Apotheose, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Apotheose · Nominativ Plural: Apotheosen
Aussprache
WorttrennungApo-the-ose · Apo-theo-se
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Apotheose‹ als Letztglied: ↗Schlussapotheose
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2016

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich
a)
Erhebung eines Menschen zum Gott; Vergöttlichung eines Menschen
Beispiele:
Er wollte […] dafür [für die Gedenkstätte] ein Relief von Schadow gearbeitet haben, das die Apotheose der Königin [Luise von Preußen] darstellen sollte, und zwar in allegorischer Reichhaltigkeit. [de Bruyn, Günter: Preußens Luise, Siedler 2001, S. 51]
Das letzte Stück, das der König für sein Antikenkabinett kaufte, war ein Kameo (= Relief aus Schmuckstein), der die Apotheose des Kaisers Konstantin zeigte […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2001]
Tief aus der republikanischen Tradition des Totenkults schöpfend, greift er zugleich über die Republik hinaus und knüpft an die großen Sterbeszenen und Begräbniszeremonielle der französischen Monarchie an. »Le roi est mort! Vive le roi«: Mitterrand zelebriert das öffentliche Sterben und die Apotheose des Königs bereits zu Lebzeiten und vor laufenden Kameras. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.1995]
Erst aus dem toten Lenin ließ sich das Objekt eines Personenkults machen, der lebendige hatte sich immer vehement jeder Form von Verherrlichung und Apotheose verweigert. [Der Spiegel, 17.06.1991, Nr. 25]
In Briefen an die Redaktion von Le Monde wurde darauf hingewiesen, daß de Gaulle bei seinem Zitat aus Goethes Faust nicht zu wissen scheine, daß Faust nicht verdammt sondern gerettet und in einer grandiosen Apotheose im Himmel aufgenommen wird. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1967]]
b)
Verherrlichung, Verklärung
Beispiele:
Valéry beschreibt den Lebensabend Goethes als eine Apotheose des Geistes, deren triumphierendem Klang keine deutsche Lobrede je nahe gekommen ist. [Lepenies, Wolf: Kultur und Politik, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 209]
Als die Ordnung des Westfälischen Friedens nach hundertfünfzig Jahren zerbrach, hatte Schiller nicht mehr die Geduld, die ursprünglich geplante Apotheose dieses Friedens zur Elegie aufs Verlorene umzuarbeiten. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 340]
Diejenigen […], die – wie ich – niemals verpflichtet waren, diesen [christlichen] Symbolen ihre Devotion zu erweisen, sollten ihre Unbefangenheit nutzen, um die Leistung zu würdigen, die in der Apotheose von Mutter und Kind liegt. [Die Zeit, 22.12.1999, Nr. 52]
Die Frage, ob Krieg […] im Interesse von Profit geführt wird, […] verliert in van Crevelds Augen […] an Bedeutung vor dem Hintergrund seiner »Faszination«. So wird das Buch über weite Strecken zu einer Apotheose des Krieges an sich. [konkret, 2000 [1999]]
Aus der Verherrlichung der Kunst wird die Apotheose des Dollars, was dem Künstler in den starken sechziger Jahren leichter war als heute nach dessen turbulentem Fall. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.1995]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die filmische Apotheose
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. gipfelt in einer Apotheose
mit Genitivattribut: die Apotheose des Tanzes, der Einsamkeit, des Leidens, des Todes, der Liebe
c)
Kunst Darstellung einer Apotheose
Beispiele:
Gelegentlich schaut sie [die Königin] mit ihrem Gatten von allegorischen Deckengemälden [des Schlosses Caputh] herab. […] Die Apotheosen […] verherrlichen die […] Ambitionen des Großen Kurfürsten […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.1999]
Allein, zwischen den in jeder Hinsicht gewaltigen Apotheosen ihrer Ahnen, etwa von Jacob Jordaens und Gerard van Honthorst, wohnt heute Königin Beatrix und verteidigt kompromißlos ihre Privatsphäre gegen neugierige Kunstfreunde. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.1998]
2.
Theater wirkungsvolles (verherrlichendes) Schlussbild eines Bühnenstücks
Beispiele:
Schon bald war der letzte Akt [des Balletts], mit Untergang und Apotheose, gestrichen worden und ging so verloren. [Neue Zürcher Zeitung, 02.04.1998]
Die Apotheose [des »Nussknacker«-Balletts] verklärt mit großem Glitzeraufwand das B-Dur der Ouvertüre mit dem Thema Konfitürenburgs [eines Fantasielandes]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2003]
Sein [des Opernregisseurs] Beharren auf expressiver Steigerung, sein Wille zur dramatischen Apotheose schien an jene rezeptionsästhetische Tugend appellieren zu wollen, die bereits der frühe Strauss vehement in Frage gestellt hatte: an die Identifikation als einen Akt bürgerlicher Selbstvergewisserung. [Die Zeit, 22.12.1999, Nr. 52]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: die finale, grandiose, groteske, musikalische Apotheose

Thesaurus

Synonymgruppe
Glorifizierung · ↗Idealisierung · ↗Vergötterung · ↗Vergöttlichung · ↗Verherrlichung  ●  Apotheose  bildungssprachlich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschied Böse Dichter Einsamkeit Held Herrscher Individuum Kaiser Leiden Liebe Schluß Schönheit Tanz Untergang abschließend enden erfahren erleben filmisch final gipfeln grandios grotesk inszenieren malen steigern tragisch triumphal wahr zelebrieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Apotheose‹.

Zitationshilfe
„Apotheose“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Apotheose>, abgerufen am 17.02.2019.

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