Archaismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Archaismus · Nominativ Plural: Archaismen
Aussprache
WorttrennungAr-cha-is-mus
HerkunftGriechisch
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
altertümliche Form
Beispiel:
in seiner Sprache, Kunst finden sich viele Archaismen
2.
Kunstgeschichte das Zurückgreifen auf frühzeitliche Formen
Beispiel:
[ein gesunder] Archaismus, der sich die schwierigen Dinge ... auf den einfachsten Ausdruck bringt [WölfflinDürer61]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Archaismus · archaisch · archaistisch · archaisierend · Archäologie · archäologisch · Archäologe
Archaismus m. ‘altertümliche Redewendung und Sprachform’, in der Kunst ‘Nachahmung archaischer Formen’, Entlehnung (Mitte 18. Jh.) von spätlat. arc(h)aismos, griech. archaïsmós (ἀρχαϊσμόϛ) ‘Altväterlichkeit, Nachahmung der Alten, veralteter Sprachgebrauch’, dem Verbalabstraktum von archaïzein (ἀρχαἱζειν) ‘altertümlich sein, altertümeln’, einem Denominativum zu griech. archá͞ios (s. unten). Frz. archaïsme und engl. archaism sind bereits im 17. Jh. bezeugt und können die Aufnahme der dt. Entsprechung befördert haben. archaisch Adj. ‘altertümlich, frühzeitlich, aus der Frühstufe der Kunstentwicklung, besonders der griechischen Kunst, stammend’, entlehnt (Mitte 19. Jh.) unter Einfluß von gleichbed. frz. archaïque aus spätlat. archaicus ‘alt’, griech. archaïkós (ἀρχαϊκόϛ) ‘altertümlich, altväterlich’, zu griech. archá͞ios (ἀρχαῖος) ‘ursprünglich, altertümlich, alt’, das zu griech. archḗ (ἀρχή) ‘Anfang, Ursache, Ursprung, Herrschaft, Regierung’ gebildet ist. Voraus gehen das seltener verwendete archaistisch Adj. ‘archaische Formen nachahmend’ (1. Hälfte 19. Jh.) und gleichbed. archaisierend Part. Präs. (2. Hälfte 18. Jh.). Archäologie f. ‘Wissenschaft von den Überresten einer alten Kultur, Altertumskunde’ (2. Hälfte 18. Jh.), unter Einfluß von frz. archéologie (um 1600) aus griech. archaiología (ἀρχαιολογία) ‘Erzählung alter Geschichten, Altertumskunde’, vgl. griech. archá͞ios (s. oben) und s. ↗-logie; dazu archäologisch Adj. (2. Hälfte 18. Jh.) und Archäologe m. (Ende 18. Jh.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was bleibt, ist ein Spiel mit den Archaismen der Tradition.
Die Zeit, 09.04.2003, Nr. 15
Und er hinterläßt eine PS, die mehr denn je ihren Archaismen preisgegeben ist.
Süddeutsche Zeitung, 21.06.1994
Die Sprache des K. es ist damit nicht gefesselt; sie widerstrebt, wo singende Gemeinde ist, dem sakralen Archaismus.
Freytag, W.: Kirchenlied. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 22904
Man versteht also unter Archaismus ein stilistisches Ausdrucksmittel, einen dichterischen Kunstgriff.
Voßler, Karl: Positivismus und Idealismus in der Sprachwissenschaft, Heidelberg: Winter 1904, S. 12
Es gibt in seiner Musik keinen künstlichen Archaismus, Primitivismus oder Neoklassizismus.
Fumet, Stanislas u. Fumet, Raphael: Fumet. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1955], S. 24784
Zitationshilfe
„Archaismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Archaismus>, abgerufen am 19.10.2019.

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