Anspruch, der
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anspruch(e)s · Nominativ Plural: Ansprüche
Aussprache
WorttrennungAn-spruch (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

(berechtigte) Forderung
a)
Beispiele:
bescheidene, geringe, berechtigte Ansprüche haben, stellen, erheben
hohe Ansprüche an seine Schüler, an jmds. Geldbeutel stellen
diese Rolle stellt besondere Ansprüche an den Schauspieler
Ansprüche auf elegante Kleidung, ein luxuriöses Leben machen
jmds. Anspruch befriedigen, erfüllen
seine Ansprüche anmelden, geltend machen
den Ansprüchen gerecht werden, nicht genügen können
seine Ansprüche aufgeben, herabsetzen, seinen Ansprüchen entsagen
diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit
b)
etw., jmdn. in Anspruch nehmenetw., jmdn. beanspruchen
Beispiele:
etw. als sein Verdienst, ein Vorrecht für sich in Anspruch nehmen
die beruflichen Pflichten nehmen mich völlig in Anspruch
die Beratungen werden einige Zeit in Anspruch nehmen
er hat mich stark, lange in Anspruch genommen
jmds. Zeit, Gefälligkeit, Güte, Gastfreundschaft, Hilfe, Kredit in Anspruch nehmen (= benutzen)
ich bin durch meine Arbeit zu sehr in Anspruch genommen (= habe zu viel zu arbeiten)
c)
(einen) Anspruch haben auf etw., jmdn.ein Recht haben auf etw., jmdn.
Beispiele:
(einen) Anspruch auf Belohnung, Urlaub haben
keinen Anspruch auf Schadenersatz haben
ein verbriefter, verbürgter, verjährter, territorialer Anspruch auf etw.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sprechen · Sprecher · absprechen · Absprache · ansprechen · Ansprache · Anspruch · besprechen · Besprechung · Einspruch · versprechen · Versprechen · Versprechung · zusprechen · Zuspruch
sprechen Vb. ‘reden’, ahd. sprehhan (8. Jh.), mhd. sprechen, asächs. sprekan, mnd. mnl. sprēken, nl. spreken, afries. spreka, aengl. sprecan (westgerm. *sprekan) und die r-losen Formen ahd. spehhan (9. Jh.), asächs. spekan, mhd. spehten ‘schwatzen’, aengl. specan, engl. to speak ‘reden’, mnl. spēken werden wie mnd. sprāken ‘Funken sprühen’, mnl. sparken, aengl. spearcian, anord. schwed. spraka ‘knistern, prasseln’ und die unter ↗Sprache (s. d.) genannten Formen als Schallwörter mit alban. shpreh ‘ich spreche aus’, kymr. ffreg ‘Geschwätz’ und aind. sphū́rjati ‘donnert, grollt’, griech. spharagḗīsthai (σφαραγεῖσθαι) ‘knistern, zischen, strotzen, zum Platzen voll sein’, lit. (ablautend) sprógti ‘bersten, platzen’, ohne anlautendes s- kslaw. prъžiti, pražiti ‘rösten, dörren’, russ. (älter) prjážit’ (пряжить) ‘in Butter backen’ auf ie. *(s)p(h)ereg-, *(s)p(h)erəg-, *(s)p(h)rēg- zurückgeführt, eine g-Erweiterung der unter ↗Sporn (s. d.) genannten Wurzel ie. *sp(h)er(ə)- ‘zucken, zappeln, schnellen’ (auch ‘streuen, sprengen, spritzen’, s. ↗sprühen, ↗Spur). Diese Wurzelerweiterung läßt sich nur im Germ. und Kelt. für den Bereich ‘sprechen’ nachweisen. Ungeklärt ist das Nebeneinander der germ. Formen mit und ohne r. Vielleicht handelt es sich um ein emphatisches r in jüngeren Formen oder um r-Ausfall zwischen Labial und ie. g? Sprecher m. ‘wer (als Beauftragter) spricht’, ahd. sprehhāri (11. Jh.), mhd. sprechære. absprechen Vb. ‘aberkennen, vereinbaren’, mhd. abesprechen ‘ein Urteil sprechen, aberkennen, leugnen, widerrufen’; Absprache f. ‘Vereinbarung’ (18. Jh.). ansprechen Vb. ‘anreden’, ahd. anasprehhan (11. Jh.), mhd. anesprechen ‘anfangen zu sprechen, in Anspruch nehmen, einen mit Worten (herausfordernd, beschuldigend, anklagend) angehen’, übertragen ‘gefallen, anrühren’ (Anfang 19. Jh.); Ansprache f. ‘kürzere Rede, Anrede’, in älterer Sprache ‘Anklage, Anspruch’, ahd. anasprāhha (9. Jh.), mhd. anesprāche; Anspruch m. ‘Anrecht, Forderung’, mhd. anspruch ‘Anklage, Einspruch’. besprechen Vb. ‘über etw. reden, etw. festlegen, rezensieren, (Krankheiten) beschwören, mit Zaubersprüchen zu heilen suchen’, ahd. bisprehhan ‘anfechten, tadeln, verleumden’ (8. Jh.), mhd. besprechen ‘verabreden, jmdn. anreden, anklagen, verlangen’; Besprechung f. ‘Gespräch, Beratung’ (16. Jh.), ‘Rezension, Behandlung von Krankheiten durch Beschwörung mit Zauberformeln’ (19. Jh.). Einspruch m. ‘Einwand, Protest, Widerspruch, Beschwerde’ (15. Jh.). versprechen Vb. ‘zusichern’, (refl.) ‘versehentlich falsch sprechen’, ahd. firsprehhan ‘in Abrede stellen, zurückweisen, vertreten, verteidigen, rechtfertigen’ (9. Jh.), mhd. versprechen ‘bürgen, verteidigen, entschuldigen, in Anspruch nehmen, zusichern, widersprechen, leugnen, zurückweisen, unrichtig sprechen, zaubern, beschwören’; Versprechen n. ‘Zusicherung, Gelöbnis’ (16. Jh.); Versprechung f. ‘Zusicherung, Versicherung, Gelöbnis’ (15. Jh.). zusprechen Vb. ‘trösten, zuerkennen, Speise und Trank sich schmecken lassen’, ahd. zuosprehhan ‘mit jmdm. reden’ (8. Jh.), mhd. zuosprechen ‘jmdm. zureden, zu jmdm. ein Wort sprechen, fordern, anklagen’; Zuspruch m. ‘Trost, Zulauf’ (17. Jh.), mhd. zuospruch ‘Anspruch, rechtliche Forderung oder Klage’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Unterbegriffe
  • Privileg · Vorrecht
  • Copyright · Urheberrecht · geistiges Eigentum · intellektuelles Eigentum
  • Postrecht · Postregal
  • Ferienwohnrecht · Teilnutzungsrecht · Teilzeiteigentum · Teilzeitwohnrecht · Timesharing · Wohnnutzungsrecht
  • Erbbaurecht  ●  Erbpacht  ugs.
  • Strafanspruch des Staates · Strafmonopol des Staates
  • Recht auf Eigenauskunft · Recht auf Selbstauskunft
  • Panoramafreiheit  fachspr. · Straßenbildfreiheit  fachspr.
Synonymgruppe
(berechtigter) Anspruch · zustehender Betrag
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitslosengeld Entschädigung Hilfe Leistungen Schadenersatz Vollständigkeit Wirklichkeit angemeldet befriedigen bekräftigt berechtigten besteht durchzusetzen eigenen einlösen erfüllen erheben formuliert gehobene genügen gerecht gesetzlichen hohen künstlerischen moralischen nehmen stellen territorialen untermauern verjährt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anspruch‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer eine Kamera kaufen will, sollte sich zunächst über seine Ansprüche klar werden.
Die Zeit, 15.05.2013, Nr. 20
Mit diesem Anspruch will es die Aufklärung nun genau wissen.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 59
Die Untersuchungen gegen sie würden einige Zeit in Anspruch nehmen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1973]
In der Führung des Hauses hat der Vater Anspruch auf Gehorsam.
Janssen, K.: Familie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 4703
Auf die Menschenrechte haben auch die Staatsangehörigen Anspruch, aber nicht sie allein.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 390