Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Anspruch, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anspruch(e)s · Nominativ Plural: Ansprüche
Aussprache  [ˈanʃpʀʊχ]
Worttrennung An-spruch
Grundformansprechen
Wortbildung  mit ›Anspruch‹ als Erstglied: Anspruchsberechtigte · Anspruchsdenken · Anspruchsgesellschaft · Anspruchsgrundlage · Anspruchsgruppe · Anspruchshaltung · Anspruchsniveau · Anspruchsteller · anspruchsberechtigt · anspruchslos · anspruchsvoll · anspruchvoll · ansprüchlich
 ·  mit ›Anspruch‹ als Letztglied: Absolutheitsanspruch · Alleinvertretungsanspruch · Ausgleichsanspruch · Auskunftanspruch · Auskunftsanspruch · Ausschließlichkeitsanspruch · Autonomieanspruch · Autoritätsanspruch · Bereicherungsanspruch · Besitzanspruch · Bildungsanspruch · Deflorationsanspruch · Eigentumsanspruch · Entschädigungsanspruch · Erbanspruch · Erbschaftsanspruch · Erkenntnisanspruch · Erklärungsanspruch · Ersatzanspruch · Erstattungsanspruch · Erziehungsanspruch · Fahranspruch · Führungsanspruch · Garantieanspruch · Gebietsanspruch · Gehaltsanspruch · Geltungsanspruch · Gewährleistungsanspruch · Gläubigeranspruch · Haftungsanspruch · Hegemonialanspruch · Herausgabeanspruch · Herrschaftsanspruch · Honoraranspruch · Kranzgeldanspruch · Kunstanspruch · Lebensanspruch · Leistungsanspruch · Lohnanspruch · Machtanspruch · Monopolanspruch · Mängelanspruch · Patentanspruch · Pensionsanspruch · Qualitätsanspruch · Realitätsanspruch · Rechtsanspruch · Regressanspruch · Rentenanspruch · Reparationsanspruch · Restitutionsanspruch · Rückgabeanspruch · Schadenersatzanspruch · Schadensersatzanspruch · Souveränitätsanspruch · Steueranspruch · Totalanspruch · Totalitätsanspruch · Universalitätsanspruch · Unterhaltsanspruch · Unterlassungsanspruch · Urlaubsanspruch · Vergütungsanspruch · Versicherungsanspruch · Versorgungsanspruch · Wahrheitsanspruch · Wissensanspruch · Zahlungsanspruch
 ·  mit ›Anspruch‹ als Binnenglied: Inanspruchnahme  ·  formal verwandt mit: beanspruchen

Bedeutungsübersicht+

  1. (berechtigte) Forderung
    1. a) ...
    2. b) ⟨etw., jmdn. in Anspruch nehmen⟩ etw., jmdn. beanspruchen
    3. c) ⟨(einen) Anspruch haben auf etw., jmdn.⟩ ein Recht haben auf etw., jmdn.
eWDG

Bedeutung

(berechtigte) Forderung
a)
Beispiele:
bescheidene, geringe, berechtigte Ansprüche haben, stellen, erheben
hohe Ansprüche an seine Schüler, an jmds. Geldbeutel stellen
diese Rolle stellt besondere Ansprüche an den Schauspieler
Ansprüche auf elegante Kleidung, ein luxuriöses Leben machen
jmds. Anspruch befriedigen, erfüllen
seine Ansprüche anmelden, geltend machen
den Ansprüchen gerecht werden, nicht genügen können
seine Ansprüche aufgeben, herabsetzen, seinen Ansprüchen entsagen
diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit
b)
etw., jmdn. in Anspruch nehmenetw., jmdn. beanspruchen
Beispiele:
etw. als sein Verdienst, ein Vorrecht für sich in Anspruch nehmen
die beruflichen Pflichten nehmen mich völlig in Anspruch
die Beratungen werden einige Zeit in Anspruch nehmen
er hat mich stark, lange in Anspruch genommen
jmds. Zeit, Gefälligkeit, Güte, Gastfreundschaft, Hilfe, Kredit in Anspruch nehmen (= benutzen)
ich bin durch meine Arbeit zu sehr in Anspruch genommen (= habe zu viel zu arbeiten)
c)
(einen) Anspruch haben auf etw., jmdn.ein Recht haben auf etw., jmdn.
Beispiele:
(einen) Anspruch auf Belohnung, Urlaub haben
keinen Anspruch auf Schadenersatz haben
ein verbriefter, verbürgter, verjährter, territorialer Anspruch auf etw.
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sprechen · Sprecher · absprechen · Absprache · ansprechen · Ansprache · Anspruch · besprechen · Besprechung · Einspruch · versprechen · Versprechen · Versprechung · zusprechen · Zuspruch
sprechen Vb. ‘reden’, ahd. sprehhan (8. Jh.), mhd. sprechen, asächs. sprekan, mnd. mnl. sprēken, nl. spreken, afries. spreka, aengl. sprecan (westgerm. *sprekan) und die r-losen Formen ahd. spehhan (9. Jh.), asächs. spekan, mhd. spehten ‘schwatzen’, aengl. specan, engl. to speak ‘reden’, mnl. spēken werden wie mnd. sprāken ‘Funken sprühen’, mnl. sparken, aengl. spearcian, anord. schwed. spraka ‘knistern, prasseln’ und die unter Sprache (s. d.) genannten Formen als Schallwörter mit alban. shpreh ‘ich spreche aus’, kymr. ffreg ‘Geschwätz’ und aind. sphū́rjati ‘donnert, grollt’, griech. spharagḗīsthai (σφαραγεῖσθαι) ‘knistern, zischen, strotzen, zum Platzen voll sein’, lit. (ablautend) sprógti ‘bersten, platzen’, ohne anlautendes s- kslaw. prъžiti, pražiti ‘rösten, dörren’, russ. (älter) prjážit’ (пряжить) ‘in Butter backen’ auf ie. *(s)p(h)ereg-, *(s)p(h)erəg-, *(s)p(h)rēg- zurückgeführt, eine g-Erweiterung der unter Sporn (s. d.) genannten Wurzel ie. *sp(h)er(ə)- ‘zucken, zappeln, schnellen’ (auch ‘streuen, sprengen, spritzen’, s. sprühen, Spur). Diese Wurzelerweiterung läßt sich nur im Germ. und Kelt. für den Bereich ‘sprechen’ nachweisen. Ungeklärt ist das Nebeneinander der germ. Formen mit und ohne r. Vielleicht handelt es sich um ein emphatisches r in jüngeren Formen oder um r-Ausfall zwischen Labial und ie. g? – Sprecher m. ‘wer (als Beauftragter) spricht’, ahd. sprehhāri (11. Jh.), mhd. sprechære. absprechen Vb. ‘aberkennen, vereinbaren’, mhd. abesprechen ‘ein Urteil sprechen, aberkennen, leugnen, widerrufen’; Absprache f. ‘Vereinbarung’ (18. Jh.). ansprechen Vb. ‘anreden’, ahd. anasprehhan (11. Jh.), mhd. anesprechen ‘anfangen zu sprechen, in Anspruch nehmen, einen mit Worten (herausfordernd, beschuldigend, anklagend) angehen’, übertragen ‘gefallen, anrühren’ (Anfang 19. Jh.); Ansprache f. ‘kürzere Rede, Anrede’, in älterer Sprache ‘Anklage, Anspruch’, ahd. anasprāhha (9. Jh.), mhd. anesprāche; Anspruch m. ‘Anrecht, Forderung’, mhd. anspruch ‘Anklage, Einspruch’. besprechen Vb. ‘über etw. reden, etw. festlegen, rezensieren, (Krankheiten) beschwören, mit Zaubersprüchen zu heilen suchen’, ahd. bisprehhan ‘anfechten, tadeln, verleumden’ (8. Jh.), mhd. besprechen ‘verabreden, jmdn. anreden, anklagen, verlangen’; Besprechung f. ‘Gespräch, Beratung’ (16. Jh.), ‘Rezension, Behandlung von Krankheiten durch Beschwörung mit Zauberformeln’ (19. Jh.). Einspruch m. ‘Einwand, Protest, Widerspruch, Beschwerde’ (15. Jh.). versprechen Vb. ‘zusichern’, (reflexiv) ‘versehentlich falsch sprechen’, ahd. firsprehhan ‘in Abrede stellen, zurückweisen, vertreten, verteidigen, rechtfertigen’ (9. Jh.), mhd. versprechen ‘bürgen, verteidigen, entschuldigen, in Anspruch nehmen, zusichern, widersprechen, leugnen, zurückweisen, unrichtig sprechen, zaubern, beschwören’; Versprechen n. ‘Zusicherung, Gelöbnis’ (16. Jh.); Versprechung f. ‘Zusicherung, Versicherung, Gelöbnis’ (15. Jh.). zusprechen Vb. ‘trösten, zuerkennen, Speise und Trank sich schmecken lassen’, ahd. zuosprehhan ‘mit jmdm. reden’ (8. Jh.), mhd. zuosprechen ‘jmdm. zureden, zu jmdm. ein Wort sprechen, fordern, anklagen’; Zuspruch m. ‘Trost, Zulauf’ (17. Jh.), mhd. zuospruch ‘Anspruch, rechtliche Forderung oder Klage’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anrecht · Anspruch · Recht
Synonymgruppe
(berechtigter) Anspruch · zustehender Betrag
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
Anspruch · Erwartung · Forderung
Synonymgruppe
Ambition · Anspruch · Niveau · Prätention · Qualität
Assoziationen
Synonymgruppe
Anrecht · Anspruch · Anwartschaft · Aussicht · Berechtigung

Typische Verbindungen zu ›Anspruch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anspruch‹.

Verwendungsbeispiele für ›Anspruch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer sich snobistisch aufführt, straft seinen eigenen Anspruch auf Bildung Lügen. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 600]
Von den ökonomischen Gesetzen auszugehen, stellt hohe Ansprüche an die Planung. [Einheit, 1972, Nr. 7, Bd. 27]
Die bescheidene Ausstattung des alten Hauses genügte den gewachsenen Ansprüchen nicht mehr. [Bruyn, Günter de: Unter den Linden, Berlin: Siedler 2002, S. 124]
Mit diesem Anspruch will es die Aufklärung nun genau wissen. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 59]
Die Ansprüche sind gestiegen, die Kunden sind zu Recht qualitätsbewusst. [Der Spiegel, 29.05.2000]
Zitationshilfe
„Anspruch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anspruch>.

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