Anschiss, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anschisses · Nominativ Plural: Anschisse
Aussprache
WorttrennungAn-schiss
Grundformanscheißen
Ungültige SchreibungAnschiß, s. Regelwerk: § 2, § 25 (E1)
eWDG, 1967

Bedeutung

vulgär, abwertend Anschnauzer
Beispiel:
einen Anschiss bekommen, einstecken müssen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheißen · Scheiße · Schiet · Schiete · Scheißkerl · Schiß · Anschiß · bescheißen · beschissen · Beschiß · verscheißen · verscheißern · Verschiß · verschissen
scheißen Vb. ‘den Darm entleeren’ (als sehr derb empfunden), ahd. biskīʒan (s. unten), mhd. schīʒen, mnd. schīten, mnl. scīten, nl. schijten, afries. skīta, aengl. scītan, engl. (mundartlich) to shite (neben to shit), anord. skīta, schwed. skita (germ. *skītan) sind an die Dentalerweiterung ie. *skē̌id- der unter ↗scheiden (s. d.) genannten Wurzel ie. *skē̌i- ‘schneiden, trennen, scheiden’ anzuschließen. Die Ausgangsbedeutung ist wohl ‘sich teilen, zerfließen’. Scheiße f. ‘Kot’, in moderner Zeit verbreiteter (häufiger als das Verb gebrauchter) Kraftausdruck der Umgangssprache für alles, was als mißlich empfunden wird, spätmhd. schīʒe ‘Durchfall’. Daneben aus dem Nd. aufgenommenes und als weniger derb angesehenes Schiet m. Schiete f. ‘Kot’, aber auch ‘Dreck, Schmutz, unangenehme Sache’, mnd. schīt(e), mnl. scīte, anord. skītr ‘Kot, Dreck’. Scheißkerl m. Scheltwort ‘kraftloser, mutloser, feiger Mensch’ (18. Jh.). Schiß m. ‘das Scheißen, Blähung’ (16. Jh.), ‘Angst’ (19. Jh.). Anschiß m. ‘grobe Zurechtweisung, Tadel’ (1800). bescheißen Vb. ‘mit Kot verunreinigen, betrügen’, ahd. biskīʒan ‘besudeln’ (11. Jh.), mhd. beschīʒen ‘besudeln, betrügen’; beschissen Part.adj. ‘besudelt, beschmutzt’, bildlich ‘entehrt’, dann ‘unangenehm, peinlich, unerträglich’. Beschiß m. ‘Betrug’, spätmhd. beschiʒ. verscheißen Vb. ‘mit Kot beschmutzen’ (17. Jh.). Bildlich verscheißern Vb. ‘zum Narren halten, betrügen’ (20. Jh.). Entsprechend in der Studentensprache Verschiß m. ‘Verruf, Mißachtung’ (18. Jh.). Daran anknüpfend in derber Umgangssprache verschissen Part. Prät. in der Wendung es verschissen haben ‘es mit jmdm. verdorben haben, jmds. Gunst verloren haben’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abkanzelung · ↗Belehrung · ↗Ermahnung · ↗Lehre · ↗Lektion · ↗Maßregelung · ↗Moralpredigt · ↗Rüffel · ↗Schelte · ↗Tadel · ↗Verweis · ↗Zurechtweisung  ●  ↗Abmahnung  juristisch · Adhortation  veraltet · ↗Ordnungsruf  politisch · ↗Rüge  Hauptform · ↗Abreibung  ugs. · ↗Anpfiff  ugs. · Anschiss  ugs., salopp · ↗Denkzettel  ugs. · ↗Donnerwetter  ugs. · ↗Einlauf  ugs., salopp, fig. · Opprobration  geh., veraltet, lat. · ↗Schimpfe  ugs. · ↗Standpauke  ugs. · ↗Strafpredigt  ugs. · ↗Zigarre  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann setzt es einen tüchtigen Anschiß und ein paar Tage Arrest.
Die Zeit, 10.07.1995, Nr. 28
Noch in der Kabine verpasste er seinen Versagern einen kräftigen Anschiss.
Bild, 28.07.2000
Vielmehr habe er, so denn der Ministerpräsident, dem unbotmäßigen Beamten "nur einen Anschiß" erteilt und dessen Ablösung durch das Innenministerium erbeten.
Der Spiegel, 16.02.1981
Als Gerhard Schröder im Kabinett in die Runde blickte, vermißte er seinen Umweltminister, dem er an diesem Morgen eigentlich einen heftigen Anschiß verpassen wollte.
Süddeutsche Zeitung, 21.06.1999
Seine Freizeit ist streng geregelt: Besuch einer Sportveranstaltung, Besäufnis, gemeinsames Absingen von Liedern, Keilerei, Anschiß durch den Spieß, Strafexerzieren und das Ganze wieder von vorn.
konkret, 1989
Zitationshilfe
„Anschiss“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anschiss>, abgerufen am 21.02.2019.

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