Apriorismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Apriorismus · Nominativ Plural: Apriorismen · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [apʀioˈʀɪsmʊs]
Worttrennung Apri-oris-mus · Aprio-ris-mus
Wortzerlegung a priori-ismus
Duden GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

Philosophie Lehre, die eine von der Erfahrung unabhängige Erkenntnis annimmt
Beispiele:
Fragt man die Ökonomen selbst, was Ökonomie ausmacht, bekommt man […] unterschiedliche Antworten. Die Klassiker beispielsweise tendierten zum sog. Apriorismus[…] – die Ökonomie basiere auf apriorischen Erkenntnissen über das Wesen des Menschen, die man durch Introspektion, d. h. die Betrachtung seiner Selbst, erlangen könne. Auf diesen apriorischen Erkenntnissen basierend könne man durch die Anwendung von Logik weitere »ökonomische Gesetze« deduzieren. Diese ließen sich nicht durch empirische Beobachtung umstürzen, denn sie seien »wahr« a priori. [Skeptische Ökonomie, 18.10.2015, aufgerufen am 15.09.2018]
Der dialektische Materialismus lehnt jedoch entschieden den rationalistischen Kult der reinen Vernunft ab, die rationalistische Identifizierung der realen Grundlagen mit deren logischen Begründungen, den Apriorismus, die dem Rationalismus eigene Verneinung des sinnlichen Ursprungs des theoretischen Wissens. [Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 1983, Nr. 6, Bd. 31]
Es wurde […] gezeigt, inwiefern die Mathematik das prototypische Gebiet des Apriorismus ist […]: die Prinzipien der Erkenntnis und die des Gegenstandes der Erkenntnis fallen hier so weitgehend zusammen wie sonst nirgends. [Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 404]
Empiriokriticismus heißt das von R. AVENARIUS begründete System der »reinen Erfahrung« […], das ein »kritischer«, d.h. die Erfahrung von allen metaphysischen Zutaten reinigender Empirismus sein will […]. Er will die Philosophie auf die Bestimmung des allgemeinen Erfahrungsbegriffs nach Form und Inhalt beschränken. Das System stellt sich in Gegensatz zu allem Apriorismus, will realistisch und positivistisch sein. [Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe – E. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1904], S. 14764]
Das Weltganze bzw. das Ganze der Menschheit habe als Allgemeines im Menschen präsent zu sein. Die daran anschließende Diskussion hatte es dann mit der Form zu tun, in der Welt oder Menschheit im Menschen präsent zu sein habe. Darauf suchte man mit dem Vernunftbegriff, dem Sittengesetz oder ähnlichen Apriorismen, mit dem Begriff der Bildung oder auch mit dem Begriff des Staates eine Antwort zu finden. [Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 21] ungewöhnl. Pl.

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Typische Verbindungen zu ›Apriorismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Apriorismus‹.

Zitationshilfe
„Apriorismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Apriorismus>, abgerufen am 20.01.2021.

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