Anachronismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anachronismus · Nominativ Plural: Anachronismen
Aussprache
WorttrennungAna-chro-nis-mus (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben falsche historische Zuordnung, Fehler in der historischen Einstufung
Beispiel:
etw. wirkt als Anachronismus, ist zu einem Anachronismus geworden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Anachronismus m. ‘widersprüchliche zeitliche Einordnung, durch die Zeit überholte Einrichtung’, Entlehnung des 18. Jhs. von gleichbed. griech. anachronismós (ἀναχρονισμός), auch ‘Austausch, Verwechslung der Quantitäten (zweier Silben)’, dem Abstraktum zu griech. anachronízein (ἀναχρονίζειν) ‘in Verzug sein’, daneben ‘in eine andere Silbenquantität versetzen, Quantitäten vertauschen’, einem Präfixverb (s. ↗ana-) zu griech. chrónos (χρόνος) ‘Zeit, Zeitdauer, Zeitverlauf’ (s. ↗Chronik); anfangs zuweilen mit verkürzter Endung Anachronism, bald aber mit dt. Pluralbildung Anachronismen.

Thesaurus

Synonymgruppe
anachronistisch · ↗antiquiert · ↗mittelalterlich · ↗überholt  ●  ↗Steinzeit  fig., abwertend · finsteres Mittelalter  fig., abwertend · ↗gestrig  fig. · ↗rückständig  abwertend · ↗steinzeitlich  fig., abwertend · ↗verstaubt  fig. · von Vorgestern  fig. · ↗vorgestrig  fig. · ↗vorsintflutlich  fig., abwertend · (auf den) Müllhaufen der Geschichte (gehörend)  ugs. · (das) wussten schon die alten Griechen  ugs. · (ein) Anachronismus  geh.
Assoziationen
  • (ein) Auslaufmodell (sein) · ↗Geschichte (sein) · Vergangenheit sein · ↗altbacken · ↗altmodisch · ↗anachronistisch · ↗antiquiert · ausgedient haben · hat seine Chance gehabt · hatte seine Chance · nicht mehr Stand der Technik · nicht mehr State of the Art · nicht mehr auf der Höhe der Zeit · nicht mehr in Mode · nicht mehr zeitgemäß · ↗unmodern · ↗unzeitgemäß · veraltet  ●  Old School  engl. · ↗vorsintflutlich  fig. · zum alten Eisen gehörend  fig. · ↗überholt  Hauptform · (der) gute alte (...)  ugs. · Die Zeiten sind vorbei.  ugs., Spruch · Schnee von gestern  ugs. · abgelutscht  ugs., salopp · abgemeldet  ugs. · aus der Mode (gekommen)  ugs. · ↗ausgelutscht  ugs., salopp · damit lockt man keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor  ugs., sprichwörtlich · der Vergangenheit angehören  geh. · gehört entsorgt  ugs. · hat seine besten Zeiten hinter sich  ugs. · hat sich erledigt  ugs., fig. · nicht mehr aktuell  ugs. · nicht mehr angesagt  ugs. · nicht mehr up to date  ugs., veraltend · ↗out  ugs. · ↗passé  ugs., veraltend · ↗uncool  ugs. · ↗vorbei  ugs. · war mal. (Heute ...)  ugs.
  • anno dazumal · ↗damalig · ↗dereinst · ↗ehedem · ↗ehemals · ↗einst · ↗einstmals · in (jenen) längst vergangenen Tagen · in (jener) längst vergangener Zeit · in der Vergangenheit · in der guten alten Zeit · in ferner Vergangenheit · in vergangener Zeit · ↗seinerzeit · vor langer Zeit · ↗vordem · ↗vormals · ↗weiland  ●  ↗dazumal  veraltend · ↗früher  Hauptform · ↗dermaleinst  geh., literarisch · ↗einmal  ugs. · lang, lang ist's her  ugs. · vor Zeiten  geh.
  • hinterhertrauernd · ↗nostalgisch · ↗retro · ↗rückwärtsgewandt · vergangenheits-sehnsüchtig · vergangenheits-zugewandt · vergangenheitsverliebt · voller Nostalgie (für)
  • Vorkriegs... · von vor dem Krieg  ●  von anno Tobak  ugs. · von anno achtzehnhundert schlag mich tot  ugs. · von anno tuck  ugs.
  • altmodisch · ↗angestaubt · ↗hinterwäldlerisch · ↗muffig · ↗provinziell · ↗rückständig · ↗verschlafen · ↗verschnarcht · ↗zurückgeblieben · ↗überholt  ●  ↗verstaubt  fig. · hinterm Mond  ugs.
  • antiquiert · ↗archaisch · auf den Müllhaufen der Geschichte (gehörend) · aus der Zeit gefallen · veraltet · ↗überaltert · ↗überholt  ●  in die Mottenkiste (gehörend)  fig. · Das ist ja Achtziger!  ugs. · aus der Mottenkiste (stammend)  ugs., fig. · old school  ugs., engl. · von gestern  ugs.
  • (die) Zeit ist stehengeblieben  fig. · hinter dem Mond (leben)  fig., abwertend
  • Uralt... · aus grauer Vorzeit · sehr alt · ↗uralt  ●  ↗steinalt  ugs.
  • fortschrittsfeindlich · nicht in der Gegenwart angekommen · ↗reaktionär · ↗rückschrittlich · ↗zurückgeblieben  ●  Früher war alles besser.  ugs., Spruch · ↗antimodernistisch  geh. · ↗rückwärtsgewandt  geh., Hauptform · vergangenheitsverklärend  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Avantgarde Hauch Monarchie Zeitalter absurd anmuten ausnehmen beseitigen blank entlarven erstaunlich gewollt hoffnungslos kostspielig krass lebend leibhaftig liebenswert lächerlich offenkundig peinlich provinziell pur rührend seltsam sprachlich verkommen vermeintlich wandelnd witzig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anachronismus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ohne die Umsetzung politischer Reformen werden die Regime mit jedem Tag mehr wie ein Anachronismus wirken.
Die Zeit, 20.06.2011, Nr. 25
Da ist dann auch kein Bild zu geläufig, kein Anachronismus zu sinnfällig.
Süddeutsche Zeitung, 02.07.1997
Am Ende seiner Tätigkeit kam er sich freilich selbst wie ein »leibhaftiger Anachronismus« vor.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1929, S. 242
Ihre ahistorische platonisch-ideelle Einstellung ist, wenn sie heute noch gelegentlich vertreten wird, ein Anachronismus.
Heberer, G.: Deszendenztheorie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 21466
Die Musiktheorien in diesen Werken neigen daher stark zu Anachronismen.
Eckardt, Hans u. Robinson, Kenneth: Chinesische Musik. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1952], S. 17541
Zitationshilfe
„Anachronismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anachronismus>, abgerufen am 22.07.2019.

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