Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Anmaßung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Anmaßung · Nominativ Plural: Anmaßungen
Aussprache 
Worttrennung An-ma-ßung
Wortbildung  mit ›Anmaßung‹ als Letztglied: Amtsanmaßung
eWDG

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von anmaßen
Beispiele:
eine freche, dreiste Anmaßung
eine Anmaßung von Befugnissen, Rechten
die Anmaßung eines Titels
etw. im Ton der Anmaßung sagen
eine solche Anmaßung nicht dulden, entschieden zurückweisen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Maß · dermaßen · einigermaßen · gewissermaßen · Maßnahme · Maßregel · Maßstab · maßvoll · anmaßen · Anmaßung · mäßig · mäßigen · Gemäß
Maß n. ‘Einheit zum Messen von Größen, die durch Messen festgestellte Größe, Meßinstrument, die richtige Mitte, das rechte Verhältnis’, spätmhd. (bair.-öst.) māʒ n. ‘eine bestimmte Quantität, Gefäß zum Messen, Grad, Art und Weise’ (14. Jh.) ist durch Vermischung hervorgegangen aus ahd. māʒa f. (um 1000), mhd. māʒe f. ‘Maß, angemessene Menge, richtig gemessene Größe, abgegrenzte Ausdehnung in Raum, Zeit, Gewicht, Kraft, Art und Weise, das Maßhalten’ (vgl. dazu mnd. mnl. māte f., nl. maat f.) und ahd. meʒ n. ‘Maß, Meßgerät, Ordnung, Art und Weise’ (8. Jh.), mhd. meʒ n. ‘Maß, womit (Flüssigkeit, Getreide) gemessen wird, Ausdehnung, Richtung, Ziel’, das im Obd. bis ins 16. Jh. mit der Bedeutung ‘Meßgerät’ bewahrt wird. Beide sind Bildungen zu dem unter messen (s. d.) behandelten Verb. Luther verwendet Maß mit fem. und neutr. Genus; im 18. Jh. hat sich das Maß durchgesetzt, während die Maß nur noch im Obd. als Hohlmaß (‘ein Liter’) gilt (vgl. eine Maß Bier). Reste fem. Flexion bewahren die ursprünglichen Genitivfügungen dermaßen Adv. ‘derart’ (15. Jh.), einigermaßen Adv. ‘in gewissem Maße, Grade, ziemlich, erträglich, ungefähr’, anfangs (17. Jh.) in genitivischer Fügung einiger Maße. gewissermaßen Adv. ‘sozusagen, gleichsam’ (18. Jh.). Maßnahme f. ‘Regelung, Anordnung’ (19. Jh.), älter Maßnehmung (18. Jh.). Maßregel f. ‘Richtlinie, Vorschrift’ (18. Jh.). Maßstab m. ‘Meßlatte’ (15. Jh.), ‘Richtlinie, nach der etw. beurteilt wird’ (17. Jh.). maßvoll Adj. ‘beherrscht, zurückhaltend’ (19. Jh.). anmaßen Vb. reflexiv ‘über das Zustehende hinausgehen, übermäßig großen Anspruch erheben’, mhd. sich anemāʒen ‘für sich als angemessen beanspruchen’; Anmaßung f. ‘unberechtigter Anspruch, Überheblichkeit’ (um 1500). mäßig Adj. ‘maßvoll, durchschnittlich, nicht überragend’ (18. Jh.), ahd. māʒīg ‘Maß haltend’ (10./11. Jh.), mhd. mæʒic ‘enthaltsam, maßvoll, klein’, mhd. frühnhd. auch ‘angemessen, gemäß, entsprechend’. In der letztgenannten Bedeutung entwickelt sich -mäßig zu einem in moderner Sprache überaus produktiven Kompositionssuffix (vgl. bedeutungs-, funktions-, wetter-, wohnungsmäßig); in dieser Funktion belegt seit dem 16. Jh. mäßigen Vb. ‘auf das rechte Maß herabmildern’, reflexiv ‘sich beherrschen, zurückhalten’, mhd. mæʒigen ‘abmessen, ermessen, veranschlagen’, reflexiv ‘sich enthalten’. Gemäß n. Maßeinheit, Meßgerät (Hohl- und Landmaß), gemes (14. Jh.), Gemeß (16. Jh.), mnd. aengl. gemet, eine Kollektivbildung zu Maß (s. oben und s. ge-). Heute unüblich.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anmaßung · Hochmut · Hybris · Selbstüberhöhung · Vermessenheit
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
Anmaßung · Arroganz · Blasiertheit · Einbildung · Eingebildetsein · Eingenommenheit von sich selbst · Hochmut · Narzissmus · Selbstgefälligkeit · Selbstverliebtheit · Stolz · Überheblichkeit · übersteigertes Selbstbewusstsein  ●  Hoffart  veraltet · Dünkel  geh., veraltend · Hybris  geh. · Prätension  geh., veraltet, bildungssprachlich · Prätention  geh. · Selbstüberhebung  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Anmaßung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anmaßung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Anmaßung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In ihrem Stolz liegt nicht die geringste Anmaßung, gefallen zu wollen. [Wondratschek, Wolf: Mozarts Friseur, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 90]
Aber vielleicht war es überhaupt Anmaßung, hier heilend eingreifen zu wollen. [Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 373]
In gewissem Sinne muß man dieser ungeheuerlichen Anmaßung des begrifflichen Denkens sogar noch Dank wissen. [Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 378]
Leider verblassen auch diese zwei Minuten vor den restlichen hundert Minuten quälender Anmaßung. [Die Zeit, 17.10.1997, Nr. 43]
Ihr vermischt sehr oberflächlich die freie Entscheidung über ein Kind mit der Anmaßung, auch über die Qualität des Kindes noch verfügen zu wollen. [konkret, 1989]
Zitationshilfe
„Anmaßung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anma%C3%9Fung>.

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