Anhang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anhang(e)s · Nominativ Plural: Anhänge
Aussprache
WorttrennungAn-hang (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Anhang‹ als Erstglied: ↗anhanglos · ↗anhangsweise  ·  mit ›Anhang‹ als Letztglied: ↗Familienanhang · ↗Hirnanhang
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
meist im Singular
das Angefügte, die Beilage
Beispiele:
dem Buche ist ein Anhang beigefügt
im Anhang nachschlagen
einen Anhang (= Nachtrag) mit Ergänzungen zusammenstellen
2.
nur im Singular
übertragen Anhängerschaft, Freundeskreis
Beispiele:
viel Anhang, einen starken, großen Anhang haben
sich in der Stadt, unter der Jugend Anhang verschaffen
bald hatte jeder der Streitenden einen Anhang von Unterhändlern, Zuträgern und Ratgebern hinter sich [G. KellerRomeo6,83]
Familie, Verwandtschaft
Beispiele:
eine Witwe ohne Anhang
Ippolito hatte keinen Anhang, außer einem bejahrten Vetter [Bergengr.Heiraten171]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hängen · Hang · hangeln · Hangendes · Gehänge · Abhang · abhängig · Anhang · Anhänger · anhängig · anhänglich · Anhänglichkeit · Anhängsel · Aushang · Aushängeschild · Überhang · Umhang · Vorhang
hängen Vb. ‘am oberen Ende schwebend befestigen’ (transitiv) bzw. ‘oben befestigt sein’ (intransitiv). Das starke, ehemals reduplizierende Verb ahd. hāhan (transitiv) ‘(auf)hängen, kreuzigen’ (um 800; vgl. zuohāhan ‘aufhängen’, 8. Jh.), mhd. hāhen (transitiv und intransitiv) ‘hängen’, (md.) hangen (14. Jh.), asächs. hāhan (transitiv), mnd. hangen (transitiv und intransitiv), mnl. hanghen, nl. hangen (transitiv und intransitiv), aengl. hōn (transitiv und intransitiv), anord. hanga (transitiv und intransitiv), got. hāhan (transitiv) setzt germ. *hanhan voraus, das in den Einzelsprachen teilweise Nasalschwund mit Ersatzdehnung aufweist; im Dt. und Nl. später auftretendes ng wird aus den Präteritalformen übernommen. Außergerm. vergleichbar sind hethit. gank- ‘hängen, wiegen’ und wohl auch aind. śáṅkatē ‘zweifelt, befürchtet, ist mißtrauisch, sorgt sich’, lat. cūnctārī ‘zögern, zaudern’, so daß von einer Wurzel ie. *k̑enk-, *k̑onk- ‘schwanken, hängen, geistig in der Schwebe sein’ ausgegangen werden kann. Neben dem starken Verb steht ein intransitives schwaches ēn-Verb ahd. hangēn ‘hängen, abhängig sein’ (8. Jh.), anord. hanga, got. hāhan (Prät. hāhaida), ein intransitives schwaches ōn-Verb asächs. hangon, aengl. hangian und ein transitives schwaches jan-Verb ahd. hengen ‘erlauben, gehorchen, denken’ (9. Jh.; vgl. gihengen ‘zustimmen, erlauben, zulassen’, 8. Jh.), mhd. (md.) hengen ‘(die Zügel) hängen lassen, nachjagen, geschehen lassen, gestatten’, auch md. obd. ‘aufhängen’ (obd. nhd. ↗henken, s. d.), mnl. henghen ‘zugestehen’, nl. gehengen ‘erlauben’, anord. hengja ‘hängen’. Im Mhd. mischen sich starke und schwache Präteritalformen, indem transitives hienc (zu hāhen) auch die intransitive Bedeutung von hangete (zu hangēn) übernimmt; vgl. mhd. (transitiv) sie hienc daʒ houbit neben (intransitiv) nū hienc ein tavele vor dem tor. Ferner wird (vom 12. Jh. an) intransitives hangen (aus ahd. hangēn) auch transitiv wie hengen verwendet. Von hāhen bleiben im Nhd. lediglich die Präteritalformen erhalten. Die aus alledem resultierende Gebrauchsunsicherheit wird erst im 19. Jh. dahingehend geregelt, daß der intransitive Gebrauch einem starken (hängen, hing, gehangen), der transitive einem schwachen Verb (hängen, hängte, gehängt) zugewiesen wird. Vgl. Rissleben D. Gesch. d. Verbgruppe „hāhan – hangēn – hengen – henken“, Phil. Diss. Greifswald (1931). Hang m. ‘Neigung, Geneigtsein, hängende Stellung (des Turners), abschüssige Stelle’ (15. Jh.). hangeln Vb. ‘sich hängend fortbewegen’ (Anfang 19. Jh.). Hangendes n. ‘Gesteinsschichten über der Lagerstätte’, mhd. hangendeʒ (bergmannssprachlich). Gehänge n. ‘das Herabhängende, Bergabhang’, mhd. gehenge ‘Vorrichtung zum Anhängen, Türangel’. Abhang m. ‘Berghang, das Herabhängende’, mhd. (westmd.) abehang (14. Jh.); abhängig Adj. ‘schräg abfallend’ (15. Jh.), ‘nicht selbständig, angewiesen auf’ (Anfang 18. Jh.). Anhang m. ‘Angehängtes, Beigefügtes, Begleitung’, mhd. anehanc; Anhänger m. ‘wer einer Person oder Sache anhängt, was angehängt wird’ (15. Jh.); anhängig Adj. ‘zugehörig, schwebend’; rechtssprachlich insbesondere einen Prozeß anhängig machen ‘ein Gerichtsverfahren einleiten’ (15. Jh.); anhänglich Adj. ‘zugetan, verbunden’, geläufig seit dem 18. Jh., frühnhd. im Sinne von ‘anhängend, hingezogen’ (15./16. Jh.); Anhänglichkeit f. ‘Verbundenheit, Treue’ (14. Jh.); Anhängsel n. ‘anhängender (Schmuck)gegenstand, nebensächlicher Anhang, Begleiter’ (17. Jh.). Aushang m. ‘öffentliche Bekanntmachung’ (17. Jh.); vereinzelt auch für Aushängebogen ‘zur letzten Kontrolle bestimmter Abzug eines fertigen Druckbogens’ (18. Jh.). Aushängeschild n. ‘Reklameschild, Werbemittel’, ursprünglich ein Schild, das auf einen bestimmten Beruf, auf ein Gewerbe hinweist (18. Jh.). Überhang m. ‘Umhang, was überhängt’, mhd. überhanc. Umhang m. ‘umgehängtes Kleidungsstück’, ahd. umbihang (um 900), mhd. umbehanc ‘Vorhang, aufgehängter Teppich’. Vorhang m. ‘was vor etw. gehängt wird’, mhd. vor-, vürhanc (dazu s. ↗Gardine).

Thesaurus

Synonymgruppe
(im) Schlepptau · Anhang · ↗Begleitperson · ↗Begleitung · ↗Entourage · ↗Eskorte · ↗Gefolge (eines Prominenten) · ↗Gefolgschaft · ↗Gefolgsleute · ↗Tross  ●  ↗Hofstaat  veraltet, ironisch · ↗(jemandes) Leute  ugs. · ↗Hofschranze  geh., veraltet · ↗Höfling  geh., veraltet · ↗Schranze  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Anfügung · Anhang · ↗Anlage · ↗Annex · ↗Appendix · ↗Beilage · ↗Ergänzung · ↗Hinzufügung · ↗Nachtrag · ↗Zusatz  ●  ↗Addendum  geh., veraltet · Paralipomenon  geh., griechisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Linie der · ↗Angehörige · Anhang · ↗Familie · ↗Familienclan · ↗Familienverband · ↗Geschlecht · Kind und Kegel · ↗Klan · ↗Sippe · vom Stamm der  ●  ↗Mischpoke  abwertend · Muschpoke  abwertend · ↗Verwandtschaft  Hauptform · ↗(ganze) Bagage  ugs., abwertend · ↗Blase  ugs., abwertend · ↗Clan  ugs. · ↗Sippschaft  derb · bucklige Verwandtschaft  ugs., abwertend, scherzhaft · die Unseren  geh., variabel
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anklageschrift Anmerkung Artenschutzabkommen Artenschutzübereinkommen Bibliographie E-Mail Fußnote Geschäftsbericht Glossar Jahresabschluß Konzernabschluß Kurzbiographie Literaturhinweis Literaturverzeichnis Mail Register Zeittafel abdrucken aufführen auflisten ausführlich beifügen beigefügt bibliographisch biographisch dokumentarisch informativ mitgereist tabellarisch umfangreich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anhang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Immerhin weckten sie damit ihren in Scharen angereisten Anhang auf.
Süddeutsche Zeitung, 16.10.2004
Daher war es gut, den ungekürzten Wortlaut des "Manifestes" im Anhang noch einmal wiederzugeben.
Der Tagesspiegel, 28.09.1996
Im Anhang sind neben veröffentlichten auch unveröffentlichte Briefe Ernst Augusts abgedruckt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1937, S. 458
Im Anhang zu seiner Darstellung ist diese Quelle in extenso abgedruckt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1934, S. 466
Im Anhang sind noch 3 bisher unbekannte kleinere Schriften veröffentlicht.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 280
Zitationshilfe
„Anhang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anhang>, abgerufen am 21.05.2019.

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