Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Aktiv, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Aktivs · Nominativ Plural: Aktive · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [ˈaktiːf]
Worttrennung Ak-tiv
Wortbildung  mit ›Aktiv‹ als Erstglied: aktivisch
Herkunft aus gleichbedeutend (verbum) āctīvumspätlat
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

Sprachwissenschaft Verbform, die eine vom Satzgegenstand her gesehene Richtung einer Tätigkeit, eines Verhaltens, eines Geschehens o. Ä. ausdrückt
in gegensätzlicher Bedeutung zu Passiv
Beispiele:
Benutze nie das Passiv, wenn du das Aktiv benutzen kannst. Aktiv liest sich besser, weil es dynamischer ist. Das Passiv verschleiert, wer denn eigentlich handelt. [marcusjohanus.wordpress.com, 14.06.2014]
Ohne eine Denkfigur wie »Subjekt« liess sich aber auch kein Handeln im europäischen Sinn konzipieren. Das zeigt sich schon in der Grammatik, die z. B. im Koreanischen bei Verben nicht zwischen Aktiv und Passiv unterscheidet. [Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2007]
Aufgabe 9: Bestimmen Sie folgende Verbformen aus dem Text nach Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus verbi (d. h. Aktiv oder Passiv)! [Der Spiegel, 18.04.2007 (online)]
Es dürfte […] ein Irrtum der bisherigen lateinischen Tempuslehre sein, zwischen Aktiv, Deponens und Passiv nicht zu unterscheiden. [Weinrich, Harald: Tempus, Stuttgart: Kohlhammer 1964, S. 299]
Schon die Aristotelische Kategorientafel hat daher den grammatischen Unterschied, den wir durch den Gegensatz des »Aktiv« und »Passiv« auszudrücken pflegen, zu allgemein logischer und metaphysischer Bedeutung zu erheben gesucht. [Cassirer, Ernst: Philosophie der symbolischen Formen, Darmstadt: Wiss. Buchges. 1994 [1923], S. 218]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

aktiv · Aktiv1 · Aktiv2 · aktivieren · Aktivist · Aktivität
aktiv Adj. ‘tatkräftig, tätig, geschäftig, unternehmend’, entlehnt (16. Jh.) aus gleichbed. lat. āctīvus, einer Bildung zu lat. agere (āctum) ‘in Bewegung setzen, treiben, handeln, tätig sein’, bis ins 18. Jh. vorwiegend adverbial verwendet entsprechend lat. āctīvē. Sehr geläufig seit Ende des 18. Jhs. in unterschiedlichen Bedeutungen wie ‘im Beruf, im Dienst stehend’ und in in jüngerer Sprache entwickelten Auffassungen wie ‘rührig, zielstrebig’; in der Chemie ‘stark reaktionsfähig’ (aktive Körper), ‘Strahlen aussendend’ (s. radioaktiv); in der Medizin ‘fortschreitend’ (aktive Tbc), ‘in besonderer Weise wirksam’ (biologisch aktives Insulin). In der Grammatik bedeutet aktiv ‘transitiv’ (18./19. Jh.) und ‘als Aktiv gebraucht, das Aktiv betreffend’, wofür jünger aktivisch sich durchsetzt. Einige Verwendungen erklären sich aus der Opposition zu passiv (s. d.), so aktives Wahlrecht, aktive Bestechung. – Aktiv1 n. ‘Tätigkeitsform’ (18. Jh.), eines der Genera verbi; aus spätlat. (verbum) āctīvum substantiviert und bis in die jüngste Zeit in der Form Aktivum verwendet. Endungsloses Aktiv tritt im 19. Jh. auf und setzt sich in der Gegenwart durch. Aktiv2 n. ‘aktivste Gruppe einer gesellschaftlichen Organisation, Arbeitsgruppe, die für die Bewältigung bestimmter Aufgaben gebildet wird’ (Mitte 20. Jh.), nach gleichbed. russ. aktív (актив); vgl. Zusammensetzungen wie Eltern-, Lern-, Parteiaktiv. aktivieren Vb. ‘in Gang bringen, in Tätigkeit setzen’ (1. Hälfte 19. Jh.), aus gleichbed. frz. activer. Aktivist m. ‘zielbewußt Handelnder, tatkräftiger Mensch’ und ‘anerkannter Neuerer’. Zu Anfang des 20. Jhs. auftretend im Sinne von ‘aktiv Tätiger’, auch ‘Vertreter des Aktivismus’, einer philosophischen Richtung, die die Beantwortung der Lebensfragen durch selbstgesetzte Normen vertritt. In der zweiten Bedeutung, die von russ. aktivíst (активист) ‘Angehöriger eines Aktivs’ mitgeprägt ist, wurde das Wort seit 1948 im östlichen Dt. auch als verliehener Titel gebraucht. Aktivität f. ‘Tätigkeit, Geschäftigkeit, Tatbereitschaft, Wirksamkeit’, entlehnt (2. Hälfte 17. Jh.) unter Einfluß von frz. activité aus mlat. activitas (Genitiv activitatis) ‘Wirkungskraft’.

Typische Verbindungen zu ›Aktiv‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aktiv‹.

Zitationshilfe
„Aktiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aktiv#1>.

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Aktiv, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Aktivs · Nominativ Plural 1: Aktivs · Nominativ Plural 2: selten Aktive
Aussprache  [akˈtiːf]
Worttrennung Ak-tiv
Wortbildung  mit ›Aktiv‹ als Erstglied: Aktivtagung  ·  mit ›Aktiv‹ als Letztglied: Elternaktiv · Ernteaktiv · Gewerkschaftsaktiv · Lernaktiv · Parteiaktiv · Verkehrssicherheitsaktiv
Herkunft aus gleichbedeutend aktívruss (актив) (aktiv)
eWDG

Bedeutung

DDR Arbeitsgruppe zur Beratung und Erfüllung besonderer Aufgaben
Beispiel:
ein pädagogisches, technisches Aktiv
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

aktiv · Aktiv1 · Aktiv2 · aktivieren · Aktivist · Aktivität
aktiv Adj. ‘tatkräftig, tätig, geschäftig, unternehmend’, entlehnt (16. Jh.) aus gleichbed. lat. āctīvus, einer Bildung zu lat. agere (āctum) ‘in Bewegung setzen, treiben, handeln, tätig sein’, bis ins 18. Jh. vorwiegend adverbial verwendet entsprechend lat. āctīvē. Sehr geläufig seit Ende des 18. Jhs. in unterschiedlichen Bedeutungen wie ‘im Beruf, im Dienst stehend’ und in in jüngerer Sprache entwickelten Auffassungen wie ‘rührig, zielstrebig’; in der Chemie ‘stark reaktionsfähig’ (aktive Körper), ‘Strahlen aussendend’ (s. radioaktiv); in der Medizin ‘fortschreitend’ (aktive Tbc), ‘in besonderer Weise wirksam’ (biologisch aktives Insulin). In der Grammatik bedeutet aktiv ‘transitiv’ (18./19. Jh.) und ‘als Aktiv gebraucht, das Aktiv betreffend’, wofür jünger aktivisch sich durchsetzt. Einige Verwendungen erklären sich aus der Opposition zu passiv (s. d.), so aktives Wahlrecht, aktive Bestechung. – Aktiv1 n. ‘Tätigkeitsform’ (18. Jh.), eines der Genera verbi; aus spätlat. (verbum) āctīvum substantiviert und bis in die jüngste Zeit in der Form Aktivum verwendet. Endungsloses Aktiv tritt im 19. Jh. auf und setzt sich in der Gegenwart durch. Aktiv2 n. ‘aktivste Gruppe einer gesellschaftlichen Organisation, Arbeitsgruppe, die für die Bewältigung bestimmter Aufgaben gebildet wird’ (Mitte 20. Jh.), nach gleichbed. russ. aktív (актив); vgl. Zusammensetzungen wie Eltern-, Lern-, Parteiaktiv. aktivieren Vb. ‘in Gang bringen, in Tätigkeit setzen’ (1. Hälfte 19. Jh.), aus gleichbed. frz. activer. Aktivist m. ‘zielbewußt Handelnder, tatkräftiger Mensch’ und ‘anerkannter Neuerer’. Zu Anfang des 20. Jhs. auftretend im Sinne von ‘aktiv Tätiger’, auch ‘Vertreter des Aktivismus’, einer philosophischen Richtung, die die Beantwortung der Lebensfragen durch selbstgesetzte Normen vertritt. In der zweiten Bedeutung, die von russ. aktivíst (активист) ‘Angehöriger eines Aktivs’ mitgeprägt ist, wurde das Wort seit 1948 im östlichen Dt. auch als verliehener Titel gebraucht. Aktivität f. ‘Tätigkeit, Geschäftigkeit, Tatbereitschaft, Wirksamkeit’, entlehnt (2. Hälfte 17. Jh.) unter Einfluß von frz. activité aus mlat. activitas (Genitiv activitatis) ‘Wirkungskraft’.

Typische Verbindungen zu ›Aktiv‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aktiv‹.

Verwendungsbeispiele für ›Aktiv‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daneben schließen sich die BKK Opel und die BKK Aktiv zusammen. [Der Tagesspiegel, 05.08.2003]
Aktiv etwas für sie tun zu können, war für mich eine große Freude. [Süddeutsche Zeitung, 09.04.1999]
Aktiv wurde das KVR auch, wenn es galt, das Entstehen von Drogennestern zu verhindern. [Süddeutsche Zeitung, 09.04.2003]
Ein wissenschaftliches Aktiv wurde eingesetzt mit der Aufgabe, historisch wertvolle Teile zu bergen. [Süddeutsche Zeitung, 04.07.2002]
Aktiv sind die Katzenbären, wie sie auch heißen, vor allem am Abend. [Süddeutsche Zeitung, 12.05.2001]
Zitationshilfe
„Aktiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aktiv#2>.

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