Anwurf, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Anwurf(e)s · Nominativ Plural: Anwürfe
Aussprache
WorttrennungAn-wurf
Grundformanwerfen
Wortbildung mit ›Anwurf‹ als Letztglied: ↗Kalkanwurf · ↗Mörtelanwurf
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Mauerbewurf, Putz
Beispiele:
ein frischer Anwurf
der ... rötliche Anwurf der Mauern [Storm2,138]
2.
abwertend ungerechtfertigte, grundlose Anschuldigung
Beispiele:
heftige, hässliche, scharfe, schwere Anwürfe gegen jmdn. richten
einen Anwurf zurückweisen
Der Verteidiger protestierte gegen den Anwurf [FalladaJeder stirbt508]
3.
Ballspiel erster Wurf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

werfen · abwerfen · anwerfen · Anwurf · aufwerfen · auswerfen · einwerfen · überwerfen · unterwerfen · verwerfen · vorwerfen
werfen Vb. ‘mit schwingendem Arm wegschleudern’. Das gemeingerm. stark flektierende Verb ahd. werfan ‘(hinaus)werfen, austreiben, hinwerfen, schütten, schieben, (zer)streuen, reißen, stürzen’ (8. Jh.), mhd. werfen ‘in schnelle Bewegung setzen, schleudern, stoßen, streuen, rasch wenden, zur Welt bringen’, asächs. werpan, mnd. werpen, warpen, mnl. nl. werpen, afries. hwerva, aengl. weorpan, engl. to warp ‘(sich) verziehen, krümmen’ (vom Holz), anord. verpa, auch ‘Eier legen’, schwed. värpa ‘Eier legen’, got. waírpan ‘werfen’ (germ. *hwerpan) läßt sich mit griech. rhábdos (ράβδος) ‘Rute, Gerte, Stab, Streifen’, lat. verbera (Plur.) ‘Ruten zur Züchtigung, Peitsche’, lit. vir̃bas ‘Reis, Reisig, Gerte’, aslaw. vrьba, russ. vérba (верба) ‘Weide’ auf eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’ zurückführen. Als Grundbedeutung ist ‘mit drehend geschwungenem Arm schleudern’ anzusetzen. Die Wurzelbedeutung ‘biegen’ ist noch erhalten in anord. oldri orpinn ‘vom Alter gebeugt’, engl. to warp, nhd. sich werfen ‘krumm werden, sich biegen’ (vom Holz). S. ablautendes ↗Wurf. abwerfen Vb. ‘hinunter-, herunterwerfen, sich einer Sache entledigen’, mhd. abewerfen, reflexiv ‘vom Pferd steigen’; dann auch ‘das Nötige zur Kostendeckung bzw. einen Gewinn einbringen’ (15. Jh.). anwerfen Vb. ‘etw. an etw. hinanwerfen, in Gang bringen’, ahd. anawerfan ‘hineinwerfen, -stoßen, bewerfen’ (8. Jh.), mhd. anewerfen ‘an einen etw. werfen, mit etw. werfen, mit etw. überziehen’; heute besonders ‘einen Motor anlassen’ (ehemals mit einer Drehbewegung durch eine Handkurbel). Anwurf m. ‘Verputz an Mauerwerk’ (16. Jh.), ‘erster, das Spiel eröffnender Ballwurf’ (Anfang 17. Jh.), übertragen ‘Vorstoß’ (vgl. einen Anwurf tun ‘einen Vorstoß, Versuch machen’, 16. Jh.), ‘Vorwurf, Beschuldigung’ (19. Jh.). aufwerfen Vb. ‘in die Höhe werfen, aufschütten’, mhd. ūfwerfen ‘in die Höhe werfen, strecken, erheben, umwenden, öffnen’, reflexiv ‘gebräuchlich werden, sich ausgeben für, machen zu, zu werfen (würfeln) beginnen’; übertragen eine Frage aufwerfen (17. Jh.). auswerfen Vb. ‘hinaus-, herausschleudern, ausspucken, ausschachten, verteilen’, ahd. ūʒwerfan ‘(her)aus-, wegwerfen, (hin)treiben, hervorbringen, hinausschicken’ (um 800), mhd. ūʒwerfen ‘hinauswerfen, austreiben, kastrieren, abtreiben, sich redend gegen jmdn. erheben.’ einwerfen Vb. ‘durch einen Wurf zerschlagen, hineinwerfen, zu einem Gespräch etw. anmerken’, ahd. inwerfan ‘hineinwerfen, -schicken’ (8. Jh.), mhd. īnwerfen ‘hineinwerfen, einschließen’. überwerfen Vb. ‘werfend bedecken’, reflexiv ‘sich mit jmdm. zerstreiten’ (16. Jh.), ahd. ubarwerfan ‘hinüberwerfen’ (um 800), mhd. überwerfen ‘das Pferd im Schwung umwenden, verschränken, kreuzen, im Werfen übertreffen’, reflexiv ‘sich schwingend um und um drehen’. unterwerfen Vb. ‘besiegen, abhängig machen’ (16. Jh.), ahd. untarwerfan ‘etw. unter etw. legen, stellen, setzen, unterordnen’ (9. Jh.), mhd. underwerfen ‘darunter werfen, unterjochen’. verwerfen Vb. ‘ablehnen, mißbilligen, eine Fehlgeburt haben, sich biegen, sich verziehen’ (vom Holz), ahd. firwerfan ‘wegwerfen, zurückweisen, preisgeben’ (8. Jh.), mhd. verwerfen ‘ab-, hin-, weg-, niederwerfen, überwinden, verschleudern, zurückweisen, verschmähen, verstoßen, sich entzweien’. vorwerfen Vb. ‘nach vorn werfen, jmdm. (Speise) vor die Füße werfen’ (16. Jh.), ‘tadeln, Vorhaltungen machen’ (15. Jh.), ahd. furiwerfan ‘verschließen, bedecken’ (9. Jh.), mhd. vürwerfen ‘mit Heftigkeit vorschieben, verschließen’. S. ↗Vorwurf.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anschuldigung · Anwurf · ↗Belastung · ↗Beschuldigung · ↗Bezichtigung · ↗Schuldzuweisung · ↗Unterstellung · ↗Verdächtigung · ↗Vorhaltung · ↗Vorwurf
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Trotz Verdächtigung Zielscheibe abtun abwehren antisemitisch derartig entgegenhalten entgegentreten entkräften erhoben gegenseitig gerichtet grob haltlos häßlich kontern maßlos neuerlich persönlich polemisch solch trotzen unberechtigt unqualifiziert verteidigen verwahren widerlegen zurückweisen übel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anwurf‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Berge selbst will vor dem Spiel eine kurze Rede halten und den Anwurf ausführen.
Bild, 08.06.2005
Die Anwürfe, die hauptsächlich in den schwedischen Medien erhoben werden, sind für Dirk Lange "nicht nachvollziehbar.
Der Tagesspiegel, 20.01.2001
Dann wird er sich deine Anwürfe schon gar nicht gefallen lassen.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 452
Sie erhebt zu gleicher Zeit gegen die darin enthaltenen Anwürfe in aller Form Protest.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1940]
So wie Sie antisemitischen Tendenzen mit allen journalistischen Mitteln entgegenwirken wollen, sind Sie umgekehrt verpflichtet, derart unsachlichen und ungerechtfertigten Anwürfen entgegenzutreten.
Die Welt, 03.09.2003
Zitationshilfe
„Anwurf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Anwurf>, abgerufen am 09.12.2019.

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