Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Antagonismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Antagonismus · Nominativ Plural: Antagonismen
Aussprache 
Worttrennung An-ta-go-nis-mus · Ant-ago-nis-mus
Wortbildung  mit ›Antagonismus‹ als Letztglied: Klassenantagonismus
Herkunft zu antagōnízesthaigriech (ἀνταγωνίζεσθαι) ‘gegeneinander kämpfen, miteinander rivalisieren’
eWDG

Bedeutung

(unüberbrückbarer) Gegensatz
Beispiele:
ein heftiger Antagonismus
Philosophieder Antagonismus zweier Kräfte, zweier Klassen
daß die Interessen … vielfach in Antagonismus zueinander stehen [ SchweitzerAus meinem Leben183]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Antagonismus · Antagonist · antagonistisch
Antagonismus m. ‘Gegensatz, Gegnerschaft’, wörtlich ‘Widerstreit’, denn das zugrundeliegende Verb griech. antagōnízesthai (ἀνταγωνίζεσθαι) bedeutet ‘gegeneinander kämpfen, miteinander rivalisieren’. Es ist eine Präfixbildung (s. anti-) zu dem von griech. agṓn (ἀγών) ‘Kampf(platz), Wettkampf’ (wozu auch Agonie, s. d.) abgeleiteten Verbum agōnízesthai (ἀγωνίζεσθαι) ‘um etw. kämpfen’. Als Verbalabstraktum auf -ism- (-ισμ-) kennt das Griech. zu diesem Verb nur das Neutrum antagṓnisma (ἀνταγώνισμα) ‘Widerstreit’, während das Simplex gleich anderen Verben auf -ízein (-ίζειν) auch das Maskulinum agōnismós (ἀγωνισμός) ‘das Kämpfen, Streben’ bildet. Das Deutsche nimmt in der 2. Hälfte des 18. Jhs. latinisiertes Antagonismus auf, bezieht es seit der Mitte des 19. Jhs. vornehmlich auf geschichtliche, gesellschaftliche Gegensätze und schafft dadurch die Voraussetzung für die terminologische Bedeutung, die das Wort in der marxistisch-leninistischen Philosophie angenommen hat: ‘dialektischer Widerspruch, der auf dem unversöhnlichen Interessengegensatz verschiedener gesellschaftlicher Klassen beruht’. – Älter ist die Entlehnung des Nomen agentis Antagonist m. ‘Gegner, Widersacher, Rivale’ (2. Hälfte 16. Jh., häufiger erst seit dem 18. Jh.) aus gleichbed. griech. antagōnistḗs (ἀνταγωνιστής) bzw. dessen spätlat. Entsprechung antagōnista m., anfangs gelegentlich mit lat. (-ista) oder frz. Endung (-iste). Auch die bis heute in der Physiologie gültige Verwendung ‘Träger einer entgegengesetzten Wirkung, Funktion’ setzt (auf entgegengesetzt wirkende Muskeln bezogen) Anfang des 18. Jhs. ein. antagonistisch Adj. ‘widerstreitend, gegensätzlich, unversöhnlich’ (um 1800).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gegensatz · Widerstand · Widerstreit  ●  Antagonismus  geh., griechisch
Synonymgruppe
Abweichung · Auseinandergehen · Divergenz · Ungleichheit · Verschiedenartigkeit  ●  Antagonismus  geh., griechisch

Typische Verbindungen zu ›Antagonismus‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Antagonismus‹.

Verwendungsbeispiele für ›Antagonismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir haben also einen deutlichen Antagonismus zwischen zwei sprachlichen Leistungen. [Goldstein, Kurt: Der Aufbau des Organismus, Den Haag: Nijhoff 1934, S. 34]
Gewiss bleibt alles politische Denken letztlich dem politischen Antagonismus verhaftet. [Heller, Hermann: Staatslehre, Leiden: Sijthoff 1934, S. 51]
In der Tat, der Antagonismus der Klassen entwickelte sich mit zunehmender Schärfe. [konkret, 1984]
Sie hat sich zum Ziel gesetzt, dazu beizutragen, diesen europäischen Antagonismus allmählich überwinden zu helfen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1967]]
Wie läßt sich der musikalisch fundierte Antagonismus in der Szene darstellen? [Die Zeit, 29.04.1966, Nr. 18]
Zitationshilfe
„Antagonismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Antagonismus>.

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