Anmut, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Anmut · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungAn-mut
Wortbildung mit ›Anmut‹ als Erstglied: ↗anmutig · ↗anmutlos · ↗anmutslos · ↗anmutsvoll · ↗anmutvoll
 ·  mit ›Anmut‹ als Letztglied: ↗Frauenanmut · ↗Mädchenanmut
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben Liebreiz, Grazie
Beispiele:
eine frische, natürliche, jugendliche, kindliche, bestrickende, gewinnende, ernste, majestätische, herbe, spröde Anmut
voller Anmut sein
Anmut und Würde
sie ist die Anmut und Bescheidenheit selbst
Anmut des Ausdrucks, der Bewegung
[Tadzios] Gehen war […] von außerordentlicher Anmut [Th. MannTod in Venedig9,485]
Anmut sparet nicht noch Mühe [BrechtGedichte53]
die Anmut der Abendlandschaft [Storm5,93]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Anmut · anmuten · anmutig
Anmut f. ‘Liebreiz, Grazie’. Das Wort ist allein auf den dt. Sprachraum beschränkt. Mhd. anemuot m. ist nur einmal in Grimms Weistümern (1338) belegt und bleibt nach Bildung und Bedeutung unsicher (vgl. ²DWB Probeheft 1963, 69); es ist am ehesten als Rückbildung von mhd. anemuoten (s. unten) aufzufassen. Um 1500 kommt Anmut m., diesmal vermutlich als Rückbildung zu dem schon im 14. Jh. bezeugten Adjektiv anemuotec (s. unten), teils als ‘Verlangen, Begierde’ (bis ins 18. Jh.), teils (entsprechend der Bedeutung des Adjektivs) als ‘Liebreiz’ in Umlauf. Das ursprüngliche mask. Genus hält sich vereinzelt bis ins 18. Jh., wird aber schon von der Mitte des 16. Jhs. an allmählich vom fem. verdrängt. anmuten Vb. ‘Wohlgefallen erwecken, angenehm berühren, einen Eindruck erwecken’ (18. Jh.), zuvor (heute unüblich) ‘zumuten’, mhd. anemuoten ‘anfordern, verlangen, begehren, zumuten’, seit dem 14. Jh. neben einfachem, im Nhd. untergegangenem muten (zur Etymologie s. ↗Mut); vgl. auch etw. an jmdn. muten. anmutig Adj. Das vom Verb mhd. anemuoten ausgehende Adjektiv mhd. anemuotec, anemüetic ‘Lust, Verlangen erweckend’ geht um 1500 in die Bedeutung ‘gefällig, liebreizend, lieblich’ über. Im 17. Jh. wird die im Frühnhd. übliche umgelautete Form anmütig aufgegeben.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anmut · ↗Ebenmaß · ↗Grazie · ↗Liebreiz · ↗Reiz · ↗Schönheit · ↗Ästhetik
Assoziationen
Synonymgruppe
Anmut · ↗Annehmlichkeit · ↗Behaglichkeit
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Charme Eleganz Empfindsamkeit Erhabenheit Frische Geschmeidigkeit Grazie Göttin Heiterkeit Innigkeit Leichtigkeit Liebenswürdigkeit Lieblichkeit Liebreiz Natürlichkeit Schönheit Weichheit Würde Zärtlichkeit androgyn beseelt bezaubern bezaubernd mädchenhaft natürlich rokokohaft spröd tänzerisch unbeschreiblich vollendet

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anmut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Dichter warb schon 1881 für die Anmut ihrer wasserreichen Umgebung.
Der Tagesspiegel, 19.05.2004
Vielleicht erklärt sich daraus die heitere Anmut ihrer Kunst, deren ernste Grazie.
Süddeutsche Zeitung, 31.01.1994
Aber er verliebte sich, nicht nur durch das Auge der Kamera hindurch, in ihre höchst unzeitgemäße Anmut.
Nadolny, Sten: Selim oder Die Gabe der Rede, München: Piper 1997 [1990], S. 86
Obwohl seine Musik nur wenig einfallsreich ist, besitzt sie doch Anmut, und es fehlt ihr selten an Würde.
Smith, Julian: Flackton. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1979], S. 13064
Sie war nicht ohne eine gewisse schwere Anmut, dazu grotesk.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 391
Zitationshilfe
„Anmut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anmut>, abgerufen am 15.10.2019.

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