Armutsgrenze, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Armutsgrenze · Nominativ Plural: Armutsgrenzen · wird selten im Plural verwendet
Worttrennung Ar-muts-gren-ze
Wortzerlegung ArmutGrenze
DWDS-Vollartikel, 2016

Bedeutungen

1.
Höhe des Einkommens, bis zu dem Personen als arm gelten
siehe auch Armutsschwelle
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die absolute, relative, nationale, offizielle, definierte, festgelegte, sogenannte, statistische Armutsgrenze
als Aktivsubjekt: die Armutsgrenze liegt bei etw.
als Genitivattribut: am Rande der Armutsgrenze [leben]
in Präpositionalgruppe/-objekt: unter(halb), an, nahe der Armutsgrenze leben; unter der Armutsgrenze vegetieren; etw. liegt unter(halb) der Armutsgrenze; unter die Armutsgrenze fallen, geraten, (ab)rutschen, sinken, gedrückt werden; die Bevölkerung, die Einwohner, Einkommen, Menschen unter(halb) der Armutsgrenze
Beispiele:
Weltweit hat die Unesco die absolute Armutsgrenze auf einen Einkommensdurchschnitt von einem Dollar pro Tag errechnet. […] [Die Welt, 24.06.2004]
Armutsgefährdet ist laut EU‑Definition in Österreich jeder, dessen Haushaltseinkommen unter der Armutsgrenze von 60 Prozent des Medianeinkommens liegt. [Der Standard, 17.11.2007]
Inzwischen ist die Versorgung miserabel, und die Löhne gestatten nur ein Leben nahe der Armutsgrenze. [Süddeutsche Zeitung, 27.07.1999]
Dabei ist mit Unterprivilegierung nicht gemeint, daß nicht alle Amerikaner wohlhabend sind, sondern diese Zahl bezeichnet eine Armutsgrenze, unterhalb derer das Existenzminimum nicht mehr gewährleistet ist. [Kursbuch, 1971, Bd. 24]
Die Europäische Kommission hat 1981 die relativen Armutsgrenzen festgelegt. Danach ist arm, wessen Einkommen nur 50 Prozent oder weniger des durchschnittlichen Haushaltseinkommen beträgt. [Die Zeit, 18.12.2012] ungewöhnl. Pl.
übertragen soziale Schranke, die durch Armut entsteht
Beispiele:
Die Angestellten von Wal‑Mart hetzen durch die Halle, obwohl sie im Schnitt nur 9,68 Dollar pro Stunde verdienen – oft zu wenig, um die Armutsgrenze zu überwinden. [Der Tagesspiegel, 08.05.2005]
Worte zu Silvester: »Die deutsche Armutsgrenze liegt irgendwo zwischen Mallorca und den Seychellen.« Hilmar Kopper [Süddeutsche Zeitung, 31.12.1996]
Technische Bildung ist auf westliche industrielle Importtechnologien, Produktionen und Produkte ausgerichtet und nicht darauf, Lösungen zur Deckung von Grundbedürfnissen oder zur Überwindung der Armutsgrenzen zu finden. [Die Zeit, 11.10.1991]
2.
geographische Trennlinie zwischen armen und reicheren Gebieten
Beispiele:
»Eine Armutsgrenze in Europa können wir uns auf Dauer nicht leisten, denn Armut in unseren Nachbarländern würde sofort zu Migrationswellen führen«[…]. [Berliner Zeitung, 28.06.1997]
Im Mittelalter Verbindung zwischen Südeuropa und der arabischen Welt, trennt das »Mare Nostrum« [das Mittelmeer] als Armutsgrenze heute schärfer denn je einen wohlhabenden Norden von den gegenüberliegenden Ländern, die zunehmend verarmen. [Neue Zürcher Zeitung, 25.01.1996]
Die Brücke [die Weidendammer Brücke in Berlin-Mitte, die Kästners Pünktchen und Anton trennte] ist keine Grenze mehr zwischen dem armen und dem reichen Berlin, aber es gibt Dutzende neue Armutsgrenzen […]. [Der Tagesspiegel, 31.07.2004]
Wie der Staatssekretär […] ausführte, ist die […] angestrebte Vereinbarung […] von fundamentaler Bedeutung, »weil wir mitten in Europa liegen und an unserer Ostgrenze die europäische Armutsgrenze verläuft«. [Die Welt, 12.05.1999]

Typische Verbindungen zu ›Armutsgrenze‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Armutsgrenze‹.

Zitationshilfe
„Armutsgrenze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Armutsgrenze>, abgerufen am 30.11.2020.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Armutsforschung
Armutsflüchtling
Armutsflucht
Armutsbericht
Armutsbekämpfung
Armutsgürtel
Armutsideal
Armutsquote
Armutsrisiko
Armutsschwelle