Ansinnen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ansinnens · Nominativ Plural: Ansinnen
Aussprache
WorttrennungAn-sin-nen
Grundformansinnen
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben Zumutung
Beispiele:
ein freches, plumpes, dreistes, unverschämtes Ansinnen an jmdn. stellen, richten
ein Ansinnen ablehnen, zurückweisen
sein Ansinnen befremdet mich
daß sie auf dies ohnehin etwas eigentümliche Ansinnen ... unter keinen Umständen eingehen dürfe [HesseSteppenw.4,188]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter ↗Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. ↗Gesinde sowie verwandtes ↗senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Projekt · ↗Streben · ↗Unternehmen · ↗Unternehmung · ↗Vorhaben  ●  Ansinnen  geh. · ↗Unterfangen  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Absicht · ↗Intention · ↗Plan · ↗Vorhaben · ↗Zweck  ●  Ansinnen  geh. · ↗Behuf  geh., veraltet
Unterbegriffe
  • Schuman-Erklärung · Schuman-Plan
  • Netzausbauplan · Netzentwicklungsplan
  • Sonntagsfrage · Wahlabsichtsfrage
  • Backe-Plan · Hungerplan
Synonymgruppe
(ungehörige / irritierende / übertriebene / deplatzierte ...) Forderung(en) · ↗Zumutung · überzogene Ansprüche  ●  Ansinnen  geh. · ↗Unverschämtheit  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

abblitzen abblocken ablehnen abschmettern abwehren abweisen derartig ehrenwert hehr herantragen herantreten löblich nachkommen scheitern solch stattgeben sträuben unbillig unerhört ungeheuerlich unsittlich unzumutbar verwahren verwerfen vorgetragen wehren widersetzen widersprechen widerstehen zurückweisen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ansinnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Schulen selbst zeigten sich von dem Ansinnen allerdings bisher wenig begeistert.
Der Tagesspiegel, 29.08.2001
Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklungen erscheint dieses Ansinnen vielen Fachleuten sehr unrealistisch.
Süddeutsche Zeitung, 23.02.1994
Wahrscheinlich würde ich ihr tausendmal mehr imponieren, hätte ich öfter Nein gesagt zu ihren Ansinnen.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 307
Und ich stellte an meinen Vater das Ansinnen, mir selber einen Rat zu geben.
Schnitzler, Arthur: Jugend in Wien, Eine Autobiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1918], S. 40070
Er lehne solches Ansinnen ab und halte sich bereit, das alte Recht zu verteidigen.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 206
Zitationshilfe
„Ansinnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ansinnen>, abgerufen am 23.10.2019.

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