Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ansinnen, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ansinnens · Nominativ Plural: Ansinnen
Aussprache 
Worttrennung An-sin-nen
Grundformansinnen
eWDG

Bedeutung

gehoben Zumutung
Beispiele:
ein freches, plumpes, dreistes, unverschämtes Ansinnen an jmdn. stellen, richten
ein Ansinnen ablehnen, zurückweisen
sein Ansinnen befremdet mich
daß sie auf dies ohnehin etwas eigentümliche Ansinnen … unter keinen Umständen eingehen dürfe [ HesseSteppenw.4,188]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. Gesinde sowie verwandtes senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Projekt · Streben · Unternehmen · Unternehmung · Vorhaben  ●  Ansinnen  geh. · Unterfangen  geh.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Absicht · Plan · Vorhaben · Zweck  ●  Intention  bildungssprachlich · Ansinnen  geh. · Behuf  geh., veraltet
Synonymgruppe
(ungehörige / irritierende / übertriebene / deplatzierte ...) Forderung(en) · Zumutung · überzogene Ansprüche  ●  Ansinnen  geh. · Unverschämtheit  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Ansinnen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ansinnen‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ansinnen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer das nicht kann, scheitert – und der Schule wird angesonnen, eben die Form des Scheiterns zu verhindern. [Die Zeit, 02.08.1996, Nr. 32]
Dieses Schicksal ist in demokratischen Zeiten hierzulande noch keinem Fürsten angesonnen worden. [Süddeutsche Zeitung, 20.04.1995]
Wahrscheinlich würde ich ihr tausendmal mehr imponieren, hätte ich öfter Nein gesagt zu ihren Ansinnen. [Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 307]
Und ich stellte an meinen Vater das Ansinnen, mir selber einen Rat zu geben. [Schnitzler, Arthur: Jugend in Wien, Eine Autobiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1918], S. 40070]
Doch mit diesem Ansinnen ließ man ihn im Regen stehen. [C't, 2000, Nr. 18]
Zitationshilfe
„Ansinnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ansinnen>.

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