Arbeiterbewegung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Arbeiterbewegung · Nominativ Plural: Arbeiterbewegungen
Aussprache  [ˈaʁbaɪ̯tɐbəˌveːgʊŋ]
Worttrennung Ar-bei-ter-be-we-gung
Wortzerlegung  Arbeiter Bewegung2
eWDG und ZDL

Bedeutung

Politikwissenschaft etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts existierende soziale Bewegung², die sich überwiegend aus abhängigen, über keine eigenen Produktionsmittel verfügenden Lohnarbeitern zusammensetzt und für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Überwindung sozialer Ungleichheit eintritt (4)
siehe auch Arbeiterklasse
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die internationale, kommunistische, revolutionäre, sozialdemokratische, sozialistische Arbeiterbewegung
als Genitivattribut: die Einheit, die Spaltung der Arbeiterbewegung; die Errungenschaften, die Geschichte, die Tradition der Arbeiterbewegung
Beispiele:
die Arbeiterbewegung zu unterdrücken suchenWDG
Die wichtigsten Impulse zur Weiterentwicklung moderner Gesellschaften kamen nicht aus den Universitäten und auch nicht aus der Wirtschaft, sondern aus sozialen Bewegungen: das Erkämpfen von Arbeitnehmerrechten, die soziale Marktwirtschaft, der Abbau von Diskriminierungen, der ökologische Umbau der Industriegesellschaft waren Ergebnis der Kämpfe der Arbeiterbewegung, der Bürgerrechtsbewegung, der Frauenbewegung, der Öko‑Bewegung. [Der Spiegel, 22.09.2016 (online)]
Der Niedergang der amerikanischen Arbeiterbewegung, der noch gravierender ist als der in anderen (post‑)industriellen Gesellschaften, hat kürzlich einen neuen Tiefpunkt erreicht: Drei der führenden Arbeitnehmerorganisationen sind im Streit über eine Strategie zur Überwindung der Krise der Gewerkschaften aus dem Dachverband AFL‑CIO (= Zusammenschluss der American Federation of Labor und des Congress of Industrial Organizations) ausgetreten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2005]
Die Grundlagen des heutigen Sozialstaats hat Bismarck nicht aus Gutherzigkeit gelegt, sondern aus Angst vor dem Erstarken der Arbeiterbewegung. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2003]
Rosa Luxemburg steht wie wenige andere für die Ambivalenz der historischen Arbeiterbewegung; für ihre Verdienste wie für ihre Fehler. Und genau diese Ambivalenz ist es, die ein Luxemburg‑Denkmal rechtfertigt. [Der Tagesspiegel, 19.01.2002]
Junge Arbeiter begannen, gegen die unglaublich bürokratischen Strukturen der institutionalisierten Arbeiterbewegung zu rebellieren. [konkret, 2000 [1988]]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Arbeiter · Arbeiterklasse · Arbeiterbewegung · Arbeiterpartei
Arbeiter m. ‘wer körperlich oder geistig tätig ist’, mhd. arbeiter, arbeitman ‘Tagelöhner, Handwerker’. Seit dem 19. Jh. vorwiegend Bezeichnung für den abhängigen (da ohne Anteil an den Produktionsmitteln) Arbeitnehmer, der für seine Arbeitskraft entlohnt wird. Bei Marx und Engels wird Arbeiter seit 1860, Proletarier (s. d.) zurückdrängend, zum bevorzugten Terminus für den Angehörigen der Arbeiterklasse. Sie bezeichnen damit den ausgebeuteten Lohnarbeiter unter kapitalistischen Verhältnissen als auch den von Ausbeutung befreiten und der herrschenden Arbeiterklasse angehörenden Werktätigen nach der sozialistischen Revolution. Wohl unter Einfluß von engl. those who live by wages, wie A. Smith die Klasse der den Reichtum der Gesellschaft vermehrenden Arbeiter nennt, entstehen im Dt. die Komposita Lohnarbeitsleute (1776) und später Lohnarbeiter (1796), das in dt. ökonomischen Schriften seit den 20er Jahren des 19. Jhs. geläufig wird. Arbeiterklasse f. Nach dem Muster von engl. class of labourers und labouring class, working class bildet das Dt. arbeitende Klasse (2. Hälfte 18. Jh.) und Arbeiter-Classe (1800; zuvor Pöbelklasse, 1792). Diese bezeichnen sowohl einzelne Berufsgruppen von Arbeitern als auch die Klasse der Lohnarbeiter insgesamt, das Proletariat (s. d.). Durch Marx, der der Klasse der modernen Lohnarbeiter im Kampf um die Befreiung von Ausbeutung eine führende Rolle zuerkennt, findet Arbeiterklasse schnell Verbreitung, im Sozialismus definiert als ‘Klasse, die im Bündnis mit den Genossenschaftsbauern, der Intelligenz und anderen werktätigen Schichten die politische Macht ausübt’. Mit direktem Bezug auf englische Verhältnisse wird in den 40er Jahren des 19. Jhs. Arbeiterbewegung f. gebildet, nach dem Vorbild von engl. workingmen’s movement; engl. movement im Sinne einer ‘politischen Massenbewegung’ lehnt sich an frz. parti du mouvement an. Gleichzeitig wird die Zusammensetzung Arbeiterpartei f. geprägt. Zum gesamten Komplex Arbeit, Arbeiter vgl. G. Hagen Zum sachlichen und sprachlichen Einfluß der engl. polit. Ökonomie auf die deutsche im 18. u. 19. Jh. (masch.-schriftl. Diss. Berlin 1968) und E. Adelberg in: Zum Einfluß von Marx u. Engels auf die dt. Literatursprache (1978) 113 ff.

Typische Verbindungen zu ›Arbeiterbewegung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Arbeiterbewegung‹.

Zitationshilfe
„Arbeiterbewegung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Arbeiterbewegung>, abgerufen am 16.10.2021.

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