Ambiguität, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ambiguität · Nominativ Plural: Ambiguitäten
WorttrennungAm-bi-gu-ität · Am-bi-gui-tät
formal verwandt mitambig
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich Unentschiedenheit einer Einstellung oder Haltung; Mehrdeutigkeit eines Sachverhaltes
Beispiele:
Ich liebe das [die Doppelbödigkeit] auch in der Literatur, in der Kunst: die Unentschiedenheit, das Unscharfe, die Ambiguität. Ambivalenz bedeutet Realität für mich. [Die Welt, 10.09.2005]
Es gibt zu viele Ambiguitäten in der amerikanischen Politik: Tschetschenien, Israel. [Die Zeit, 07.10.2004, Nr. 42]
Aus ihrem [einer Ballettfigur] Rock stülpt sich unvermittelt ein männlicher Oberkörper über den Frauenleib – eine sinnliche, zwingende Demonstration geschlechtlicher Ambiguität. [Süddeutsche Zeitung, 10.01.1998]
Inmitten der Ambiguität zwischen äußerer Freiheit und innerer Unsicherheit bleibt deutsches Judentum und deutsch-jüdische Symbiose eine Utopie. [Der Spiegel, 28.04.1986, S. 52-53]
Das Thema des Films: das Geheimnis, die Ambiguität und die Nebulosität des heutigen Italiens, ist ein wenig arrogant, ja irritierend. [Die Zeit, 13.11.1981, Nr. 47]
Kollokation:
als Adjektivattribut: moralische, sexuelle Ambiguität
2.
bildungssprachlich Doppeldeutigkeit oder Mehrdeutigkeit eines sprachlichen Ausdrucks oder Textes
Beispiele:
So passt auch der [Begriff] »Mittelstand« in seiner Ambiguität (i. e. Mehrdeutigkeit) gut in unsere politische Landschaft. [Die Welt, 25.07.2003]
Zum Nachdenken gehört nicht zuletzt, sich auf die Ambiguität des Wortes »Simulation« zu besinnen. Es bedeutet Nachahmung und Vortäuschung. [Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2011]
Worin dieser [ein Literaturwissenschaftler] sich treu blieb, war eine Spannung, eine Differenz. Wie sollte es anders sein bei einem, der die Ambiguitäten in den Texten anderer aufspürte? [Süddeutsche Zeitung, 22.11.2001]
Darüber hinaus gibt es die naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Fachsprache […], die Wörter der Normalsprache durch Kappen natürlicher Ambiguitäten und Unterlegung festumrissener Bedeutungen für sich tauglich machen […]. [Frankfurter Rundschau, 11.07.1998]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ambiguität f. ‘Zweideutigkeit, Doppelsinn’, gelehrte Entlehnung (16. Jh.) aus gleichbed. lat. ambiguitās (Genitiv ambiguitātis). Ambiguität begegnet vor allem (unter dem Einfluß von frz. ambiguïté) in den Lexika des 19. Jhs. (z. B. Campe 1801); von der modernen Sprachwissenschaft im Sinne von ‘Mehrdeutigkeit sprachlicher Äußerungen’ (Mitte 20. Jh.) wieder aufgenommen. Vgl. lat. ambiguus ‘zweifelhaft, ungewiß, zweideutig, doppelsinnig’, ambigere ‘bezweifeln, unschlüssig sein, schwanken’, aus lat. amb(i)- ‘ringsum, um … herum, auf beiden Seiten’ (verwandt mit ↗bei, s. d.) und lat. agere ‘in Bewegung setzen, treiben, handeln’, demnach eigentlich ‘etw. nach zwei Seiten hin treiben, über etw. von zwei Seiten denken’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ambiguität · ↗Doppeldeutigkeit · ↗Homonymie · Janusköpfigkeit · ↗Mehrdeutigkeit · ↗Vieldeutigkeit · ↗Zweideutigkeit  ●  ↗Amphibolie  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

gewiss moralisch sexuell

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ambiguität‹.

Zitationshilfe
„Ambiguität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ambiguität>, abgerufen am 21.08.2018.

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