Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Alb, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Alb(e)s · Nominativ Plural: Albe
Aussprache [alp]
Ungültige Schreibung Alp
Wortbildung  mit ›Alb‹ als Erstglied: Albdruck · Albdrücken · Albtraum · Alpdruck · Alpdrücken · Alptraum
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
koboldhaftes Wesen, Nachtgespenst
Beispiele:
[…] nun bröckelt die ganze Chose, unser Matterhorn, der Mont Blanc. Nicht mehr Geister und Albe drohen uns, sondern Mauergänge, Steinschläge; Folgen des auftauenden Permafrostes. [Der Bund, 22.03.2023]
Der jähe Schock ist ihm anzusehen über die schwarz verhüllte Figur, die da wie ein Alb auf seiner Brust hockt. Ferdinand Hodler (1853–1918) malte sich selbst als Erwachenden, der aus einem Albtraum aufschreckt und das Todesgespenst panisch von sich wegzuschieben sucht. »Die Nacht« nannte der Schweizer Künstler sein drei Meter breites Panoramabild, das ihn im Zentrum umgeben von anderen Liegenden zeigt, die allerdings eher sanft der schwarze Schleier des Schlafes bedeckt. [Der Tagesspiegel, 13.09.2021]
Die Geschichte des Weißen [sic!] Albs, die [Theodor] Storm seinem Schreiber in einer Szene im Moor erzählt, ist in Storms Novelle »Draußen im Heidedorf« zu finden. [Tilman Spreckelsen: Das Nordseegrab, 15.06.2015, aufgerufen am 15.06.2023]
allgemeinerEs war in einer Villa an einem der schönsten Strände von Sydney[…]. Ein wunderbares Haus am Steilhang, mit einer riesigen Terrasse aus Eukalyptus‑Holzplanken, von wo aus man den phantastischsten Ausblick hatte. Dort klebte eines schrecklichen Abends der Alb all meiner Albträume am Balkonfenster: eine faustgrosse Spinne mit Beinen wie eine Giraffe und Fängen wie ein Krokodil. [Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2000]
Wir sahen den Raum vor uns, in dem die Hinrichtung stattfinden würde, sahen die Vollstreckungsbeamten und dann unsere leblosen Körper. Ernst Jünger sagte in der Dunkelheit der Zelle, dass die Guillotine schmerzloser als das qualvolle Ersticken am Strang sein solle. Aber mich schreckte die Vorstellung, wie der Kopf vom Block hinunter in eine Kiste mit Sägemehl fallen würde[…]. Seit dieser Nacht weiß ich, was der Alb ist, den [Johann Heinrich] Füssli kniend auf den Schultern des Träumenden gemalt hat. [Welt am Sonntag, 20.08.2000]
2.
schwerer seelischer Druck
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
es lag ihm (wie) ein Alb auf der Brust, Seele
Die Nordhäuser [Theater-]Truppe ist jung und hochtalentiert; doch lasten ihnen wohl die widrigen Umstände wie ein Alb auf den Seelen. Dabei müssten sie sich gerade jetzt in das Abenteuer ihres Berufs, ihrer Berufung mit aller Kraft, aller Arbeitswut stürzen – und intensiver proben! [Thüringer Allgemeine, 06.02.2023]
Früher glaubte man, dass der Schweinebraten am Vorabend zu fett war, wenn einen Nachts [sic!] der Alb erfasst. [Der Tagesspiegel, 03.09.2005]
Die »Unheimliche Reise« führt ins Zentrum eines Albs. Freilich verlangt es Anstrengung, um herauszukriegen, was neuerdings unsere Brust beengt. Die Autorin [Jutta Heinrich] macht keinem das Begreifen leicht. Fast durch das ganze Buch läßt sie ihre Leser an dem Problem knabbern, wovon sie eigentlich redet. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.1999]
vergleichendNach einer aktuellen Studie der Konrad‑Adenauer‑Stiftung besteht die Wählerschaft aller Parteien mit Ausnahme der AfD inzwischen zu drei Vierteln aus Wechselwählern. Doch die Parteien tun sich schwer damit, ihre alten Verhaltensmuster zu ändern. »Das Lagerdenken liegt wie ein Alb über der neuen Parteienlandschaft«, sagt V[…], »es ist aus der alten Zeit und bildet die neuen Konfliktlinien nicht mehr ab.« [Süddeutsche Zeitung, 25.09.2021]

letzte Änderung:

Zu diesem Artikel finden Sie weitere Informationen in unserem Blog:
Zum Glück war es nur ein – Albtraum oder Alptraum?
Zum Glück war es nur ein – Albtraum oder Alptraum? (Titelbild Blogbeitrag)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Alb · Alp2
Alb m. niederer, unterirdischer Naturgeist. Nach dem germanischen Volksglauben stehen die Alben, Elben, elbischen Wesen den Kobolden und Zwergen nahe (vgl. den Namen des Zwergkönigs Alberich ‘der die Macht und den Reichtum der Elben besitzt’; afrz. Alberon, frz. Oberon). Sie können die Menschen bedrängen und müssen daher versöhnlich gestimmt werden, so daß sie teils als feindlich, teils als freundlich angesehen werden. Ahd. alb (11. Jh.), mhd. alp, asächs. mnd. mnl. nl. alf, aengl. ælf, engl. elf, anord. alfr gehen möglicherweise wie ahd. elbiʒ, anord. elptr, ǫlpt, russ.-kslaw. lebedь, russ. lébed’ (лебедь) ‘Schwan’ und lat. albus ‘weiß’ auf ie. *albh- ‘weiß’ zurück, so daß das Wort als ‘weiße Nebelgestalt’ zu deuten ist. Doch auch eine Verbindung zu aind. ṛbhúḥ ‘geschickt, kunstfertig, Künstler, Schmied’ ist denkbar, da Zwerge und Elben als kunstfertige Schmiede gelten. Die christliche Kirche interpretiert die Elben als Dämonen, die mit dem Teufel im Bunde stehen. Die wenigen ahd. Belege verstehen unter alb bereits ein gespenstisches, heimtückisches Wesen, einen Nachtmahr, der später als Druckgeist aufgefaßt wird und durch seine drückende Last auf der Brust des Schlafenden Atembeklemmung verursacht, dafür heute meist Alp2 m. vgl. Alpdrücken (um 1700), Alpdruck (um 1800), Alptraum (19. Jh.). Engl. elf wird im 18. Jh. als Elfe, Elf2 (s. d.) ins Dt. entlehnt; es setzt die den Menschen freundliche Einstellung elbischer Wesen fort, und die Elfen werden in der Romantik zu lieblichen Lichtgestalten idealisiert.

Typische Verbindungen zu ›Alb‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›Alb‹ und ›Alp‹.

Chorhemd Compilations EP Eps Hitparade Kompilation Konzeptalbum Liste Live Live-Album Liveauftritt Maxi Mixtape Musikgeschichte Musikzeitschrift Platz Popgeschichte Sampler Single Stola Tournee beide bestverkauft meistverkauft nachfolgend schwäbisch verkauft vorangegangen vorhergehend vorherig
Zitationshilfe
„Alb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Alb#1>.

Weitere Informationen …

Diesen Artikel teilen:

Alp, die

Grammatik besonders CH , gelegentlich D-Südwest (Baden) , A-West (Tirol) , A-West (Vorarlberg) Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Alp · Nominativ Plural: Alpen
Nebenform besonders A-West (Vorarlberg) Alpe · Substantiv · Genitiv Singular: Alpe
Aussprache  [ˈalpə]
Worttrennung Alp · Al-pe
Häufige Falschschreibung Alb
Wortbildung  mit ›Alp‹/›Alpe‹ als Erstglied: Albweide · Alphorn · Alphütte · Alpsegen · Alpweide
eWDG und ZDL

Bedeutung

in den Alpen und anderen Hochgebirgen   Hochweide, Alm‍(wirtschaft)
Beispiele:
Viele haben […] eine falsche Vorstellung vom Leben auf der Alp. Vielen ist die Alpromantik im Kopf. Es ist eine Romantik, aber eine, die mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Das bedeutet, dass man auf der Alp wenig Freizeit hat. Am Abend ist man müde, sieht aber das schöne Ergebnis seiner Arbeit und seines Handwerks. [Bote der Urschweiz, 15.07.2023]
Verschiedene Appenzeller Schnitzerinnen und Schnitzer bringen ihre aktuellen Schnitzarbeiten ins Museum und geben Einblick in ihr Schaffen. […] Die Schnitzenden sind oder waren alle selber in der Landwirtschaft tätig und sind Autodidakten. Ihr Hauptthema ist der Alpaufzug als Höhepunkt im bäuerlichen Jahresablauf: der festliche, ritualisierte Zug der Hirten mit ihren Tieren vom Winterstall auf die Alp. [St. Galler Tagblatt, 29.11.2022]
Er [ein Dokumentarfilm] zeigt drei Familien in ihrem Alltag auf der Alp. Die Landschaftsbilder sind beeindruckend, aber das Leben als Bergbauer ist entbehrungsreich. [Salzburger Nachrichten, 23.01.2020]
Traditionell Anfang September kehren die Kühe bunt geschmückt von den Alpen zurück. Auch auf der Alpe Gulm‑Gävis endet die Alpsaison. Morgen[…] wird das Vieh von der Alpe herabgetrieben und trifft am späten Vormittag im Zentrum von Satteins ein. [Vorarlberger Nachrichten, 06.09.2019]
[…] die ich […] auf der Alp alljährlich im Tanze schwenkte […] [ C. F. MeyerAmulett3,22]WDG

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Alp1 · Alpe · Alm
Alp1 Alpe f. ‘Weideplatz im Gebirge, Hochweide’, ahd. alba (10. Jh.), mhd. albe, dazu die Gebirgsnamen Alb und der Plural Alpen (lat. Alpēs) gehen wahrscheinlich auf ein altes Wort *alb- ‘hoher Berg’ zurück, das einer nicht-ie. Sprache angehört. Gebirgsbewohner verbinden mit Alp die Vorstellung grüner Weideplätze, während entfernt Wohnende an die rauhe Unwirtlichkeit und den ewigen Schnee der Gipfel denken. Daher wird schon in antiken Berichten der Name Alpen volksetymologisch mit ie. *albh- ‘weiß’ (vgl. lat. albus ‘weiß’ und s. Alb) verknüpft. Dem Nominativ mhd. albe steht in den übrigen Kasus die Form alben gegenüber, die durch Zusammenziehung und Angleichung zu gleichbed. Alm f. entwickelt wird (Ende 15. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Alp‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›Alp‹, ›Alb‹ und ›Alpe‹.

Classique Coupe Route Segen Seitental Vue arg drückend gelegen gleichnamig lasten legen liegen
Zitationshilfe
„Alp“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Alb#2>.

Weitere Informationen …

Diesen Artikel teilen:

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Alopezie
Alogik
Aloeextrakt
Aloe
Almwirtschaft
Alpaka
Alpakabesteck
Alpakasilber
Alpakawolle
Alpaufstieg

Worthäufigkeit

selten häufig

Wortverlaufskurve

Wortverlaufskurve 1600−1999
Wortverlaufskurve ab 1946

Geografische Verteilung

Bitte beachten Sie, dass diese Karten nicht redaktionell, sondern automatisch erstellt sind. Klicken Sie auf die Karte, um in der vergrößerten Ansicht mehr Details zu sehen.

Verteilung über Areale

Bitte beachten Sie, dass diese Karten nicht redaktionell, sondern automatisch erstellt sind. Klicken Sie auf die Karte, um in der vergrößerten Ansicht mehr Details zu sehen.

Weitere Wörterbücher

Belege in Korpora

Referenzkorpora

Metakorpora

Zeitungskorpora

Webkorpora

Spezialkorpora