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Agitation, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Agitation · Nominativ Plural: Agitationen
Aussprache
WorttrennungAgi-ta-ti-on (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortzerlegungagitieren-ation
Wortbildung mit ›Agitation‹ als Erstglied: ↗Agitationsarbeit · ↗Agitationseinsatz · ↗Agitationsfilm · ↗Agitationsgruppe · ↗Agitationsmaterial · ↗Agitationsmittel · ↗Agitationsredner · ↗Agitationstätigkeit
 ·  mit ›Agitation‹ als Letztglied: ↗Hausagitation · ↗Massenagitation · ↗Sichtagitation · ↗Wahlagitation
eWDG, 1967

Bedeutung

politische Werbearbeit, Aufklärungstätigkeit
Beispiele:
eine unermüdliche Agitation in Wort und Schrift
eine (breite, rührige, heimliche, gefährliche, revolutionäre) Agitation für eine Partei, Idee, gegen einen Vertrag, Kandidaten
die Agitation durch Flugblätter
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Agitator · Agitation · agitieren
Agitator m. ‘Aufklärer, der auf das politische Denken und die Stimmung der Volksmassen aktiv einwirkt’ ist eine Entlehnung (90er Jahre 18. Jh., in frz. Schreibweise) von (aus engl. agitator stammendem) frz. agitateur, zunächst in der Bedeutung ‘Aufwiegler’, bleibt aber ohne nachhaltige Wirkung. Zu Beginn der 30er Jahre des 19. Jhs. wird Agitator nach engl. agitator ‘Volksredner’ (zuvor ‘Soldatenvertreter, Agent’) ein zweites Mal entlehnt, anfangs mit ausdrücklicher Beziehung auf the great agitator, den Iren O’Connell. Zugrunde liegt lat. agitātor ‘Viehtreiber, Wagenlenker’, auch (spätlat.) ‘Anstifter, Verführer’ (zu lat. agitāre, s. unten). Die heutigen Bedeutungen von Agitator, Agitation, agitieren beruhen vielfach auf einer durch Lenin vorgenommenen begrifflichen Präzisierung. Agitation f. ‘politisches Einwirken auf Bewußtsein und Stimmung der Volksmassen’; seit Mitte der 30er Jahre des 19. Jhs. als politisches Schlagwort in Umlauf nach engl. agitation ‘lebhafte politische Wirksamkeit’ (zuerst 1828 in dieser Bedeutung), das auf lat. agitātio (Genitiv agitātiōnis) ‘Bewegung, unablässige Beschäftigung’ beruht. Im Dt. werden die neuen Begriffe anfangs durch Volksagitation und Volksagitator verdeutlicht. In der heute veralteten Bedeutung ‘Bewegung, Gemütsbewegung, Aufregung’ ist Agitation wie auch Agitator für ‘Treiber, Beweger’ schon seit dem 16. Jh. als direkte Entlehnung aus lat. agitātio bzw. agitātor nachweisbar. agitieren Vb. ‘politische Aufklärung betreiben’, entlehnt (Mitte 40er Jahre 19. Jh.) aus engl. to agitate ‘politisch werben und wirken’, das zum Part.adj. lat. agitātus ‘erregt, geweckt, lebhaft’ gebildet ist; vgl. lat. agitāre ‘in Bewegung setzen, (an)treiben, an-, auf-, erregen, in Verwirrung bringen, eifrig betreiben’, Intensivum zu lat. agere (s. ↗agieren). Das engl. Verb ist zunächst im Sinne von ‘(die Gedanken, Gefühle) stören’, dann ‘in Bewegung sein, tätig sein’ bezeugt, woraus im 17. Jh. die Bedeutung ‘als Vertreter, Agent wirken’ entsteht, die zu engl. agitator ‘Vertreter, Agent’ führt. Die Bedeutung ‘politische Agitation treiben’ ist seit 1822 belegt. Zuvor begegnet im Dt. als direkte Entlehnung aus dem Lat. agitieren im Sinne von ‘an-, auf-, erregen’ (seit 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(politische) Hetze · Agitation
Synonymgruppe
Agitation · ↗Hetze · ↗Manipulation · ↗Propaganda · ↗Täuschung · Vernebelung der Gehirne  ●  ↗Volksverdummung  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Medizin
Synonymgruppe
Agitation · ↗Agitiertheit
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

FDJ-Sekretärin Indoktrination Propaganda Reklame SED-Zentralkomitee Sekretär ZK ZK-Abteilung ZK-Sekretär Zentralkomitee antiamerikanisch antikommunistisch antisemitisch antisowjetisch bolschewistisch chauvinistisch demagogisch deutschfeindlich fremdenfeindlich gewissenlos hemmungslos kommunistisch konterrevolutionär nationalistisch parteipolitisch platt plump populistisch rechtsextremistisch verfassungsfeindlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Agitation‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bestimmt aber hat sie einen Tip von oben bekommen, etwas Agitation zu betreiben.
Der Spiegel, 02.11.1981
Jetzt übertrieb sie es sogar mit der "Vereinfachung der Agitation".
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 378
Die gegenwärtige Agitation trägt dazu bei, die Preise in die Höhe zu treiben.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1947]
Aber die angreifende Agitation birgt ein großes Risiko in sich.
Schultze-Pfaelzer, Gerhard: Propaganda, Agitation, Reklame, Berlin: Stilke 1923, S. 52
Vielleicht war man ein zweites Mal gegen die dortige »Agitation« abgehärtet?
Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 7850
Zitationshilfe
„Agitation“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Agitation>, abgerufen am 21.02.2019.

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