Anomalie, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Anomalie · Nominativ Plural: Anomalien
Aussprache
WorttrennungAno-ma-lie
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Anomalie‹ als Letztglied: ↗Kieferanomalie
eWDG, 1967

Bedeutung

Abweichung vom Normalen, Abnormität
Beispiele:
eine Anomalie der Sehfähigkeit
Anomalien beim Wachstum feststellen
geistige Anomalie (= Geistesgestörtheit)
eine scheußliche Anomalie, die er in letzter Zeit an sich wahrgenommen hatte [Th. MannBuddenbrooks1,684]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

anomal · anormal · Anomalie
anomal Adj. ‘von der Regel abweichend’ wird Anfang des 19. Jhs. wie auch schon älteres anomalisch (2. Hälfte 17. Jh. bis Anfang 20. Jh.) zunächst als grammatischer Terminus verwendet. Beide sind aus spätlat. anōmalos, anōmalus ‘der Form nach mit der Regel nicht übereinstimmend, unregelmäßig’ entlehnt, nach griech. anṓmalos (ἀνώμαλός) ‘uneben, ungleichartig, ungleichmäßig’, aus verneinendem a- bzw. an- vor Vokal (ἀ- privativum) und griech. homalós (ὁμαλός) ‘gleich, eben(mäßig), glatt’, einer l-Bildung zu griech. homós (ὁμός) ‘gemeinsam, ein und derselbe, gleich, ähnlich, eben’ (s. ↗homo-). Das ähnlich lautende anormal Adj. ‘nicht normal, von der Regel abweichend, ungewöhnlich, abnorm’ (2. Hälfte 19. Jh.) ist unter Einfluß von gleichbed. frz. anormal (vgl. schon mlat. anormalus ‘von der Regel abweichend’) vermutlich das Ergebnis einer Kreuzung aus anomal und ↗normal (s. d.), vielleicht auch eine späte Neubildung mit negierendem griech. a(n)- ‘nicht, un-’ und lat. nōrmālis ‘nach dem Winkelmaß gemacht, der Regel entsprechend’, von lat. nōrma ‘Winkelmaß, Richtschnur, Regel’ (s. ↗Norm). Anomalie f. ‘Abweichung von der Regel, vom Normalen, Ausnahme, Abnormität’, gelehrte Entlehnung (um 1700) aus gleichbed. lat. anōmalia, nach dem von griech. anṓmalos (s. oben) abgeleiteten anōmalía (ἀνωμαλία) ‘Unebenheit, Ungleichförmigkeit, Ungleichheit’. Anfangs besonders als grammatischer Terminus und in der Astronomie im Sinne von ‘Amplitude’ gebraucht.

Thesaurus

Synonymgruppe
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abweichung Chromosom Erbgut Gehirn Magnetfeld Mißbildung Paß Ursache absurd angeboren aufweisen bedingt bemerkenswert beseitigen derartig feststellen genetisch geologisch historisch italienisch körperlich magnetisch merkwürdig mortonsch natürlich psychisch sexuell südatlantisch vererbt vorübergehend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anomalie‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Wirtschaft der späten neunziger Jahre ist nicht von Anomalien gestört, sie ist eine Anomalie.
Der Tagesspiegel, 14.04.1998
Der Flug sei zunächst problemlos verlaufen, dann sei jedoch plötzlich »eine Anomalie« aufgetreten.
konkret, 1983
Aber eine solche Situation stellte eine Anomalie dar und konnte nicht von Dauer sein.
Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur, Stuttgart: Kohlhammer 1957, S. 236
Man denke etwa an die Diskussion über die Sterilisierung der zweifellos recht stark vererbbaren manisch-depressiven Anomalie.
Goldstein, Kurt: Der Aufbau des Organismus, Den Haag: Nijhoff 1934, S. 282
Meist gehen mit dem Schwachsinn auch körperliche und nervöse Anomalien verschiedenster Art einher.
Janssen, K.: Schwachsinnigenfürsorge. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 31506
Zitationshilfe
„Anomalie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anomalie>, abgerufen am 22.11.2019.

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