die Acht getan (= verfemt) [G. Hauptm.Ketzer4,93]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Acht1 · ächten · Ächtung
Acht1 f. ‘Recht- und Friedlosigkeit’, d. h. ‘Ausschluß aus der Gesellschaft’ (der Ausgeschlossene konnte von jedermann verfolgt und straflos getötet werden), ahd. āhta (11. Jh.), mhd. āhte, æhte, mnd. mnl. achte, nl. acht, aengl. ōht ‘(durch Rechtsspruch angeordnete) Verfolgung, Friedlosigkeit’ läßt sich mit ir. ēcht ‘Totschlag (aus Rache)’ verknüpfen. Außerhalb des Westgerm. (*anhtō?) und des Kelt. sind weitere Verwandte nicht mit Sicherheit feststellbar, so daß die Herkunft des Wortes ungeklärt bleibt. Im Mittelalter ist die von der weltlichen Gerichtsbarkeit ausgesprochene Acht oft verbunden mit dem von der Kirche verhängten ↗Bann (s. d.), dem Ausschluß aus der religiösen Gemeinschaft; daher die Wendung Acht und Bann (Anfang 14. Jh.). ächten Vb. ‘in die Acht erklären, als rechtlos ausstoßen’. Von den verschiedenen Formen des Substantivs Acht sind abgeleitet die (zum Teil früher belegten) westgerm. Verben ahd. āhten (8. Jh.), mhd. āhten, æhten, asächs. āhtian, mnd. achten, echten, mnl. echten, aengl. ēht(i)an ‘verfolgen’. Ächtung f. ‘Verhängung der Acht, Ausstoßung aus der Gemeinschaft, Verdammung, Verfemung’, ahd. āhtunga (um 800), mhd. āhtunge, æhtunge; vgl. mnd. echtinge, aengl. ēhtung ‘Verfolgung’.

Acht2 · achten · Achtung · achtbar · achtsam · unachtsam · beachten · beachtlich · erachten · verachten · verächtlich · Verachtung
Acht2 f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung’, heute vornehmlich in Wendungen wie (sich) in acht nehmen, außer acht lassen, achtgeben, achthaben, in denen der substantivische Charakter des Wortes verblaßt ist. Ahd. ahta ‘Überlegung, Meinung, Ansehen’ (um 800), mhd. aht(e), mnd. mnl. acht(e), nl. acht, aengl. eaht sind verwandt mit got. aha ‘Sinn, Verstand’, ahjan ‘meinen’ und lassen eine Verbalwurzel germ. *ah- ‘denken, meinen’ erkennen. Ob sich die germ. Gruppe mit außergerm. Formen wie griech. óknos (ὄκνος) ‘Bedenklichkeit, Zaudern’, okné͞in (ὀκνεῖν) ‘zögern, Bedenken tragen’, toch. B āks- ‘wach sein’ verbinden und der Wurzel ie. *ok- ‘überlegen’ zuordnen läßt, ist nicht mit Sicherheit zu erweisen. Vom Substantiv abgeleitet ist achten Vb. ‘schätzen, aufpassen, Rücksicht nehmen’, ahd. ahtōn (um 800), mhd. ahten ‘erwägen, beachten, schätzen’, asächs. ahton, mnd. mnl. nl. achten, aengl. eahtian ‘schätzen, achten, erwägen’; vgl. anord. ætla (aus *ahtilōn) ‘meinen, glauben, vorhaben, beabsichtigen’; dazu Achtung f. ‘Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Ansehen’, ahd. ahtunga (9. Jh.), mhd. ahtunge ‘Überlegung, Wertschätzung’. Imperativisches habt, gebt Achtung! wird verkürzt zum Kommando- und Warnungsruf Achtung! (Ende 18. Jh.). achtbar Adj. ‘geachtet, angesehen, achtenswert, anerkennenswert, beachtlich’, mhd. aht(e)bære, zu mhd. ahte im Sinne von ‘Schätzung, Stand, Rang’, danach eigentlich ‘rangtragend’. achtsam Adj. ‘aufmerksam, wachsam, behutsam’ (16. Jh.); früher bezeugt ist unachtsam Adj. ‘nicht auf das achtend, worauf man achten sollte’, mhd. unahtsam. beachten Vb. ‘achten auf, berücksichtigen, Aufmerksamkeit schenken’, ahd. biahtōn (10. Jh.), mhd. beahten; beachtlich Adj. ‘bemerkenswert, wichtig’, geläufig seit 19. Jh., spätmhd. beahtlich. erachten Vb. ‘wofür halten, ansehen’, ahd. irahtōn (9. Jh.), mhd. erahten. verachten Vb. ‘als schlecht, minderwertig ansehen, geringschätzen, verschmähen’, mhd. verahten; verächtlich Adj. ‘Verachtung ausdrückend, abfällig, verachtenswert’ (15. Jh.); Verachtung f. ‘Geringschätzung, Abscheu’, spätmhd. verahtunge.

Thesaurus

Technik
Synonymgruppe
Seitenschlag  ●  Acht  ugs. · ↗Achter  ugs.
Geschichte
Synonymgruppe
Acht · ↗Bann · ↗Reichsacht · Verfestung
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Altes Reich · ↗Altreich · Deutsches Reich · ↗Deutschland · Erstes Reich · Heiliges Römisches Reich · Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation · römisch-deutsches Reich  ●  HRR  Abkürzung · Sacrum Imperium Romanum  lat. · Sacrum Romanum Imperium  lat.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ass Einspielung Rund Uraufführung liegend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Acht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier werde in diesem Jahrzehnt jeder achte Job verloren gehen.
Die Welt, 09.01.2003
Wir stehen auf dem achten Platz, das ist sehr schön.
Der Tagesspiegel, 05.10.2001
Ihr Zug ging um kurz nach acht, 20 Uhr 12.
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 402
Es war aber schon acht Uhr, und draußen regnete es.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 267
Es war gegen acht Uhr, noch hielt sich der Tag.
Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 6
Zitationshilfe
„Acht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Acht#1>, abgerufen am 22.11.2019.

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Acht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Acht · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Acht‹ als Erstglied: ↗achtgeben · ↗achthaben · ↗achtlos · ↗achtsam
 ·  mit ›Acht‹ als Binnenglied: ↗Außerachtlassung · ↗Habachtstellung
eWDG, 1967

Bedeutungen

veraltet Aufmerksamkeit
etw. außer Acht, außer aller Acht lassen (= etw. nicht berücksichtigen, nicht beachten)
Beispiel:
die Vorsicht, Regeln, einen Umstand, jmds. Einwände außer Acht lassen
außer Acht bleiben (= nicht berücksichtigt werden)
Beispiel:
sein Wunsch blieb außer Acht
sich (vor etw., jmdm.) in Acht nehmen (= sich (vor etw., jmdm.) vorsehen, sich hüten)
Beispiel:
nimm dich (vor dem Hund, diesem Menschen) in Acht!
etw. in Acht nehmen (= auf etw. achten, mit etw. sorgfältig, vorsichtig umgehen)
Beispiele:
seine Gesundheit in Acht nehmen
umgangssprachlichnimm nur ja das Porzellan in Acht!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Acht1 · ächten · Ächtung
Acht1 f. ‘Recht- und Friedlosigkeit’, d. h. ‘Ausschluß aus der Gesellschaft’ (der Ausgeschlossene konnte von jedermann verfolgt und straflos getötet werden), ahd. āhta (11. Jh.), mhd. āhte, æhte, mnd. mnl. achte, nl. acht, aengl. ōht ‘(durch Rechtsspruch angeordnete) Verfolgung, Friedlosigkeit’ läßt sich mit ir. ēcht ‘Totschlag (aus Rache)’ verknüpfen. Außerhalb des Westgerm. (*anhtō?) und des Kelt. sind weitere Verwandte nicht mit Sicherheit feststellbar, so daß die Herkunft des Wortes ungeklärt bleibt. Im Mittelalter ist die von der weltlichen Gerichtsbarkeit ausgesprochene Acht oft verbunden mit dem von der Kirche verhängten ↗Bann (s. d.), dem Ausschluß aus der religiösen Gemeinschaft; daher die Wendung Acht und Bann (Anfang 14. Jh.). ächten Vb. ‘in die Acht erklären, als rechtlos ausstoßen’. Von den verschiedenen Formen des Substantivs Acht sind abgeleitet die (zum Teil früher belegten) westgerm. Verben ahd. āhten (8. Jh.), mhd. āhten, æhten, asächs. āhtian, mnd. achten, echten, mnl. echten, aengl. ēht(i)an ‘verfolgen’. Ächtung f. ‘Verhängung der Acht, Ausstoßung aus der Gemeinschaft, Verdammung, Verfemung’, ahd. āhtunga (um 800), mhd. āhtunge, æhtunge; vgl. mnd. echtinge, aengl. ēhtung ‘Verfolgung’.

Acht2 · achten · Achtung · achtbar · achtsam · unachtsam · beachten · beachtlich · erachten · verachten · verächtlich · Verachtung
Acht2 f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung’, heute vornehmlich in Wendungen wie (sich) in acht nehmen, außer acht lassen, achtgeben, achthaben, in denen der substantivische Charakter des Wortes verblaßt ist. Ahd. ahta ‘Überlegung, Meinung, Ansehen’ (um 800), mhd. aht(e), mnd. mnl. acht(e), nl. acht, aengl. eaht sind verwandt mit got. aha ‘Sinn, Verstand’, ahjan ‘meinen’ und lassen eine Verbalwurzel germ. *ah- ‘denken, meinen’ erkennen. Ob sich die germ. Gruppe mit außergerm. Formen wie griech. óknos (ὄκνος) ‘Bedenklichkeit, Zaudern’, okné͞in (ὀκνεῖν) ‘zögern, Bedenken tragen’, toch. B āks- ‘wach sein’ verbinden und der Wurzel ie. *ok- ‘überlegen’ zuordnen läßt, ist nicht mit Sicherheit zu erweisen. Vom Substantiv abgeleitet ist achten Vb. ‘schätzen, aufpassen, Rücksicht nehmen’, ahd. ahtōn (um 800), mhd. ahten ‘erwägen, beachten, schätzen’, asächs. ahton, mnd. mnl. nl. achten, aengl. eahtian ‘schätzen, achten, erwägen’; vgl. anord. ætla (aus *ahtilōn) ‘meinen, glauben, vorhaben, beabsichtigen’; dazu Achtung f. ‘Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Ansehen’, ahd. ahtunga (9. Jh.), mhd. ahtunge ‘Überlegung, Wertschätzung’. Imperativisches habt, gebt Achtung! wird verkürzt zum Kommando- und Warnungsruf Achtung! (Ende 18. Jh.). achtbar Adj. ‘geachtet, angesehen, achtenswert, anerkennenswert, beachtlich’, mhd. aht(e)bære, zu mhd. ahte im Sinne von ‘Schätzung, Stand, Rang’, danach eigentlich ‘rangtragend’. achtsam Adj. ‘aufmerksam, wachsam, behutsam’ (16. Jh.); früher bezeugt ist unachtsam Adj. ‘nicht auf das achtend, worauf man achten sollte’, mhd. unahtsam. beachten Vb. ‘achten auf, berücksichtigen, Aufmerksamkeit schenken’, ahd. biahtōn (10. Jh.), mhd. beahten; beachtlich Adj. ‘bemerkenswert, wichtig’, geläufig seit 19. Jh., spätmhd. beahtlich. erachten Vb. ‘wofür halten, ansehen’, ahd. irahtōn (9. Jh.), mhd. erahten. verachten Vb. ‘als schlecht, minderwertig ansehen, geringschätzen, verschmähen’, mhd. verahten; verächtlich Adj. ‘Verachtung ausdrückend, abfällig, verachtenswert’ (15. Jh.); Verachtung f. ‘Geringschätzung, Abscheu’, spätmhd. verahtunge.

Thesaurus

Technik
Synonymgruppe
Seitenschlag  ●  Acht  ugs. · ↗Achter  ugs.
Geschichte
Synonymgruppe
Acht · ↗Bann · ↗Reichsacht · Verfestung
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Altes Reich · ↗Altreich · Deutsches Reich · ↗Deutschland · Erstes Reich · Heiliges Römisches Reich · Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation · römisch-deutsches Reich  ●  HRR  Abkürzung · Sacrum Imperium Romanum  lat. · Sacrum Romanum Imperium  lat.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ass Einspielung Rund Uraufführung liegend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Acht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier werde in diesem Jahrzehnt jeder achte Job verloren gehen.
Die Welt, 09.01.2003
Wir stehen auf dem achten Platz, das ist sehr schön.
Der Tagesspiegel, 05.10.2001
Ihr Zug ging um kurz nach acht, 20 Uhr 12.
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 402
Es war aber schon acht Uhr, und draußen regnete es.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 267
Es war gegen acht Uhr, noch hielt sich der Tag.
Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 6
Zitationshilfe
„Acht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Acht#2>, abgerufen am 22.11.2019.

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