Arglosigkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
WorttrennungArg-lo-sig-keit
Wortzerlegungarglos-igkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

Beispiele:
die Arglosigkeit des Kindes
eine angenommene Arglosigkeit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arg · Arg · Arglist · arglistig · Argwohn · argwöhnen · argwöhnisch · verargen · arglos · Arglosigkeit
arg Adj. ‘schlimm, böse, bösartig’, als Verstärkung ‘sehr, groß, stark’, ahd. arg ‘(moralisch) verderbt, schlecht, böse’, auch ‘feige, unzüchtig, geizig’ (8. Jh.), mhd. arc ‘nichtswürdig, böse’, mnd. mnl. arch ‘böse, schlimm’, aengl. earg ‘feige, träge, böse’, anord. argr, daneben mit Metathese ragr ‘feige, unmännlich, unsittlich’, sowie langobard. arg. Ausgangspunkt ist die Bedeutung ‘feige’, in der germ. *arga- als arka bzw. arg ins Finn. und Estn. entlehnt wird. Für die Ausgangsbedeutung ‘feige’ spricht auch die etymologische Herleitung. Im Sinne von ‘angstbebend, zitternd’ gehört das Adjektiv zu ie. *ergh- ‘schütteln, erregen, beben’, Erweiterung der Wurzel ie. *er- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. ↗reiten, ↗Ernst); vgl. griech. orché͞isthai (ὀρχεῖσθαι) ‘beben, hüpfen, tanzen’, aind. ṛghāyáti ‘bebt, tobt, rast’. Heute begegnet arg vornehmlich als Ausdruck der Verstärkung (eine arge Enttäuschung, es hat mich arg gefreut). Arg n. ‘Böses, Schlimmes, Falschheit’, nur noch in negativen Wendungen wie ohne Arg sein, kein Arg finden gebräuchlich. Ahd. arg bedeutet entsprechend dem Adjektiv (s. oben) ‘das (moralisch) Schlechte, Böse, Verworfenheit, Schlechtigkeit’ (9. Jh.), mhd. arc ‘Böses, Übel’, mnd. mnl. arch ‘Böses, Unheil, Bosheit, Schaden’. Arglist f. ‘Hinterlist, Heimtücke’, ahd. arglist ‘Arglist, Schlauheit, Bosheit’ (um 1000), mhd. arclist, dazu arglistig Adj. ‘hinterlistig, heimtückisch’, mhd. arclistec. Argwohn m. ‘Verdacht, Mißtrauen’, ahd. argwān (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwān; zum Grundwort s. ↗Wahn; davon abgeleitet argwöhnen Vb. (früher auch argwohnen) ‘Argwohn hegen, Schlimmes vermuten’, ahd. argwānen (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnen; argwöhnisch Adj. ‘mißtrauisch, voller Argwohn’, ahd. argwānig (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnec. verargen Vb. ‘übelnehmen’, mhd. verargen ‘arg werden’; vgl. mhd. argen ‘arg sein’. arglos Adj. ‘nichts Böses ahnend, ohne Argwohn, ahnungslos’ und Arglosigkeit f. (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Arglosigkeit · ↗Gutgläubigkeit · ↗Naivität · ↗Treuherzigkeit · Tumbheit (humoristisch)
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Mischung Unschuld ausnutzen gespielt gewiss kindlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Arglosigkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Über so viel Arglosigkeit kann man nur den Kopf schütteln.
Die Zeit, 12.04.1999, Nr. 15
Dabei sei er besonders heimtückisch vorgegangen und habe die Arglosigkeit zahlreicher Gäste ausgenutzt.
Die Welt, 16.01.2001
In seiner vertrauensseligen Arglosigkeit hat er sich oft genug ausgenutzt oder übervorteilt gesehen.
Lippmann, Friedrich u. a.: Mozart. In: Blume, Friedrich (Hg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1961], S. 35821
Vor allem aber ist es ohne Arg, und diese Arglosigkeit an Christiane Paul entwaffnet einen sofort.
Der Tagesspiegel, 09.01.2004
Seine Arglosigkeit beim Erzählen soll auch im Ehrengericht anerkannt worden sein.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 318
Zitationshilfe
„Arglosigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Arglosigkeit>, abgerufen am 14.11.2019.

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