Anhängsel, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Anhängsels · Nominativ Plural: Anhängsel
Aussprache
WorttrennungAn-häng-sel
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
veraltend kleines, angehängtes Schmuckstück, kleiner Anhänger
Beispiele:
ein Armband mit einem Anhängsel
eine goldene Uhrkette mit ... einer ganzen Sammlung von Anhängseln aus Horn, Knochen, Silber und Korallen [Th. MannBuddenbrooks1,332]
2.
übertragen nebensächlicher Zusatz, Beiwerk
Beispiel:
das Land war ein (bloßes) Anhängsel des mächtigen Nachbarn
geduldete, unbedeutende Person
Beispiel:
weil ich von vornherein nur ein Anhängsel war [G. Hauptm.3,220]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hängen · Hang · hangeln · Hangendes · Gehänge · Abhang · abhängig · Anhang · Anhänger · anhängig · anhänglich · Anhänglichkeit · Anhängsel · Aushang · Aushängeschild · Überhang · Umhang · Vorhang
hängen Vb. ‘am oberen Ende schwebend befestigen’ (transitiv) bzw. ‘oben befestigt sein’ (intransitiv). Das starke, ehemals reduplizierende Verb ahd. hāhan (transitiv) ‘(auf)hängen, kreuzigen’ (um 800; vgl. zuohāhan ‘aufhängen’, 8. Jh.), mhd. hāhen (transitiv und intransitiv) ‘hängen’, (md.) hangen (14. Jh.), asächs. hāhan (transitiv), mnd. hangen (transitiv und intransitiv), mnl. hanghen, nl. hangen (transitiv und intransitiv), aengl. hōn (transitiv und intransitiv), anord. hanga (transitiv und intransitiv), got. hāhan (transitiv) setzt germ. *hanhan voraus, das in den Einzelsprachen teilweise Nasalschwund mit Ersatzdehnung aufweist; im Dt. und Nl. später auftretendes ng wird aus den Präteritalformen übernommen. Außergerm. vergleichbar sind hethit. gank- ‘hängen, wiegen’ und wohl auch aind. śáṅkatē ‘zweifelt, befürchtet, ist mißtrauisch, sorgt sich’, lat. cūnctārī ‘zögern, zaudern’, so daß von einer Wurzel ie. *k̑enk-, *k̑onk- ‘schwanken, hängen, geistig in der Schwebe sein’ ausgegangen werden kann. Neben dem starken Verb steht ein intransitives schwaches ēn-Verb ahd. hangēn ‘hängen, abhängig sein’ (8. Jh.), anord. hanga, got. hāhan (Prät. hāhaida), ein intransitives schwaches ōn-Verb asächs. hangon, aengl. hangian und ein transitives schwaches jan-Verb ahd. hengen ‘erlauben, gehorchen, denken’ (9. Jh.; vgl. gihengen ‘zustimmen, erlauben, zulassen’, 8. Jh.), mhd. (md.) hengen ‘(die Zügel) hängen lassen, nachjagen, geschehen lassen, gestatten’, auch md. obd. ‘aufhängen’ (obd. nhd.henken, s. d.), mnl. henghen ‘zugestehen’, nl. gehengen ‘erlauben’, anord. hengja ‘hängen’. Im Mhd. mischen sich starke und schwache Präteritalformen, indem transitives hienc (zu hāhen) auch die intransitive Bedeutung von hangete (zu hangēn) übernimmt; vgl. mhd. (transitiv) sie hienc daʒ houbit neben (intransitiv) nū hienc ein tavele vor dem tor. Ferner wird (vom 12. Jh. an) intransitives hangen (aus ahd. hangēn) auch transitiv wie hengen verwendet. Von hāhen bleiben im Nhd. lediglich die Präteritalformen erhalten. Die aus alledem resultierende Gebrauchsunsicherheit wird erst im 19. Jh. dahingehend geregelt, daß der intransitive Gebrauch einem starken (hängen, hing, gehangen), der transitive einem schwachen Verb (hängen, hängte, gehängt) zugewiesen wird. Vgl. Rissleben D. Gesch. d. Verbgruppe „hāhan – hangēn – hengen – henken“, Phil. Diss. Greifswald (1931). Hang m. ‘Neigung, Geneigtsein, hängende Stellung (des Turners), abschüssige Stelle’ (15. Jh.). hangeln Vb. ‘sich hängend fortbewegen’ (Anfang 19. Jh.). Hangendes n. ‘Gesteinsschichten über der Lagerstätte’, mhd. hangendeʒ (bergmannssprachlich). Gehänge n. ‘das Herabhängende, Bergabhang’, mhd. gehenge ‘Vorrichtung zum Anhängen, Türangel’. Abhang m. ‘Berghang, das Herabhängende’, mhd. (westmd.) abehang (14. Jh.); abhängig Adj. ‘schräg abfallend’ (15. Jh.), ‘nicht selbständig, angewiesen auf’ (Anfang 18. Jh.). Anhang m. ‘Angehängtes, Beigefügtes, Begleitung’, mhd. anehanc; Anhänger m. ‘wer einer Person oder Sache anhängt, was angehängt wird’ (15. Jh.); anhängig Adj. ‘zugehörig, schwebend’; rechtssprachlich insbesondere einen Prozeß anhängig machen ‘ein Gerichtsverfahren einleiten’ (15. Jh.); anhänglich Adj. ‘zugetan, verbunden’, geläufig seit dem 18. Jh., frühnhd. im Sinne von ‘anhängend, hingezogen’ (15./16. Jh.); Anhänglichkeit f. ‘Verbundenheit, Treue’ (14. Jh.); Anhängsel n. ‘anhängender (Schmuck)gegenstand, nebensächlicher Anhang, Begleiter’ (17. Jh.). Aushang m. ‘öffentliche Bekanntmachung’ (17. Jh.); vereinzelt auch für Aushängebogen ‘zur letzten Kontrolle bestimmter Abzug eines fertigen Druckbogens’ (18. Jh.). Aushängeschild n. ‘Reklameschild, Werbemittel’, ursprünglich ein Schild, das auf einen bestimmten Beruf, auf ein Gewerbe hinweist (18. Jh.). Überhang m. ‘Umhang, was überhängt’, mhd. überhanc. Umhang m. ‘umgehängtes Kleidungsstück’, ahd. umbihang (um 900), mhd. umbehanc ‘Vorhang, aufgehängter Teppich’. Vorhang m. ‘was vor etw. gehängt wird’, mhd. vor-, vürhanc (dazu s. ↗Gardine).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anhängsel · ↗Beifügung · ↗Beiwerk · Zierwerk  ●  ↗Parergon  geh., griechisch
Assoziationen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Vor- oder Nachsilbe  ●  ↗Affix  fachspr., wissenschaftlich · Anhängsel  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Anhängsel · angehängte Silbe  ●  ↗Nachsilbe  Hauptform · ↗Suffix  fachspr., wissenschaftlich
  • Vorsilbe  ●  ↗Präfix  fachspr., wissenschaftlich
  • Zirkumfix  fachspr., wissenschaftlich, Hauptform · diskontinuierliches Affix  fachspr., wissenschaftlich
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Anhängsel · angehängte Silbe  ●  ↗Nachsilbe  Hauptform · ↗Suffix  fachspr., wissenschaftlich
Oberbegriffe
  • Vor- oder Nachsilbe  ●  ↗Affix  fachspr., wissenschaftlich · Anhängsel  ugs.
  • Wortbildungselement  fachspr., wissenschaftlich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apparat Bestandteil Champions League E-Mail Finanzpolitik Koalitionspartner Maschine Maschinerie Medizin Riesenrad Union Weltausstellung behandeln betrachten bloß chemisch christlich-demokratisch degradieren geduldet lästig passiv unbedeutend ungeliebt unmündig verkommen verkümmern versehen wahrnehmen willenlos überflüssig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anhängsel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst mit 35 habe ich das Bewußtsein gehabt, nicht mehr das Anhängsel meiner Männer zu sein.
Bild, 24.03.2005
Denn mit dem Anhängsel ist für alle klar, es handelt sich um eine verheiratete Frau.
Der Tagesspiegel, 16.05.2004
Erstens ist sie 39 Jahre alt und zweitens beileibe kein Anhängsel.
Die Welt, 26.02.2001
Ich war wahrscheinlich für sie ein lästiges, unvermeidliches Anhängsel aus den alten Lagerzeiten.
Seghers, Anna: Transit, Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1943], S. 215
Sie wird darnach trachten, die Intelligenz selbst als Klasse oder mindestens als Anhängsel einer Klasse zu erfassen.
Mannheim, Karl: Ideologie und Utopie, Frankfurt a.M: Klostermann 1985 [1929], S. 127
Zitationshilfe
„Anhängsel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anhängsel>, abgerufen am 15.12.2019.

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