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Agnostiker, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Agnostikers · Nominativ Plural: Agnostiker
Aussprache [aˈgnɔstikɐ]
Worttrennung Ag-nos-ti-ker
formal verwandt mitAgnostizismus
Wortbildung  mit ›Agnostiker‹ als Letztglied: Prosopagnostiker  ·  formal verwandt mit: Agnostizismus
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

Philosophie, Religion Anhänger oder Vertreter des Agnostizismus
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein überzeugter, bekennender, erklärter Agnostiker
als Prädikativ: jmdn., sich als Agnostiker bezeichnen
in Koordination: Agnostiker und Atheisten, Gläubige
Beispiele:
Ich bin nach wie vor Agnostiker. Gibt es Gott? Ich weiß es nicht. [Die Zeit, 09.10.2014]
Die Religionsfreiheit hat ihre Berechtigung – ganz gleich wie abstrus oder widersprüchlich eine Religion Atheisten und Agnostikern sowie Anhängern anderer Glaubensrichtungen vorkommen mag. [Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2021]
Radikale Atheisten […], die sicher sind, dass es keinen Gott gibt, stellen […] nur eine kleine[…] Minderheit unter den Ungläubigen dar. Die meisten sind eher Agnostiker, die es für nicht entscheidbar halten, ob es Gott gibt oder nicht. [Der Spiegel, 09.07.2012]
Der Agnostiker ist davon überzeugt, daß sich über das Sein und die Wirklichkeit nichts zuverlässig Wahres in Erfahrung bringen läßt, am wenigsten aber über etwas, was sich jenseits oder oberhalb der Welt, in der er lebt, befinden könnte. [Die Zeit, 16.10.1987]
H. (= Huxley) hat als einer der ersten den Evolutionismus bezw. Darwinismus verfochten. Er ist in erkenntnistheoretischer Beziehung Positivist und Agnostiker. Dieser Ausdruck stammt direkt von ihm […]. Unsere Erkenntnis ist auf die Tatsachen der Erfahrung beschränkt, auf Inhalte unseres Bewußtseins. [Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. In: Bertram, Mathias (Hg.): Geschichte der Philosophie. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 22180]
allgemeinerWir sind Agnostiker (= Nichtwissende) in Bezug auf den künftigen Gewinner [bei der Entwicklung der Börsen]. Alles, was wir wollen, ist die Geburt einer europäischen Börse. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.1999]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Agnostiker · Agnostizismus
Agnostiker m. ‘wer die völlige Erkennbarkeit der objektiven Realität leugnet’, entlehnt (80er Jahre 19. Jh.) aus gleichbed. engl. agnostic, das von Thomas H. Huxley 1869 mit negierendem a- (ἀ- privativum) zu griech. gnōstikós (γνωστικός) ‘zum Erkennen, Einsehen geschickt, erkenntnisfähig, einsichtig’ gebildet ist; vgl. griech. gignṓskein, auch gnṓskein (γιγνώσκειν, γνώσκειν) ‘erkennen, kennenlernen’. Bereits viel eher werden frühchristliche Sektenanhänger, die ihrer Lehre die Gnōsis (griech. γνῶσις), d. h. die ‘Erkenntnis’ Gottes, zugrunde legen, im Dt. (18. Jh.) Gnostiker und ihre Anschauung Gnostizismus genannt, im Engl. (17. Jh.) Gnostics (Plur.) bzw. gnosticism. Beide Bezeichnungen können auf die Bildung der philosophischen Termini von Einfluß gewesen sein. Agnostizismus m. ‘Lehre von der Unerkennbarkeit der objektiven Realität’ (Ende 19. Jh.) aus gleichbed. engl. agnosticism (1870).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Agnostiker · Atheist · Glaubensloser · Gottloser · Heide · Ungläubiger  ●  Gottesleugner  derb
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Agnostiker‹ (berechnet)

bekennend bezeichnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Agnostiker‹.

Zitationshilfe
„Agnostiker“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Agnostiker>.

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