Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Anwurf, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anwurf(e)s · Nominativ Plural: Anwürfe
Aussprache 
Worttrennung An-wurf
Grundformanwerfen
Wortbildung  mit ›Anwurf‹ als Letztglied: Kalkanwurf · Mörtelanwurf

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Mauerbewurf, Putz
  2. 2. [abwertend] ungerechtfertigte, grundlose Anschuldigung
  3. 3. [Ballsport] erster Wurf
eWDG

Bedeutungen

1.
Mauerbewurf, Putz
Beispiele:
ein frischer Anwurf
der … rötliche Anwurf der Mauern [ Storm2,138]
2.
abwertend ungerechtfertigte, grundlose Anschuldigung
Beispiele:
heftige, hässliche, scharfe, schwere Anwürfe gegen jmdn. richten
einen Anwurf zurückweisen
Der Verteidiger protestierte gegen den Anwurf [ FalladaJeder stirbt508]
3.
Ballsport erster Wurf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

werfen · abwerfen · anwerfen · Anwurf · aufwerfen · auswerfen · einwerfen · überwerfen · unterwerfen · verwerfen · vorwerfen
werfen Vb. ‘mit schwingendem Arm wegschleudern’. Das gemeingerm. stark flektierende Verb ahd. werfan ‘(hinaus)werfen, austreiben, hinwerfen, schütten, schieben, (zer)streuen, reißen, stürzen’ (8. Jh.), mhd. werfen ‘in schnelle Bewegung setzen, schleudern, stoßen, streuen, rasch wenden, zur Welt bringen’, asächs. werpan, mnd. werpen, warpen, mnl. nl. werpen, afries. hwerva, aengl. weorpan, engl. to warp ‘(sich) verziehen, krümmen’ (vom Holz), anord. verpa, auch ‘Eier legen’, schwed. värpa ‘Eier legen’, got. waírpan ‘werfen’ (germ. *hwerpan) läßt sich mit griech. rhábdos (ράβδος) ‘Rute, Gerte, Stab, Streifen’, lat. verbera (Plur.) ‘Ruten zur Züchtigung, Peitsche’, lit. vir̃bas ‘Reis, Reisig, Gerte’, aslaw. vrьba, russ. vérba (верба) ‘Weide’ auf eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’ zurückführen. Als Grundbedeutung ist ‘mit drehend geschwungenem Arm schleudern’ anzusetzen. Die Wurzelbedeutung ‘biegen’ ist noch erhalten in anord. oldri orpinn ‘vom Alter gebeugt’, engl. to warp, nhd. sich werfen ‘krumm werden, sich biegen’ (vom Holz). S. ablautendes Wurf. abwerfen Vb. ‘hinunter-, herunterwerfen, sich einer Sache entledigen’, mhd. abewerfen, reflexiv ‘vom Pferd steigen’; dann auch ‘das Nötige zur Kostendeckung bzw. einen Gewinn einbringen’ (15. Jh.). anwerfen Vb. ‘etw. an etw. hinanwerfen, in Gang bringen’, ahd. anawerfan ‘hineinwerfen, -stoßen, bewerfen’ (8. Jh.), mhd. anewerfen ‘an einen etw. werfen, mit etw. werfen, mit etw. überziehen’; heute besonders ‘einen Motor anlassen’ (ehemals mit einer Drehbewegung durch eine Handkurbel). Anwurf m. ‘Verputz an Mauerwerk’ (16. Jh.), ‘erster, das Spiel eröffnender Ballwurf’ (Anfang 17. Jh.), übertragen ‘Vorstoß’ (vgl. einen Anwurf tun ‘einen Vorstoß, Versuch machen’, 16. Jh.), ‘Vorwurf, Beschuldigung’ (19. Jh.). aufwerfen Vb. ‘in die Höhe werfen, aufschütten’, mhd. ūfwerfen ‘in die Höhe werfen, strecken, erheben, umwenden, öffnen’, reflexiv ‘gebräuchlich werden, sich ausgeben für, machen zu, zu werfen (würfeln) beginnen’; übertragen eine Frage aufwerfen (17. Jh.). auswerfen Vb. ‘hinaus-, herausschleudern, ausspucken, ausschachten, verteilen’, ahd. ūʒwerfan ‘(her)aus-, wegwerfen, (hin)treiben, hervorbringen, hinausschicken’ (um 800), mhd. ūʒwerfen ‘hinauswerfen, austreiben, kastrieren, abtreiben, sich redend gegen jmdn. erheben.’ einwerfen Vb. ‘durch einen Wurf zerschlagen, hineinwerfen, zu einem Gespräch etw. anmerken’, ahd. inwerfan ‘hineinwerfen, -schicken’ (8. Jh.), mhd. īnwerfen ‘hineinwerfen, einschließen’. überwerfen Vb. ‘werfend bedecken’, reflexiv ‘sich mit jmdm. zerstreiten’ (16. Jh.), ahd. ubarwerfan ‘hinüberwerfen’ (um 800), mhd. überwerfen ‘das Pferd im Schwung umwenden, verschränken, kreuzen, im Werfen übertreffen’, reflexiv ‘sich schwingend um und um drehen’. unterwerfen Vb. ‘besiegen, abhängig machen’ (16. Jh.), ahd. untarwerfan ‘etw. unter etw. legen, stellen, setzen, unterordnen’ (9. Jh.), mhd. underwerfen ‘darunter werfen, unterjochen’. verwerfen Vb. ‘ablehnen, mißbilligen, eine Fehlgeburt haben, sich biegen, sich verziehen’ (vom Holz), ahd. firwerfan ‘wegwerfen, zurückweisen, preisgeben’ (8. Jh.), mhd. verwerfen ‘ab-, hin-, weg-, niederwerfen, überwinden, verschleudern, zurückweisen, verschmähen, verstoßen, sich entzweien’. vorwerfen Vb. ‘nach vorn werfen, jmdm. (Speise) vor die Füße werfen’ (16. Jh.), ‘tadeln, Vorhaltungen machen’ (15. Jh.), ahd. furiwerfan ‘verschließen, bedecken’ (9. Jh.), mhd. vürwerfen ‘mit Heftigkeit vorschieben, verschließen’. S. Vorwurf.

Thesaurus

Synonymgruppe

Typische Verbindungen zu ›Anwurf‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anwurf‹.

Verwendungsbeispiele für ›Anwurf‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Berge selbst will vor dem Spiel eine kurze Rede halten und den Anwurf ausführen. [Bild, 08.06.2005]
Dann wird er sich deine Anwürfe schon gar nicht gefallen lassen. [Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 452]
Er hat sich – und das scheint mir das Allerschlimmste – gegen diese Anwürfe auch noch zu verteidigen. [Tucholsky, Kurt: Deutsche Richter. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 8807]
Die von dort kommenden Anwürfe seien "zu dümmlich", als daß man sie ernst nehmen könne. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1984]]
Gegen solche Anwürfe kann der Minister die Öffentlichkeit leicht zufriedenstellen. [o. A.: o. T. [Die sozialliberale Koalition ...] In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1981]]
Zitationshilfe
„Anwurf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anwurf>.

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