Antagonist, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Antagonisten · Nominativ Plural: Antagonisten
Aussprache
WorttrennungAn-ta-go-nist · Ant-ago-nist
Herkunftaus gleichbedeutend antagōnistḗsgriech (άνταγωνιστήςgriech) bzw. dessen Entsprechung antagōnistaspaetlat m.
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2019

Bedeutungen

1.
Gegner, Gegenspieler, Widersacher, Rivale
Beispiele:
Als die grössten Antagonisten werden im globalen »die und wir«‍-Spiel die christliche Welt und die islamische Hemisphäre betrachtet. [Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2017]
Kritiker und Kulturschaffende verstanden sich schon immer als Antagonisten. [Süddeutsche Zeitung, 21.07.2006]
Die AfD [Partei »Alternative für Deutschland«] ist stark, ihre Antagonisten, die Grünen, sogar bärenstark. [Die Welt, 15.10.2018]
übertragen Dunkelheit ist der Antagonist des Lichts. [Die Welt, 21.12.2017]
Dass die versteckte Rivalität zweier scharfer parteipolitischer Antagonisten an der Staatsspitze in Wahrheit auch zu einer teilweisen Lähmung und Entscheidungsunlust führen kann, wird zumeist übersehen. [Neue Zürcher Zeitung, 03.06.1999]
Kollokation:
in Koordination: Protagonist und Antagonist
Literaturwissenschaft zweitwichtigste Rolle im antiken griechischen Theater, Konfliktpartner des Protagonisten im StückQuelle: DWDS, 2019
Beispiele:
In einer nur in Teilen überzeugenden Inszenierung am Deutschen Theater hat Kimmig vor zwei Jahren die Vorgeschichte, die Tragödie des Labdakiden-Geschlechts, inszeniert (»Ödipus Stadt«). Damals spielte Susanne Wolff den Herrscher Kreon hart an der Grenze zur Karikatur eines etwas debilen Politikers – womit Kimmig die wichtigste Grundlage der Tragödie, in der beide Antagonisten moralisch im Recht sind, ans Kabarett verraten hat. [Süddeutsche Zeitung, 25.03.2014]
Quer über den Tisch oder durch dessen Länge getrennt werden die Antagonisten – von Ismene […] bis hin zu Kreon – Teiresias – einander gegenübergestellt. [Neue Zürcher Zeitung, 10.09.1993]
2.
Anatomie
a)
Muskel, der dem Agonisten (Lesart 2) entgegenwirkt
Beispiele:
Jeder Muskel hat einen Antagonisten, einen Gegenspieler. [Muskelverspannungen, 26.06.2015, aufgerufen am 17.04.2019]
Dabei sollte ein ausgewogenes Training zwischen Agonist und Antagonist im Mittelpunkt stehen – also zwischen Muskeln, die entgegengesetzt arbeiten. [Die Welt, 17.02.2015]
Die aufrichtenden Kräfte reichen nicht mehr aus, um die Wirbelsäule zu strecken und die aufrechte Körperhaltung zu gewährleisten. Hinzu kommt, daß auch die Antagonisten, die Bauchmuskeln, meist schlaff sind. [Borrmann, Günter u. Mügge, Hans: Gerätturnen in der Schule, Berlin: Volk u. Wissen 1957, S. 51]
b)
einem Zahn gegenüberliegender Zahn im GegenkieferQuelle: DWDS, 2019
Beispiele:
Im Regelfall hat jeder Zahn einen Antagonisten, so liegt der Gegenspieler eines Unterkieferzahns im Oberkiefer. [News, 19.03.2013, aufgerufen am 17.04.2019]
Nach durchschnittlich 49 Tagen war der neue Zahn so lang, dass er beim Zubeißen Kontakt zu den Antagonisten im Unterkiefer hatte und sich auch nicht mehr verlängerte. [die Dritten, 29.10.2012, aufgerufen am 17.04.2019]
3.
Biochemie Stoff, der in seiner Wirkung einem anderen entgegengesetzt ist und dessen Wirkung aufhebt
Beispiele:
Papillomaviren und die von ihnen infizierten Zellen verfügen über äußerst effektive Mittel zur Störung der Immunkräfte. Eines davon ist die Inaktivierung des Abwehrstoffes Interferon durch die Produktion spezieller Antagonisten. [Der Standard, 29.05.2015]
Möglicherweise handelt es sich beim [Hormon] Leptin um einen Gegenspieler, einen Antagonisten des Insulins. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.1996]
Das [Forschungs-]Team […] hofft, dass ihre Arbeit dabei helfen könnte, sehr dünne und schwache Menschen wie Tumor-Patienten oder Ältere zum Essen anzuregen. Darüber hinaus könnten Substanzen, die am Rezeptor als Antagonisten, also als Gegenspieler des Hormons wirken, bei Übergewichtigen das Hungergefühl vermindern. [Der Standard, 10.09.2012]
Forscher der Universitäten Bern und Basel haben nun in Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Salk Institute for Biological Studies unter der Leitung von Professor Jean Claude Reubi synthetische Antagonisten entwickelt. [Der Standard, 29.11.2006]
Bei gesunden Menschen stehen die entzündungsfördernden Zytokine im Gleichgewicht mit anderen Botenstoffen, die entzündungshemmend wirken. Dazu zählen die Interleukine 4 und 10. Außerdem kann der Körper die Wirkung der Botenstoffe durch sogenannte Antagonisten blockieren. [Süddeutsche Zeitung, 03.07.1997]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Antagonismus · Antagonist · antagonistisch
Antagonismus m. ‘Gegensatz, Gegnerschaft’, wörtlich ‘Widerstreit’, denn das zugrundeliegende Verb griech. antagōnízesthai (ἀνταγωνίζεσθαι) bedeutet ‘gegeneinander kämpfen, miteinander rivalisieren’. Es ist eine Präfixbildung (s. ↗anti-) zu dem von griech. agṓn (ἀγών) ‘Kampf(platz), Wettkampf’ (wozu auch ↗Agonie, s. d.) abgeleiteten Verbum agōnízesthai (ἀγωνίζεσθαι) ‘um etw. kämpfen’. Als Verbalabstraktum auf -ism- (-ισμ-) kennt das Griech. zu diesem Verb nur das Neutrum antagṓnisma (ἀνταγώνισμα) ‘Widerstreit’, während das Simplex gleich anderen Verben auf -ízein (-ίζειν) auch das Maskulinum agōnismós (ἀγωνισμός) ‘das Kämpfen, Streben’ bildet. Das Deutsche nimmt in der 2. Hälfte des 18. Jhs. latinisiertes Antagonismus auf, bezieht es seit der Mitte des 19. Jhs. vornehmlich auf geschichtliche, gesellschaftliche Gegensätze und schafft dadurch die Voraussetzung für die terminologische Bedeutung, die das Wort in der marxistisch-leninistischen Philosophie angenommen hat: ‘dialektischer Widerspruch, der auf dem unversöhnlichen Interessengegensatz verschiedener gesellschaftlicher Klassen beruht’. Älter ist die Entlehnung des Nomen agentis Antagonist m. ‘Gegner, Widersacher, Rivale’ (2. Hälfte 16. Jh., häufiger erst seit dem 18. Jh.) aus gleichbed. griech. antagōnistḗs (ἀνταγωνιστής) bzw. dessen spätlat. Entsprechung antagōnista m., anfangs gelegentlich mit lat. (-ista) oder frz. Endung (-iste). Auch die bis heute in der Physiologie gültige Verwendung ‘Träger einer entgegengesetzten Wirkung, Funktion’ setzt (auf entgegengesetzt wirkende Muskeln bezogen) Anfang des 18. Jhs. ein. antagonistisch Adj. ‘widerstreitend, gegensätzlich, unversöhnlich’ (um 1800).

Thesaurus

Politik
Synonymgruppe
Antagonist · ↗Feind · ↗Gegenspieler · ↗Gegner · ↗Konkurrent · ↗Konterpart · ↗Kontrahent · ↗Neinsager · ↗Opponent · ↗Rivale · ↗Widerpart · ↗Widersacher  ●  ↗Frondeur  franz. · ↗Sparringspartner  fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Medizin
Synonymgruppe
Hemmstoff  ●  Antagonist  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Held Protagonist beid eigentlich spezifisch wahr

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Antagonist‹.

Zitationshilfe
„Antagonist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Antagonist>, abgerufen am 21.10.2019.

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