Aderlass, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Aderlasses · Nominativ Plural: Aderlässe
Aussprache
WorttrennungAder-lass
formal verwandt mitlassen
Ungültige SchreibungAderlaß
Rechtschreibregeln§ 2
eWDG, 1967

Bedeutung

Medizin Entnahme einer größeren Menge von Blut
bildlich Einbuße, Verlust (an Menschen)
Beispiel:
der furchtbare Aderlass vergangener Kriege
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ader · ädern · aderig · adrig · Aderlaß
Ader f. ‘Blutgefäß’. Ursprünglich bezeichnet das Wort jeden Rohrgang im Körper sowohl für Blut (daneben verdeutlichendes ahd. bluotādra) als auch für Luft, Speise, Wasser, Kot (daher auch ‘Darm, Eingeweide’) sowie röhrenähnliche Stränge im Körper (‘Sehne, Muskel’) und in anderen Stoffen (in Blättern, Holz u. dgl.; ahd. bereits im Sinne von ‘Wurzelfaser’ und ‘Wasserader’). Im Nhd. wird im Zusammenhang mit dem von der älteren Medizin häufig verordneten Aderlaß die Bedeutung ‘Blutgefäß’ vorherrschend. Die germ. Formen ahd. ādra (8. Jh.), mhd. āder, asächs. -āðara, mnd. āder(e), mnl. ādere, ādre, nl. ader, aengl. ædre, schwed. åder, anord. (ohne r-Suffix) æðr (aus *āðī) sind verwandt mit griech. ḗtor (ἦτορ) ‘Herz’ und ḗtron (ἦτρον) ‘Bauch, Unterleib’, (ablautend) air. inathar (aus *enōtro-) ‘Eingeweide’ und führen auf einen r-Stamm ie. *ēter- bzw. *ētṛ- ‘Eingeweide’. Mit der Bedeutung ‘Wesenszug, Veranlagung’ (z. B. eine poetische Ader haben) folgt Ader lat. Gebrauch und übersetzt lat. vēna. ädern Vb. ‘mit Adern, mit einem aderähnlichen Muster versehen’, mhd. ædern. aderig, adrig Adj. ‘mit Adern versehen, durchsetzt’, älter aderecht, mhd. ādereht; Zusammensetzungen wie zwei-, drei-, mehradrig schließen an Ader ‘stromführender Kabelstrang’ (Ende 19. Jh.) an. Aderlaß m. ‘Öffnung einer Vene zum Ablassen von Blut’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schaden · ↗Schädigung · ↗Verlust  ●  Aderlass  fig.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Aderlass‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auswanderung Schröpfen Seelentrost ausgleichen befürchtet beispiellos derartig dramatisch empfindlich enorm erholen finanziell furchtbar fürchterlich gewaltig gigantisch hinnehmen industriell intellektuell kompensieren kräftig neuerlich personell regelrecht schmerzlich stetig stoppen verkraften wettmachen überstehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aderlass‹.

Verwendungsbeispiele für ›Aderlass‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Österreichs Elite wurde über 89 Länder verstreut - ein Aderlaß, von dem das Land sich nie mehr erholt hat.
Der Spiegel, 01.02.1988
Allerdings können auch die größten Unternehmen auf die Dauer einen ständigen Aderlaß nicht vertragen.
Die Zeit, 02.04.1965, Nr. 14
Er hatte sie zweimal gesehen, am Abend spät beim Aderlaß und am Morgen danach im Bett liegend, in ihrer Schwäche.
Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 22
Die schwersten Spannungen und den größten Aderlass gab es im Bereich der Kultur.
Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 17
Auch der Aderlaß kommt neben der Blutegelbehandlung mit Vorteil zur Verwendung.
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 405
Zitationshilfe
„Aderlass“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aderlass>, abgerufen am 25.01.2020.

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