Anima, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Anima · Nominativ Plural: Animas · Verwendung im Plural ungebräuchlich
WorttrennungAni-ma
HerkunftLateinisch
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
Philosophie, Psychologie
Synonym zu Seele (Lesart 1, 3 u. 4)
Beispiele:
In Wirklichkeit sind es zehn Minuten, dann ist das Rettungsteam da. Wiederbelebung, komisches Wort. Als ob einer schon tot ist. Reanimation klingt zwar viel maschineller, unpersönlicher, härter, aber da steckt das anmutige Wort »Anima« drin, Seele. [Süddeutsche Zeitung, 06.05.2016]
Emilio deʼCavalieris 1600 in Rom uraufgeführte »Rappresentatione di anima et di corpo« gilt als Schlüsselwerk unter den frühen Versuchen, Gesang, Tanz und instrumentale Zwischenspiele in den Dienst des musikalischen Dramas zu stellen. Im Dialog »Anima mia che pensi« ringen Corpo (Leib) und Anima (Seele) um die richtige Lebensführung. [Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2015]
Die Seele, lateinisch Anima und griechisch Psyche, benötigt als Lebensgefährten und Heiler weniger die Logik (Psycho-Logie) als vielmehr Amor (die Liebe oder Empathie), der nicht ohne Grund den Pfeil der Verletzung bei sich trägt. [Süddeutsche Zeitung, 22.12.2014]
übertragen […] [Sie] wurde die Anima von Kings Walden [einem alten Anwesen], der Garten […] ihr Lebenswerk. Sie ließ sich anregen von der legendären Gertrude Jekyll und ihrer englischen Gartenkunst, von mittelalterlichen Klostergärten und Renaissance-Anlagen. Über die Jahrzehnte schuf sie ihren […] Garten der Erinnerung. [Die Zeit, 19.04.2012, Nr. 17]
Ich bezeichne die äußere Einstellung, den äußeren Charakter als Persona, die innere Einstellung bezeichne ich als Anima, als Seele. [Jung, Carl Gustav: Psychologische Typen. In: ders., Gesammelte Werke, Bd. VI, Zürich u. a.: Rascher 1967 [1921], S. 627]
2.
Psychologie Seelenbild der Frau im Unbewussten des Mannes
  nach C. G. Jung
Gegenwort zu Animus
Beispiele:
C. G. Jung wußte seinerzeit viel über die Anima zu sagen, den weiblichen Aspekt im Mann, aber es blieb den Frauen in seiner Nachfolge vorbehalten, den Animus tiefer zu erforschen, den männlichen Aspekt in der weiblichen Psyche. [Süddeutsche Zeitung, 22.07.1994]
Frauen mit Bob [einer Kurzhaarfrisur] sind feminin, vermeiden es indes bewusst, Männerphantasien zu bedienen. Sie brauchen den Schutz des sogenannt starken Geschlechts nicht. Tiefenpsychologisch gesehen, grenzen sie sich damit von der Anima, dem weiblichen Archetyp in der männlichen Seele, ab, die sich oft in Fabelwesen und Märchenfiguren wie etwa Meerjungfrauen oder Prinzessinnen widerspiegelt. [Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2017]
Bei [Ingeborg] Bachmann ist Undine nicht gefangen in menschlichen Beschränkungen, denn sie kommt aus der Unsterblichkeit. Tiefenpsychologisch gesehen, ist sie eine Jungʼsche Anima, unbewusster und weiblicher Anteil der männlichen Seele, die dem Mann zum Durchbruch zu seiner eigenen, echten Wahrheit helfen will. [Die Welt, 07.07.2012]
Nicht nur, daß er [Jesus] mit Frauen, gerade kranken oder sündigen, außerordentlich nett umging und sogar einer Blutenden die Schmach der Unreinheit nahm – dem Helden einer weiblichen Jesus-Bewegung wird zugute gehalten, als ganzheitlicher Mensch Animus und Anima, Männliches und Weibliches, integriert zu haben […]. [Der Spiegel, 24.06.1985]
Kollokation:
in Koordination: Anima und Animus
3.
der aus unedlem Metall bestehende Kern einer mit Edelmetall überzogenen Münze

Typische Verbindungen
computergeneriert

Animus Rektor

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anima‹.

Zitationshilfe
„Anima“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anima>, abgerufen am 16.11.2018.

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