Apriori, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Apriori/Aprioris · Nominativ Plural: Apriori/Aprioris
Aussprache
WorttrennungApri-ori · Aprio-ri
Grundforma priori
DWDS-Vollartikel, 2013

Bedeutung

Philosophie (rational) aller Erfahrung Vorangehendes, von vornherein Geltendes; nach Kant von den transzendentalen, Erfahrungserkenntnis ermöglichenden Bedingungen, in neueren Erkenntnistheorien und im weiteren Sinn von den strukturellen historischen oder sozialen lebensweltlichen Bedingungen von Erfahrung
Beispiele:
Kant war darum bemüht, das vor der Erfahrung liegende Raster unseres Denkens zu erforschen und nannte es Apriori. Foucault nannte es ein »historisches Apriori«, wenn er die Struktur unserer Erfahrung selbst in ihrer Herkunft thematisierte. [Berliner Zeitung, 09.10.2001]
Der wahre Künstler ist unbestechlich und ehrlich. Das klingt zwar doof, ist aber richtig, weil Kunst nur entstehen kann, wenn alle Apriori [Vorurteile], Klischees und Beeinflussungen über Bord geworfen worden sind. [Die Zeit, 13.05.2004]
»Versuch über die Jukebox« ist Handkes Huldigung an das technische Apriori seines Musikgeschmacks, und keiner weiß besser als er, dass zwischen Automat und Musik kein simples Abspielverhältnis herrscht. [Süddeutsche Zeitung, 04.09.2003]
Um das Kantische Apriori zu verstehen, soll Sofie schlicht durch eine Brille mit rotgefärbten Gläsern blicken, die so zur Voraussetzung ihrer optischen Wahrnehmung wird. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.1995]
Das 19. Jahrhundert hatte zunächst versucht, die nicht mehr überzeugenden Aprioris zu ersetzen durch Vertrauen in die Richtung des historischen Prozesses, Evolution als Fortschritt interpretierend. [Luhmann, Niklas, Soziale Systeme, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1984, S. 175]
Die Lebenswelt ist in einem Modus der Selbstverständlichkeit gegeben, der sich nur diesseits der Schwelle grundsätzlich kritisierbarer Überzeugungen erhalten kann. […] Diese Gewißheit verdankt die Lebenswelt einem in die Intersubjektivität sprachlicher Verständigung eingebauten sozialen Apriori. [Habermas, Jürgen, Theorie des kommunikativen Handelns – Band 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1981, S. 199]
Denn soviel scheint heute schon klar zu sein, daß man sich […] mit dem Apriori, daß im Gebiete des Wandels des Geistigen alles vom »Geiste« her zu verstehen sei […] von vornherein den Weg zur Entdeckung des etwaigen Hineinragens der sozialen Prozeße in das »Geistige« versperrt hatte. So wird denn auch seit der Auflockerung dieses Aprioris in immer mehr Fällen in concreto sichtbar, daß […] bei der Problemstellung ein der Formulierung vorangehender, problematischmachender Lebensakt das Problem erst ermöglicht[…]. [Mannheim, Karl, Ideologie und Utopie, Frankfurt a.M: Klostermann 1985, S. 230. Zitiert nach: Mannheim, Karl, Ideologie und Utopie, Bonn: Cohen 1929]
Kants Begriff des Apriori ist gewiß nicht logisch wie der scholastische; er will auch nicht psychologisch sein; will rein erkenntnistheoretisch sein, transzendental. [Mauthner, Fritz, Wörterbuch der Philosophie, in: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosiphie, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 24953. Zitiert nach: Mauthner, Fritz, Wörterbuch der Philosophie, München: G. Müller 1910]

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedingung · Konstitutivum  ●  Apriori  lat.

Typische Verbindungen
computergeneriert

historisch kantisch religiös synthetisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Apriori‹.

Zitationshilfe
„Apriori“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Apriori>, abgerufen am 08.12.2019.

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