Anspruchsdenken, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Anspruchsdenkens · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [ˈanʃpʀʊχsˌdɛŋkn̩]
Worttrennung An-spruchs-den-ken
Wortzerlegung AnspruchDenken
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Überzeugung, das Recht auf bestimmte (überzogene) Ansprüche zu haben; Haltung, Denkweise, die die eigenen, persönlichen Ansprüche in den Mittelpunkt stellt
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein überzogenes, maßloses, überhöhtes, ausgeprägtes Anspruchsdenken
Beispiele:
Strenger diagnostiziert dem Westen ein mehr oder weniger unverhohlenes Anspruchsdenken: Wir halten die Freiheit für selbstverständlich und sehen das persönliche Glück als Grundrecht an. [Die Welt, 28.01.2017]
Die neuseeländische Psychologin Samantha Stronge von der University of Auckland berichtete kürzlich im Fachblatt Personality and Social Psychology Bulletin, dass es keine Hinweise für eine Ausweitung des Anspruchsdenkens in der jungen Generation gebe – was ein wesentlicher Narzissmus‑Baustein wäre. [Süddeutsche Zeitung, 25.11.2017]
[…] in seiner Abschiedsrede warnte er [der Politiker] vor dem Anspruchsdenken gegenüber dem Staat als Dienstleister und politisches Versandhaus […]. [Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2017]
Wir werden der nächsten Generation eine höchst komplexe Welt hinterlassen. Mit dem wachsenden Anspruchsdenken riskieren wir, unseren Lebensraum Erde zu überfordern. [Der Standard, 20.05.2011]
Sie [die SPD-Avantgarde] stößt sich an einem übertriebenen Individualismus und einem exzessiven Anspruchsdenken, das sie für die Frucht dieses rebellischen Geistes [der 68er] hält. [Die Zeit, 23.09.1999, Nr. 39]
2.
Zielsetzung, Erwartungshaltung
Beispiele:
Was sein Team geboten hatte, entsprach so gar nicht dem Anspruchsdenken des Meistertrainers. [Süddeutsche Zeitung, 16.02.2016]
Doch ob ein Praktikum gewinnbringend ist, hängt auch vom Anspruchsdenken und der Einsatzbereitschaft des Praktikanten ab. »Am fruchtbarsten ist es, wenn man herausfordernde Tätigkeiten erledigt«, sagt Knobbe. [Die Welt, 26.05.2012]
Deutschlands Fan‑Liebling Özil traut sich und dem deutschen Team beim Turnier in Polen und der Ukraine alles zu: »Jetzt wollen wir die Europameisterschaft holen. Und ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können.« Die Sportliche Leitung kann froh sein über dieses Anspruchsdenken, mit dem andere mitgerissen werden sollen. [Die Zeit, 21.05.2012 (online)]
Sein Ziel? »Ich möchte eine Mannschaft formen, die in der Lage ist, guten Offensiv‑Fußball zu spielen.« Dabei muss er mit deutlich weniger Kohle (35 statt 48 Mio Personal‑Etat) auskommen. Oenning: »Es würde uns guttun, wenn wir das Anspruchsdenken der Realität anpassen. Wir werden viel Erfahrung verlieren. Da müssen andere reinwachsen.« [Bild, 20.04.2011]
Bei den Bayern wird immer erwartet, dass man jeden Wettbewerb gewinnt, an dem man teilnimmt. Das ist das Anspruchsdenken, das hat die Bayern über Jahrzehnte auch so stark gemacht. [Die Welt, 30.06.2008]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Anspruchsdenken · ↗Anspruchshaltung · ↗Erwartungshaltung · Versorgungsmentalität  ●  Jammern auf hohem Niveau  fig., variabel · Ansprüchlichkeit (psychol.)  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (ein) Gierschlund (sein)  ugs. · (etwas) ist nie genug (für jemanden)  ugs. · den Hals nicht voll (genug) kriegen (können)  ugs., fig. · immer mehr (haben) wollen  ugs. · vom Stamme Nimm sein  ugs.
  • Selbstbedienungsmentalität · an sich selbst zuerst denken  ●  Hauptsache ich!  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Anspruchsdenken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anspruchsdenken‹.

Zitationshilfe
„Anspruchsdenken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anspruchsdenken>, abgerufen am 19.04.2021.

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