Amortisation, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Amortisation · Nominativ Plural: Amortisationen
Aussprache
WorttrennungAmor-ti-sa-ti-on
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Amortisation‹ als Erstglied: ↗Amortisationsfonds
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
Wirtschaft
a)
allmähliche Tilgung einer Schuld nach einem bestimmten Plan
b)
Deckung der für ein Investitionsgut aufgewendeten Anschaffungskosten aus dem damit erwirtschafteten Ertrag
c)
DDR Abschreibung des Verschleißes, dem die Grundmittel in der Produktion ausgesetzt sind
2.
Rechtssprache
a)
gesetzliche Beschränkung oder Genehmigungsvorbehalt für den Erwerb von Vermögenswerten
b)
Kraftloserklärung einer Urkunde
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

amortisieren · Amortisation
amortisieren Vb. im Rechtswesen ‘eine Urkunde vernichten, ein Recht außer Kraft setzen’, entlehnt (18. Jh.) aus mlat. admortizare ‘er-, absterben, tilgen, auslöschen, eine Schuld abtragen’; in der Finanzwirtschaft ‘Schulden allmählich (nach festgelegtem Plan) tilgen’ (18. Jh.), auch ‘die Anschaffungskosten wieder einbringen’ (20. Jh.), entlehnt aus frz. amortir ‘töten, schwächen, dämpfen, (Schulden) abtragen’, daher anfangs auch ohne Endungserweiterung amortieren, das jedoch bald durch (rechtssprachlich gestütztes) amortisieren verdrängt wird. Afrz. amortir ‘töten, in tote Hand geben’ (dazu s. unten) beruht auf vlat. *admortīre ‘ertöten, abtöten’, das wie mlat. admortizare zu vlat. mortus (lat. mortuus) ‘tot’, vgl. lat. morī ‘sterben’, gebildet ist. amortieren, amortisieren steht zunächst für ‘einen Wechsel, Schuldschein für ungültig erklären’, die oben angeführte kaufmännische Bedeutung wird Mitte des 19. Jhs. geläufig; die sozialistische Wirtschaft versteht darunter ‘den Verschleiß der Grundmittel in der Produktion abschreiben’ (Mitte 20. Jh.). Amortisation f. ‘Nichtigkeitserklärung einer (Schuld)urkunde’ (1. Hälfte 18. Jh.), ‘Tilgung einer Schuld in Raten, Abschreibung’ (um 1800), ‘Deckung der Anschaffungskosten aus dem erwirtschafteten Ertrag’ (20. Jh.), in der sozialistischen Wirtschaft ‘Abschreibung des Verschleißes, dem die Grundmittel in der Produktion ausgesetzt sind’ (Mitte 20. Jh.). Daneben im 19. Jh. in den entsprechenden Verwendungsweisen auch Amortissement. Entlehnt aus mlat. admortizatio (Genitiv admortizationis) ‘Absterbung, Tilgung’ bzw. frz. amortissement ‘Schuldentilgung, Abschreibung’. Voraufgehendes afrz. amortissement bezeichnet wie mlat. admortizatio vor allem das ‘Veräußern weltlicher Güter an die Kirche, an die tote Hand (manus mortua)’, da der Besitz durch die Überführung in das Eigentum der Kirche der Welt abstirbt. Vom 13. Jh. an haben sich zuerst die Städte, ein Jh. später auch die Territorien gegen das Anwachsen des Kirchengutes durch Amortisationsgesetze (leges de non amortizando) gewehrt. Der kirchenrechtliche Begriff Amortisation ist zuerst 1717, Amortisationsgesetz Mitte des 18. Jhs. belegt.

Thesaurus

Ökonomie
Synonymgruppe
Amortisation · Amortisierung
Assoziationen
  • Amortisationsrechnung · Kapitalrückflussmethode · Kapitalrückflussrechnung

Typische Verbindungen zu ›Amortisation‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Amortisation‹.

Verwendungsbeispiele für ›Amortisation‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dieser gezielt provozierte schlechtere Wert führt paradoxerweise zu einer schnelleren Amortisation.
Die Zeit, 28.01.2013, Nr. 04
Sie brauchen sechs Monate zu ihrer "energetischen Amortisation" und sind leichter herzustellen.
Die Welt, 24.03.2006
Die Finanzierung der Investitionen erfolgt hauptsächlich aus eigenen Mitteln der Betriebe (Gewinne und Amortisationen).
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - B. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 6353
Die Einziehung (Amortisation) von Geschäftsanteilen darf nur erfolgen, soweit sie im Gesellschaftsvertrag zugelassen ist.
o. A.: Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung. In: Schönfelder: Deutsche Gesetze : Sammlung des Zivil-, Straf- und Verfahrensrechts (Ergänzungslieferung), München: Beck 1997
Zur Beschränkung des kirchlichen Grundbesitzes verbot 1763 ein Gesetz neue Gütererwerbungen der »Toten Hand«, und 1798 erfolgte eine erste Amortisation von Kirchenland.
Konetzke, R.: Spanien. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 42043
Zitationshilfe
„Amortisation“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Amortisation>, abgerufen am 06.04.2020.

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