Adel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Adels · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Adel‹ als Erstglied: ↗Adelsbrief · ↗Adelsgeschlecht · ↗Adelsherrschaft · ↗Adelskalender · ↗Adelskreis · ↗Adelskrone · ↗Adelsmatrikel · ↗Adelspartikel · ↗Adelsprivileg · ↗Adelsprädikat · ↗Adelsstand · ↗Adelstitel
 ·  mit ›Adel‹ als Letztglied: ↗Briefadel · ↗Erbadel · ↗Feudaladel · ↗Geistesadel · ↗Geldadel · ↗Herzensadel · ↗Hochadel · ↗Hofadel · ↗Landadel · ↗Lehensadel · ↗Lehnsadel · ↗Militäradel · ↗Reichsadel · ↗Seelenadel
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Beispiele:
alter Adel (= eine alte adlige Familie)
verarmter Adel
historisch aristokratische Oberschicht mit besonderen Vorrechten
Beispiele:
der hohe, niedere Adel
der Adel erhob sich gegen die Krone
etw. gegen den Widerstand des Adels durchsetzen
2.
Adelstitel
Beispiele:
den Adel ablegen
historisch den Adel verleihen, aberkennen, abschaffen
historisch erblicher, gekaufter Adel
3.
gehoben Würde, edle Gesinnung
Beispiele:
geistiger, menschlicher, innerer Adel
Adel der Seele, des Geistes, Herzens
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Adel · adeln · ad(e)lig
Adel m. ‘Abstammung, Geschlecht, landbesitzende und herrschende Klasse im Feudalismus’, ahd. adal n. (8. Jh.), mhd. adel n. m. ‘edles Geschlecht’, mnd. ādel m. n., mnl. nl. adel, anord. aðal n. ‘Art, Begabung, Hof, Erbgut, Eigentum’ sowie (als Bestimmungswort in Zusammensetzungen) asächs. aðal-, aengl. æþel-, got. aþala-. In den spätmittelalterlichen Schriften der Mystiker gewinnt das Wort auch die Bedeutung ‘edle, tugendhafte Gesinnung, Vollkommenheit’. Von Adel abgeleitet ist das Adjektiv ↗edel (s. d.). Eng verwandt ist das dehnstufig ablautende, inzwischen untergegangene germ. *ōþala ‘in der Familie (Sippe) erblicher Besitz’, vgl. ahd. uodil, asächs. ōðil, aengl. ōþel, ēþel, anord. ōðal ‘Erbgut, Eigentum, Heimat’ (nach dem letzteren ist nhd. Odal ‘Familieneigentum an Grund und Boden’ neugebildet). Da sich verwandte Formen außerhalb des Germ. nicht mit Sicherheit nachweisen lassen, bleibt die Herkunft von Adel schwierig. Von einigen wird auf Grund der germ. Zeugnisse als ursprüngliche Bedeutung ‘Klasse mit erblichem Grundbesitz’ angenommen, vgl. Neckel in: PBB 41 (1916) 385 ff. Dagegen möchten andere mit Schrader Reallex. 2 (1929) 466 und neuerdings wieder Pokorny 1, 71 eine Verbindung zu ahd. atto ‘Vorfahre, Ahn’ (10. Jh.), got. atta ‘Vater’ herstellen und an ie. *ā̌tos, *atta ‘Vater, Mutter’ anschließen, das als Lallwort der Kindersprache weit verbreitet ist, vgl. lat. atta ‘Vater’, griech. átta (ἄττα) ‘Väterchen’, aind. attā ‘Mutter, ältere Schwester’, aslaw. otьcь, russ. otéc (отец) ‘Vater’, und auch in nicht-ie. Sprachen anzutreffen ist, z. B. ungar. atya, türk. ata ‘Vater’. Doch vgl. dazu Betz in: Festgabe Hammerich (1962) 9 ff. Die beste Erklärung bietet Szemerényi in: Word 8 (1952) 42 ff., der germ. *aþala- ‘vornehme Abstammung’ auf ie. *atalo- ‘Nachkommenschaft’ zurückführt, eine Bildung mit der Präposition ie. *at(i) ‘über etw. hinaus’ zur Wurzel ie. *al- ‘wachsen, nähren’ (s. ↗alt). adeln Vb. ‘in den Adelsstand erheben’, auch ‘hervorheben, auszeichnen’, mhd. adelen ‘auszeichnen’ (vgl. ahd. intadelen ‘entarten’, 11. Jh.); frühnhd. daneben auch edelen (15. Jh.). ad(e)lig Adj. ‘aus edlem, aus altem Geschlecht, tugendhaft’, ahd. adallīh (8. Jh.), mhd. adellich.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abstammung · Adel · ↗Geschlecht
Unterbegriffe
  • Hochadel · hoher Adel
  • Uradel  ●  alter Adel  österr.
  • Niederadel · niederer Adel
Assoziationen
  • Gefürsteter Graf · ↗Reichsgraf
  • Adelsherrscher · ↗Aristokrat · Blaublüter  ●  Aristo  ugs.
  • Fauth · ↗Vogt · Voigt
  • Trauung zur linken Hand · morganatische Ehe
  • Adelsarchiv · Gutsarchiv · Herrschaftsarchiv
  • Adelsbuch · ↗Adelsmatrikel
Synonymgruppe
Adel · ↗Aristokratie · ↗Oberschicht
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Reichsadelsstand · Reichsritterschaft
  • Adelsherrscher · ↗Aristokrat · Blaublüter  ●  Aristo  ugs.
  • Hof · ↗Hofstaat · höfische Gesellschaft
  • Adelung · Erhebung in den Adelsstand · ↗Nobilitation · Nobilitierung · Standeserhebung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adel Bauerntum Beamtenschaft Bourgeoisie Bürgertum Fürst Geistlichkeit Geldadel Großbürgertum Klerus Königtum Privileg Privilegium Vorrecht Vorrechte baltisch böhmisch entstammen erblich grundbesitzend höfisch märkisch nieder ostelbisch ostpreußisch preußisch römisch schlesisch verarmt westfälisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Adel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort qualmten nur die weltläufigen Österreicher, der preußische Adel rauchte nicht.
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2000
Der russische Adel wandte sich ganz der westlichen Kultur zu;
Der Tagesspiegel, 04.06.2000
Der römische Adel verstand durchaus etwas von der Psychologie des einfachen Mannes.
Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 9030
In den Palästen des Adels war es üblich, eine häusliche Kapelle zu halten.
Buzga, Jaroslav: Prag. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 42740
Sie stehen außerhalb des Volks im politischen Sinne, dafür aber in einer gewissen inneren Relation zum Adel.
Lütge, F.: Agrarverfassung. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 1045
Zitationshilfe
„Adel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Adel>, abgerufen am 16.11.2018.

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