Angesicht, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Angesicht(e)s · Nominativ Plural: Angesichte/Angesichter · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungAn-ge-sicht (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Angesicht‹ als Letztglied: ↗Engelsangesicht · ↗Menschenangesicht  ·  mit ›Angesicht‹ als Grundform: ↗angesichts
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben Gesicht, Antlitz
Beispiele:
das Angesicht des Menschen
ein blasses, geliebtes, teures Angesicht
ein offenes, heiteres, strahlendes, vergrämtes, zorniges Angesicht (= Gesichtsausdruck)
schön von Angesicht sein
jmdm. sein (lächelndes) Angesicht zuwenden, ins Angesicht schauen
(aus Schmerz, Trauer) sein Angesicht verhüllen
jmdn. von Angesicht (zu Angesicht) sehen (= jmdn. mit eigenen Augen sehen)
du holdes Angesicht [GoetheFaustI 3431]
bildlich
Beispiel:
der drohenden Gefahr ins Angesicht sehen (= gegenüberstehen)
2.
umgangssprachlich etw. im Schweiße seines Angesicht(e)s tunetw. mit großer Anstrengung tun
Beispiel:
sie hat im Schweiße ihres Angesichts alle Stecknadeln aufgelesen
3.
gehoben im Angesichtim Anblick, angesichts
Beispiel:
im Angesicht der Stadt, des Volkes, Feindes, Todes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gesicht · Angesicht · angesichts · Gesichtspunkt
Gesicht n. ‘Vorderseite des Kopfes, Antlitz, Miene’, ahd. gisiht f. ‘Gesicht, Anblick, Ausblick’ (8. Jh.), mhd. gesiht f. ‘das Sehen, Ansicht, Vision, Erscheinung, Gesichtssinn, Augen, Gesicht, Äußeres’ (daneben mhd. gesihte n. ‘Sehvermögen’, mnd. gesichte n. ‘Anblick, Ausblick’), asächs. gisiht, mnl. ghesicht(e), nl. gezicht, aengl. gesihþ, gesiht sind präfigierte Abstraktbildungen (westgerm. *ga-sehti-) zu dem unter ↗sehen (s. d.) behandelten Verb und bezeichnen ursprünglich ‘das Sehen (des Auges), das Anblicken’, in älterer Sprache nur selten ‘den mit dem Gesichtssinn versehenen vorderen Teil des Kopfes, das Antlitz’. Der ältere Plur. Gesichte gilt heute (mhd. Gebrauch folgend) nur für ‘Erscheinungen, Visionen’ (im 18. Jh. noch ‘Mienen, Antlitze’), dann Gesichter ‘Antlitze’ (seit dem 17. Jh.). Neutrales Genus setzt sich im 16. Jh. durch. Gesicht entwickelt sich zum allgemeinen sprachlichen Ausdruck und verweist das in älterer Zeit üblichere ↗Antlitz (s. d.) in die gehobene Sprache. Vgl. die Wendungen ein langes Gesicht machen ‘enttäuscht sein’ (18. Jh.), Gesichter schneiden ‘Fratzen ziehen’ (18. Jh.). Angesicht n. ‘Gesicht’, ahd. anagisiht f., mhd. angesiht f., angesihte n. ‘das Ansehen, Sehvermögen, Gesicht, Aussehen’. angesichts Präp. ‘im Hinblick auf’ (15. Jh., zuerst angesicht). Gesichtspunkt m. ‘Blickwinkel, Betrachtungsweise’, im 16. Jh. von Dürer als Terminus des perspektivischen Zeichnens für mlat. punctum visus gebildet; übertragener Gebrauch seit Leibniz (unter Einfluß von frz. point de vue).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Angesicht · ↗Antlitz  ●  ↗Gesicht  Hauptform · ↗Fratze  derb · ↗Fresse  derb · ↗Visage  derb
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angesicht Apokalypse Bedrohung Böse Elend Ewigkeit Feind Galgen Grauen Katastrophe Majestät Negativ Peiniger Schrecken Schweiß Sprachlosigkeit Terror Tod Untergang Vergänglichkeit aufgedeckt gegenübersitzen gegenüberstehen gegenübertreten hold kommunizieren verhüllen verneigen widerstehen Übermacht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Angesicht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Angesicht der durch die Medien vertretenen kritischen Öffentlichkeit rückten sie gegen diesen gemeinsamen Gegner enger zusammen.
Süddeutsche Zeitung, 19.07.2003
Seine letzte Vision im Angesicht des Todes ist zugleich die, mit der der Text begonnen hatte.
Der Tagesspiegel, 22.06.1996
Vor einem Monat erst hatte ich dem Führer selbst ins Angesicht gesehen und ihm dabei ewige Treue geschworen.
Fühmann, Franz: Das Judenauto, Zürich: Diogenes 1986 [1962], S. 30
Solange er den Namen nicht behalten konnte, war es ihm auch unmöglich gewesen, das Angesicht zu betrachten.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 76
Doch im Angesicht des geschlagenen Mannes fand er sie nicht.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 603
Zitationshilfe
„Angesicht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Angesicht>, abgerufen am 23.07.2019.

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