Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Anklage, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Anklage · Nominativ Plural: Anklagen
Aussprache  [ˈanklaːgə]
Worttrennung An-kla-ge
Grundformanklagen
Wortbildung  mit ›Anklage‹ als Erstglied: Anklageakte · Anklagebank · Anklagebehörde · Anklageerhebung · Anklagegrundsatz · Anklagematerial · Anklagepunkt · Anklageschrift · Anklagevertreter · Anklagezustand
 ·  mit ›Anklage‹ als Letztglied: Gegenanklage · Ministeranklage · Mordanklage · Selbstanklage
eWDG

Bedeutungen

1.
Beantragung eines Strafverfahrens
Beispiele:
eine Anklage beim Staatsanwalt
eine gerichtliche Anklage
unter Anklage stehen
die Anklage gegen jmdn. erheben, vorbringen
die Anklage einreichen, zurücknehmen, zurückweisen
jmdn. unter Anklage stellen
eine Anklage durch etw. begründen, auf etw. stützen
Material für die Anklage sammeln
2.
Beschuldigung
Beispiele:
eine aufrüttelnde, flammende, leidenschaftliche, stumme, schwere Anklage
in eine stürmische Anklage ausbrechen
jmdm. seine Anklage ins Gesicht schreien
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Klage · klagen · Kläger · anklagen · Anklage · anklägerisch · Angeklagter · beklagen · Beklagter · verklagen · kläglich
Klage f. ‘Äußerung von Schmerz oder Trauer, Jammer, vor Gericht erhobener Anspruch’. Das im Germ. nur durch ahd. klaga (9. Jh.), mhd. klage ‘Wehgeschrei, Totenklage, Not, Leid, Gerichtsklage’, asächs. klaga, mnd. klāge, mnl. clāghe vertretene Substantiv läßt sich mit aind. gárhati ‘schmäht, beschuldigt, tadelt’, garhā ‘Tadel, Vorwurf’, pers. gila ‘Klage’ und mir. glām ‘Geschrei, Fluch’ vergleichen und auf ie. *galgh-, *glagh- ‘klagen, schelten’ zurückführen, wohl eine Erweiterung der Schallwurzel ie. *gal- ‘rufen, schreien’. Die Rechtsbedeutung von Klage geht auf den Brauch zurück, beim Bemerken eines Verbrechers lautes Hilfegeschrei zu erheben und ihn mit Schreien vor Gericht zu ziehen. Vom Substantiv abgeleitet klagen Vb. ‘Schmerz oder Trauer ausdrücken, jammern, vor Gericht einen Anspruch erheben, tadeln’, ahd. klagōn (9. Jh.), mhd. klagen ‘Schmerz, Leid oder Weh ausdrücken, betrauern, sich beklagen, gerichtliche Klage erheben’, asächs. klagon, mnd. klāgen, mnl. clāghen, nl. klagen. Kläger m. ‘wer vor Gericht Klage erhebt’, ahd. klagāri (Hs. 12. Jh., doch klagāra f. bereits 9. Jh.), mhd. klager, kleger ‘Klagender, Trauernder, Ankläger bei Gericht’. anklagen Vb. ‘für etw. verantwortlich machen, jmdn. beschuldigen (besonders vor Gericht)’, mhd. aneklagen; Anklage f. ‘Beschuldigung (besonders vor Gericht)’, mhd. aneklage; anklägerisch Adj. ‘beschuldigend (vor Gericht)’ (18. Jh.); Angeklagter m. ‘vor Gericht eines Verbrechens oder Vergehens Beschuldigter’ (15. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu anklagen. beklagen Vb. ‘bedauern, betrauern’, ahd. biklagōn (9. Jh.), mhd. beklagen ‘über oder gegen etw., jmdn. klagen’; Beklagter m. ‘wer gerichtlich verklagt wird’ (15. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu beklagen. verklagen Vb. ‘gegen jmdn. gerichtlich Klage erheben’, ahd. firklagōn ‘beweinen, beklagen’ (11. Jh.), mhd. verklagen ‘mit Klagen hinbringen, aufhören zu beklagen, verschmerzen, sich durch Klagen abhärmen, anschuldigen’. kläglich Adj. ‘erbärmlich, bedauernswert’, ahd. klagalīh (10. Jh.), mhd. klage-, klegelich ‘klagend, beklagenswert’.

Thesaurus

Jura
Synonymgruppe
Anklage (Strafrecht) · Klage (Zivilrecht)
Synonymgruppe
Anklage · Anklagevertretung · Vertreter der Anklage
Synonymgruppe
Anklage · strafrechtliche Verfolgung

Typische Verbindungen zu ›Anklage‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anklage‹.

Verwendungsbeispiele für ›Anklage‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So verlor der ursprünglich schwerste Fall der Anklage an Gewicht. [Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975 - 1995, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1999], S. 159]
Eine schwere Anklage nach der andern erhob sie gegen sich selbst. [Sapper, Agnes: Werden und Wachsen, Hannover: Gundert 1967 [1910], S. 210]
Sie kann den Zeitpunkt der Anklage entscheiden – der freilich ist hochpolitisch. [Die Zeit, 10.06.1999, Nr. 24]
Aber falsch ist es, zu meinen, deswegen könnten politische Anklagen, selbst wenn sie rhetorisch maßlos überziehen, katexochen nicht demagogisch sein. [Die Zeit, 17.09.1998, Nr. 39]
Die Anklage belastet die Gestapo hier zunächst auch nur damit, daß sie nicht eingegriffen habe. [o. A.: Zweihundertzehnter Tag. Freitag, 23. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 29067]
Zitationshilfe
„Anklage“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anklage>.

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