Agraffe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Agraffe · Nominativ Plural: Agraffen
Aussprache
WorttrennungAg-raf-fe
Herkunftvon agrafefrz ‘Haken, Klammer, Spange’
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
(Schmuck-)‍Spange (die Kleidungsstücke zusammenhält)
Beispiele:
Den weltlichen Teil des Hofzeremoniells ganz allgemein repräsentieren die sechzehn kostbaren Agraffen des Essener Münsterschatzes, jene »Heftlein«, mit denen die Gewänder zusammengehalten wurden. [Süddeutsche Zeitung, 18.03.1995]
Dem jeweiligen Zeitgeschmack und der Herkunft unterworfene Insignien der Männlichkeit wie Schmuck, Schminke, […] Waffen, Schamkapseln, Harnische, Rüstungen, Federhüte samt Agraffen, gepolsterte Schultern, gepuffte Ärmel, hohe, gern rote Absätze, Uniformen, Uhren, Schals, Spazierstöcke, Krawatten – das sind fast alles erst Erfindungen der Neuzeit. [Die Welt, 17.05.2014]
Am schönsten kann man die Wirkung der Lichtvitrinen von der allseits umlaufenden Empore aus genießen. Dort oben sind, neben Philipp Webers prachtvoller Sammlung historischer Taschenuhren, kunstreiche Broschen, Anhänger, Agraffen und Armreife der Jahrhunderte zwischen Renaissance und Historismus ausgebreitet. [Süddeutsche Zeitung, 20.03.2012]
Jetzt meldet das Musée du Quai Branly[…] das Verschwinden dreier kleiner goldener Masken, die als Broschen oder Agraffen dienten, aus seinem hochgesicherten Depot. [Süddeutsche Zeitung, 18.09.2010]
Dann sieht man zahlreiche Agraffen und Broschen, wie man sie sonst fast nur aus Wiedergaben in der Skulptur kennt. Besonders aparte Beispiele sind in Erfurt zutage gekommen: Eine goldene Schließe mit einem von acht Perlen umkränzten Rubin, jenem rot leuchtenden Edelstein, der gern auf die Liebe bezogen wurde. [Süddeutsche Zeitung, 09.08.2007]
In Italien war es bereits im 13. Jh. Sitte, den Hut mit einer medaillenförmigen Agraffe zu schmücken, die meist das Wappen oder die Initialen des Trägers, gelegentlich aber auch symbol. Darstellungen aufwies. [o. A.: Lexikon der Kunst – H. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 13496]
2.
Architektur keilförmiger Stein, der zwei Steinschichten miteinander verbindet und als Schlussstein eines Rundbogens oft mit einer Maske, einem Ornament o. Ä. verziert ist
Beispiele:
Die besonders gestalteten Schlusssteine über den beiden äußeren Rundbogenfenstern nennt man Agraffen, und diese beiden hier sind definitiv einen zweiten Blick wert. Die linke Agraffe zeigt eine männliche, behelmte bärtige Maske mit Streitaxt sowie einem Schild mit den Buchstaben »SPQR« (Senatus populusque Romanus). [Kunst, 04.02.2014, aufgerufen am 28.10.2019]
Die rechte Agraffe bildet eine weibliche Maske mit einer Fahne und ebenfalls einem Schild, nur das auf diesem weiß-blaue Rauten zu sehen sind, die Farben der Wittelsbacher. [Kunst, 04.02.2014, aufgerufen am 28.10.2019]
3.
Drahtkörbchen, Drahtgeflecht zur Sicherung des Korkens von Sekt- oder Champagnerflaschen
Beispiele:
Damit der Korken trotz des hohen Drucks in der Flasche bleibt, wird er durch eine Agraffe und einen Champagnerdeckel gehalten. [swimmingpoolmag.wordpress.Red-1com, 03.08.2012, aufgerufen am 28.10.2019]
Bis heute darf Sekt nur in Glasflaschen abgefüllt werden und muss stets einen pilzförmigen Stopfen aus Kork oder einem anderen für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassenen Stoff inklusive Haltevorrichtung (in der Regel ein Drahtgestell names Agraffe) aufweisen, wobei der Stopfen ganz und der Flaschenhals ganz oder teilweise mit Folie verkleidet sein muss. [Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2017]
Das Drahtgeflecht, das den Korken auf einer Sektflasche festhält, heißt Agraffe. [Unnützes Wissen, 29.04.2014, aufgerufen am 25.10.2019]
Bei diesem Liqueur handelt es sich um eine Art Sirup, der aus einem Gemisch aus Wein und Rohrzucker, reduziertem Traubenmost oder Ähnlichem besteht und dessen Hauptzweck es ist, die verloren gegangene Menge Flüssigkeit [im Champagner] zu ersetzen, bevor die Flasche mit dem charakteristischen pilzförmigen Korken und der Metallspange – der Agraffe – verschlossen wird. [Welt am Sonntag, 23.12.2012, Nr. 52]
Erst Dom Pérignon schnitzte den Naturkorken in der heutigen Form und sicherte ihn durch eine vierteilige Schnur (heute Drahtbügel, die Agraffe). [Die Welt, 08.10.1999]
4.
schweizerisch Krampe, u-förmiger Haken mit spitzen Enden zum Befestigen von Draht o. Ä. auf Holz
Beispiele:
Die ausgebildete Direktionssekretärin verrichtet die gleiche Arbeit wie die Männer: Sie hämmert den Stacheldraht mit Agraffen an die Pfosten[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2014]
Vor ihm [dem Händler] lag[…] das ganze Sortiment einer mittleren Eisenwarenhandlung: Schrauben aller Formen und Grössen, Muttern, Unterlagsscheibchen, Dichtungsringe, Briden, Nägel, Agraffen, Beschläge[…] Kettenglieder, Haken […]. [Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2009]
Mussten früher Agraffen und andere Spezialitäten bei den Konkurrenten zugekauft werden, kann das Unternehmen heute alle gebräuchlichen Nagelsorten – das Sortiment umfasst rund 200 Produkte – selbst herstellen. [Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2000]
5.
Bauteil von hochwertigen Klavieren und Flügeln zur präzisen Positionierung einer Saite
Beispiele:
Agraffen sichern die Genauigkeit der Saitenlage, den Saitenabstand und den exakten Anschlagwinkel, um eine größere Einheitlichkeit des Tons und der tatsächlich »klingenden Länge« einer Saite herzustellen. [Piano Berretz, 04.12.2015, aufgerufen am 28.10.2019]
Er [Jonas Chickering] war zwar nicht der erste, der die Saitenführung mittels Agraffen auf dem Stimmstock verwendete (das war eine Erfindung S. Erards), aber die in einem Stück gegossene massive Leiste, durch deren Öffnungen die Saiten genau wie bei den Agraffen hindurchlaufen, ist zweifellos seine eigene Erfindung. [Horton, Charles: Chickering & Sons. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1973], S. 13190]
[…] 1838 führte er [Pierre Erard] die »Barre harmonique« ein, den auch heute noch gebräuchlichen Druckstab, auch Capo tasto genannt, der ähnlich wie die Agraffe eine klare Begrenzung und Sicherung der Saite und zugleich klangliche Verbesserung bewirkt. [Neupert, Hanns: Erard. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1954], S. 20480]

Thesaurus

Synonymgruppe
Agraffe · ↗Schmuckspange  ●  ↗Spange  Hauptform · ↗Fibel  fachspr., historisch · Fürspann  fachspr., historisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Klampe · Klampen · ↗Klampfe · Klampfen · ↗Krampe · ↗Krampen  ●  Agraffe  schweiz. · U-Hakerl  bair., österr.
Zitationshilfe
„Agraffe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Agraffe>, abgerufen am 13.11.2019.

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