Allerheiligen

Grammatik Substantiv (Neutrum), ohne Artikel · Genitiv Singular: Allerheiligen · wird nur im Singular verwendet
Aussprache [ˌalɐˈhaɪ̯lɪgn̩]
Worttrennung Al-ler-hei-li-gen
Wortzerlegung  all Heilige
Wortbildung  mit ›Allerheiligen‹ als Erstglied: Allerheiligenbild
eWDG und ZDL

Bedeutung

Religion am 1. November (Westkirche) bzw. ersten Sonntag nach Pfingsten (Ostkirche) von den Christen gefeierter Gedenktag, an dem aller Heiligen gedacht wird   Besonders in katholisch geprägten Ländern, wo der 1. November gesetzlicher Feiertag ist, werden am Abend wegen des folgenden Allerseelen Kerzen auf den Friedhöfen aufgestellt.
Kollokationen:
in Koordination: Allerheiligen und Allerseelen, Volkstrauertag, Fronleichnam
Beispiele:
nach, zu AllerheiligenWDG
Seit dem Wochenende zerbrechen sich Juristen, Politiker, Polizisten und Theologen in der Landeshauptstadt die Köpfe darüber, was ein Gottesdienst ist und was nicht. Für die Polizei hatte am Sonntagabend ein Gitarrensolo den Ausschlag gegeben, das nach Dauer und Lautstärke einfach nicht zu einem Gottesdienst gepasst hätte, zumal am stillen Feiertag Allerheiligen. [Süddeutsche Zeitung, 03.11.2020]
An Allerheiligen denken die Gläubigen besonders an die Heiligen, erinnern sich an ihre Verstorbenen und stellen Kerzen auf die Gräber. [Neue Westfälische, 31.10.2020]
Und ganz gleich, ob man in einem Bundesland lebt, das am 31. Oktober den Reformationstag oder am 1. November Allerheiligen feiert – beide Feiertage fallen im Jahr 2020 aufs Wochenende. [Die Welt, 02.12.2019]
Während in Mitteleuropa an Allerheiligen in aller Stille der Verstorbenen gedacht wird, feiert man in Mexiko laut und bunt den Tag der Toten. [Süddeutsche Zeitung, 31.10.2019]
Allerheiligen, Fest zu Ehren aller Heiligen und Märtyrer, in der griech. Kirche der Sonntag nach Pfingsten, in der römischen der 1. Nov. [Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 1834]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

all · All · Weltall · allererst · allermeist · allerletzt · allerdings · allerhand · Allerheiligen · Allerseelen · allgemein · allmächtig · Allmacht · Alltag · alltäglich
all Adj. Indef.pron. ‘umfassend, ganz’, ahd. al (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. al, asächs. aengl. (auch eall), engl. schwed. all, anord. allr, got. alls (germ. *alla-) leiten sich her aus einer zur Wurzel ie. *al- ‘wachsen’ (s. alt) gebildeten Partizipialform ie. *alnos ‘ausgewachsen, vollständig, komplett’; durch Assimilation von n an l entsteht germ. *alla-. Daneben ist eine zweite Form germ. *ala- anzusetzen, wie sie durch ahd. alawāri ‘freundlich’ (nhd. albern, s. d.), got. alamans ‘Menschheit’ (wörtlich ‘jedermann’) gefordert wird. Doch ist bei Verwandtschaft mit air. oll ‘groß, umfassend’, eigentlich ‘über das Gewöhnliche hinaus’, lat. alers, allers ‘gelehrt’ auch ein Anschluß der germ. Bildungen an ie. *al-, *ol- ‘darüber hinaus’ erwägenswert. Substantiviert All n. ‘das Gesamte, Universum’, zunächst für etw. von allumfassender Wichtigkeit, mhd. daʒ all für Gott, dann für einen geliebten Menschen (17. Jh.), für ‘Universum’ im heutigen Sinne (Lohenstein, 2. Hälfte 17. Jh.); dafür seit Mitte des 18. Jhs. auch verdeutlichend Weltall n. (Zesen, 17. Jh.); vgl. (wohl unter dt. Einfluß) dän. verdensalt, schwed. världsallt, engl. worldall. allererst Adj. (15. Jh., zuvor Adv.), ahd. allero ērist (9. Jh.), mhd. allerērst; das Adverb ahd. ērist ‘erst’ (s. erst) wird verstärkt durch den Genitiv Plur. von al. Nach gleichem Prinzip sind gebildet allermeist Adj. ahd. allero meist(e) Adv. (9. Jh.), mhd. allermeist; allerletzt Adj. (um 1300); allerdings Adv. ‘in allen Dingen, in jeder Hinsicht’ (Mitte 16. Jh.), Zusammenrückung der genitivischen Fügung aller dings (15. Jh.), im 15./16. Jh. auch (Genitiv Plur.) allerding(e), nach mhd. aller dinge und allerdinge; seit dem 18. Jh. zunehmend in der Bedeutung ‘jedoch, freilich’; allerhand (indeklinabel) ‘von verschiedener Art’, Zusammenrückung (vereinzelt bereits mhd.) des Genitiv Plur. mhd. aller hande, zu mhd. hant in der Bedeutung ‘Art, Weise’; in neuerer Umgangssprache (19. Jh.) ‘ziemlich viel, unerhört’ (meist prädikativ). Allerheiligen n. katholisches Kirchenfest, zunächst in der Kombination aller heiligen tag (abend) oder tag aller heiligen (13. Jh.), seit dem 15. Jh. setzt sich Allerheiligen durch; vgl. (Kirchensprache) mlat. festum omnium sanctorum; entsprechend Allerseelen n. katholischer Gedenktag für die Verstorbenen (18. Jh.; doch vgl. schon up aller sielen, Köln 1526), älter Allerseelentag (15. Jh.) aus der genitivischen Fügung aller seelen tag (13. Jh.); vgl. (Kirchensprache) mlat. dies, commemoratio (omnium) animarum. allgemein Adj. ‘allseitig, generell’, mhd. algemeine Adv., selten Adj. ‘gemeinsam, insgesamt’, verstärkte Bildung zu gemein (s. d.) in dessen alter Bedeutung ‘gemeinsam, gemeinschaftlich’. allmächtig Adj. ‘im Besitz uneingeschränkter Macht’, ahd. al(a)mahtīg (8. Jh.), mhd. almehtec, zunächst als Attribut Gottes Wiedergabe von kirchenlat. omnipotēns (s. mächtig); Allmacht f. ‘uneingeschränkte Gewalt’ (15. Jh.), rückgebildet aus allmächtig, wie schon ahd. alamaht (um 1000) aus al(a)mahtīg. Alltag m. ‘gewöhnlicher Wochentag, Nichtfeiertag’, heute auch ‘tägliches Einerlei’. Ausgehend von mhd. altac Adv., später all(e)tag, mnd. al(le)dāgelīk Adj. ‘täglich, gewöhnlich’ entstehen zunächst Komposita wie mnd. al(le)dāgesklēt, al(le)dāgesrok, nhd. Alltagskleid, Alltagshose (17. Jh.), aus denen das Substantiv Alltag ‘gewöhnlicher Wochentag’ rückgebildet wird (um 1900); alltäglich Adj. ‘alle Tage, Tag für Tag’ (16. Jh.) heute auch ‘gewöhnlich, durchschnittlich’ zum Adverb altac, all(e)tag (s. oben); vgl. mhd. allertegelich, mnd. al(le)dāgelīk.

Typische Verbindungen zu ›Allerheiligen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Allerheiligen‹.

Zitationshilfe
„Allerheiligen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Allerheiligen>, abgerufen am 16.10.2021.

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