Aporie, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Aporie · Nominativ Plural: Aporien
Aussprache 
Worttrennung Apo-rie
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutungen

1.
Philosophie unlösbarer Widerspruch, Unlösbarkeit, Widersprüchlichkeit
besonders wenn sich in der Darlegung eines Problems gleichwertige, widersprüchliche Argumente gegenüberstehen; auch als Stilmittel in der Rhetorik
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine moralische Aporie
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Ausweg aus der Aporie
Beispiele:
Die ersten platonischen Dialoge waren sämtlich Übungen in der Kunst der Aporie, der erkenntnistheoretischen Ausweglosigkeit, Ergebnis von in gleicher Weise überzeugenden Argumenten mit einander widersprechenden Schlussfolgerungen. [Welt am Sonntag, 05.06.2016, Nr. 23]
Politik, die auf […] Terror wirksam antworten will, steht deshalb grundsätzlich vor einer Aporie: Die Offenheit der Gesellschaft ist ihre philosophische und politische Stärke, aber es ist zugleich eine polizeiliche und militärische Schwäche. [Die Welt, 06.06.2017]
Wir sehen […], daß Nachhaltigkeit ein ambivalenter Begriff ist, der zwei Seiten menschlichen Verhaltens eröffnet: einerseits zu bewahren und andererseits zu verbrauchen. Beides sollte nicht gegeneinander ausgespielt, sondern jeweils in ein wirklichkeitsnahes Verhältnis zueinander gebracht werden. Das ist, wie im Falle von Naturschutz und Industrieansiedlung, nicht selten eine schmerzhafte Güterabwägung, die durchaus in einer Aporie, einem unauflösbaren Widerspruch, enden kann. [Die Welt, 14.05.2005]
Lauter Geschichten, Theorien, Modelle, die unsere Grenzen aufzeigen, die sich überhaupt mit Grenzen beschäftigen, mit unlösbaren Fragen, Aporien, welche die Philosophen schon von alters her anhalten liessen. [Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2005]
Nie wieder Krieg, nie wieder Völkermord? Gut, was aber, wenn der Krieg Völkermord verhindern soll? Vor dieser Aporie stehen die meisten Schriftsteller ebenso verloren wie andere Zeitgenossen: »Krieg im Namen der Menschenrechte ist ein Paradox, das wenige aushalten« (Durs Grünbein). [Der Spiegel, 17.05.1999, Nr. 20]
2.
bildungssprachlich Ausweglosigkeit, Aussichtslosigkeit
Beispiele:
Sie [das Mädchen im Stück] geht zum Demonstrieren nach Berlin, kehrt erwachsen zurück, er versinkt in Katalepsie (= Starrheit), ausgelöst durch die Aporie seines Daseins, die [der Schauspieler] Dechamps schmerzhaft spürbar macht. Er verachtet seine Eltern, kann sich nicht von ihnen lösen, wäre gern ein Revolutionär, hat dafür jedoch nicht die Kraft. [Süddeutsche Zeitung, 28.11.2016]
Dass Elisabeth Klar die Tragödie einer ruinierten Familie über fast 200 Seiten hinweg stets eher andeutet als sie zu benennen, macht die ungeheuerliche Authentizität dieses diffizil arrangierten Porträts aus. […] Als Leser um einen nicht fassbaren Kern des Schreckens zu zirkulieren, vermittelt daher nur eine Ahnung von der Aporie und Verzweiflung, sexueller Gewalt ausgeliefert gewesen zu sein. [Die Zeit, 25.12.2014, Nr. 51]
Das Leben ist ihm keine hoffnungslose Aporie, sondern der Sinn des Daseins liegt auf der Hand, man muß ihn nur wahrnehmen[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2001]
Ein Herzinfarkt hat den Geliebten hinweggerafft, die Hinterbliebene ist von einer archaischen, ausweglosen Trauer. Die Frage nach dem »Warum« hat keinen Sinn mehr. Zum Glück ist Connie Palmen Schriftstellerin, sie kann von der absoluten Aporie, von der endgültigen Aussichtslosigkeit virtuos berichten. [Die Zeit, 28.10.1999, Nr. 44]

Thesaurus

Synonymgruppe
Aporie · ↗Ausweglosigkeit · ↗Ratlosigkeit · ↗Verlegenheit · unauflöslicher Widerspruch

Typische Verbindungen zu ›Aporie‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aporie‹.

Zitationshilfe
„Aporie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aporie>, abgerufen am 26.05.2020.

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