Antagonismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Antagonismus · Nominativ Plural: Antagonismen
Aussprache
WorttrennungAn-ta-go-nis-mus · Ant-ago-nis-mus (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Antagonismus‹ als Letztglied: ↗Klassenantagonismus
eWDG, 1967

Bedeutung

(unüberbrückbarer) Gegensatz
Beispiele:
ein heftiger Antagonismus
Philosophie der Antagonismus zweier Kräfte, zweier Klassen
daß die Interessen ... vielfach in Antagonismus zueinander stehen [SchweitzerAus meinem Leben183]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Antagonismus · Antagonist · antagonistisch
Antagonismus m. ‘Gegensatz, Gegnerschaft’, wörtlich ‘Widerstreit’, denn das zugrundeliegende Verb griech. antagōnízesthai (ἀνταγωνίζεσθαι) bedeutet ‘gegeneinander kämpfen, miteinander rivalisieren’. Es ist eine Präfixbildung (s. ↗anti-) zu dem von griech. agṓn (ἀγών) ‘Kampf(platz), Wettkampf’ (wozu auch ↗Agonie, s. d.) abgeleiteten Verbum agōnízesthai (ἀγωνίζεσθαι) ‘um etw. kämpfen’. Als Verbalabstraktum auf -ism- (-ισμ-) kennt das Griech. zu diesem Verb nur das Neutrum antagṓnisma (ἀνταγώνισμα) ‘Widerstreit’, während das Simplex gleich anderen Verben auf -ízein (-ίζειν) auch das Maskulinum agōnismós (ἀγωνισμός) ‘das Kämpfen, Streben’ bildet. Das Deutsche nimmt in der 2. Hälfte des 18. Jhs. latinisiertes Antagonismus auf, bezieht es seit der Mitte des 19. Jhs. vornehmlich auf geschichtliche, gesellschaftliche Gegensätze und schafft dadurch die Voraussetzung für die terminologische Bedeutung, die das Wort in der marxistisch-leninistischen Philosophie angenommen hat: ‘dialektischer Widerspruch, der auf dem unversöhnlichen Interessengegensatz verschiedener gesellschaftlicher Klassen beruht’. Älter ist die Entlehnung des Nomen agentis Antagonist m. ‘Gegner, Widersacher, Rivale’ (2. Hälfte 16. Jh., häufiger erst seit dem 18. Jh.) aus gleichbed. griech. antagōnistḗs (ἀνταγωνιστής) bzw. dessen spätlat. Entsprechung antagōnista m., anfangs gelegentlich mit lat. (-ista) oder frz. Endung (-iste). Auch die bis heute in der Physiologie gültige Verwendung ‘Träger einer entgegengesetzten Wirkung, Funktion’ setzt (auf entgegengesetzt wirkende Muskeln bezogen) Anfang des 18. Jhs. ein. antagonistisch Adj. ‘widerstreitend, gegensätzlich, unversöhnlich’ (um 1800).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gegensatz · ↗Widerstand · ↗Widerstreit  ●  Antagonismus  geh., griechisch
Synonymgruppe
Abweichung · Auseinandergehen · ↗Divergenz · ↗Ungleichheit · ↗Verschiedenartigkeit  ●  Antagonismus  geh., griechisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufhebung Kapital Kapitalismus Konfrontation Ost Sozialismus Supermacht aufbrechen aufheben beseitigen deutsch-französisch deutsch-polnisch erwachsen ethnisch ewig gesellschaftlich gesellschaftspolitisch grundlegend ideologisch inner national natürlich regional sozial unversöhnlich vermeintlich weltpolitisch Überwindung ökonomisch überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Antagonismus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In der Tat, der Antagonismus der Klassen entwickelte sich mit zunehmender Schärfe.
konkret, 1984
Sie hat sich zum Ziel gesetzt, dazu beizutragen, diesen europäischen Antagonismus allmählich überwinden zu helfen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1967]
Wir haben also einen deutlichen Antagonismus zwischen zwei sprachlichen Leistungen.
Goldstein, Kurt: Der Aufbau des Organismus, Den Haag: Nijhoff 1934, S. 34
Dieser Mangel schloß jede Solidarität der Interessen und überhaupt einen gemeinsamen Antagonismus gegenüber den Freien aus.
Heuß, Alfred: Herrschaft und Freiheit im griechisch-römischen Altertum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 25481
Mit China gibt es tief gehende Antagonismen, nicht zuletzt beim Handel durch eine wachsende Abwehr gegen chinesische Importe zu Dumpingpreisen.
Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 178
Zitationshilfe
„Antagonismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Antagonismus>, abgerufen am 22.05.2019.

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