Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Artefakt, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Artefakt(e)s · Nominativ Plural: Artefakte
Aussprache  [aʁtəˈfakt]
Worttrennung Ar-te-fakt
Herkunft zu arslat ‘Handwerk, Kunst(werk)’ + factumlat ‘Tat, Werk, das Gemachte’
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich von Menschen künstlich geschaffener (materieller oder immaterieller) Gegenstand
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: menschliche Artefakte
Beispiele:
Die Digitaluhr ist ein Artefakt, das für den drastischen Umbruch einer ganzen Industrie steht, für den Übergang von analog zu digital bei einem der ältesten technischen Geräte der Menschheit. [Der Spiegel, 06.10.2008 (online)]
Selten hat ein Film die stoffliche und die emotionale Bedeutung des Buchs als Artefakt so greifbar gemacht. [Süddeutsche Zeitung, 29.10.2020]
Die Oper als unmögliches Kunstwerk, brüchiges Artefakt, als unberechenbare Gemengelage jedenfalls wurde hier hör‑ wie sichtbar gemacht. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.1996]
Der Unterschied zwischen dem Künstlichen und dem Natürlichen ist verschwunden[…]; und gleichzeitig erzeugt das totale Artefakt, die zur Welt gewordenen Werke des Menschen, die auf ihn und durch ihn selbst wirken, eine neue Art von »Natur«[…]. [Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung. Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979]
Jedes Artefakt, z. B. eine »Maschine«, ist lediglich aus dem Sinn deutbar und verständlich, den menschliches Handeln […] der Herstellung und Verwendung dieses Artefakts verlieh […]. [Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.): Grundriß der Sozialökonomik. Tübingen: Mohr 1922 [1909–1914, 1918–1920], S. 3]
abwertendEr baut sich aus den Trümmern und Artefakten seiner Biografie eine ästhetische Gegenwelt zusammen, mit groteskem Witz und burlesker Geschmacklosigkeit. [Die Zeit, 22.04.2014]
a)
Archäologie von Menschen (einer vergangenen Epoche) hergestelltes oder bearbeitetes Objekt als archäologischer Untersuchungsgegenstand
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: archäologische, kulturelle, kostbare Artefakte; gefundene, gestohlene Artefakte
mit Genitivattribut: Artefakte einer Epoche, Kultur
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Handel mit Artefakten
Beispiele:
Aber auch manches archäologische Artefakt zeigt, wie schwierig es sein kann, tausende Jahre alte Symbole zu interpretieren. Da wäre etwa der Diskos von Phaistos aus der Bronzezeit. [Die Zeit, 06.05.2013]
Bei der Schale – weiß, mit blauer Blumenverzierung – handelt es sich um ein Artefakt aus den Zeiten der chinesischen Ming‑Dynastie. [Süddeutsche Zeitung, 06.03.2021]
Israelische Archäologen wie Eilat Mazar von der Hebrew University in Jerusalem sind entsetzt über diese Ausgrabungen, da hier willkürlich Erdreich mit möglichen Relikten aus der jüdischen Tempelzeit abgetragen wird und die Artefakte vernichtet werden. [Süddeutsche Zeitung, 28.12.2004]
Man findet Artefakte aus der Ära der Indianer: Keramik und Muschelwerkzeuge sowie Gegenstände der Kolonialzeit[…]. [Frankfurter Rundschau, 22.08.1998]
Von wandernden Nahrungssammlern aus der nordafrikanischen Prärie[…] zeugt eine Küchenhöhle, in der sich neben Elefanten‑ und Nilpferdknochen auch spärliche Reste menschlicher Artefakte finden: mikrolithische Feuersteine, wenige Tongefäße. [Wilson, John A.: Ägypten. In: Propyläen Weltgeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 811]
b)
Medizin (zur Täuschung) selbst beigebrachte physische Veränderung, Schädigung, Verletzung
Beispiele:
Wenn bei der Visite nicht über die vermutete Selbstbeschädigung des Bettlägerigen spekuliert wird, sondern vom »Artefakt«[…] die Rede ist, bleibt meist auch der tüchtigsten Oberschwester der Sinn verschlossen. […] »Die Fachsprache verdunkelt mehr, als sie enthüllt. […]« [Der Spiegel, 02.01.1984]
Derartige Manipulationen (»Artefakte«) – etwa daß Kranke sich selber verunreinigtes Wasser injizieren oder sich mit schmutzigen Nadeln Infektionen beibringen – haben die Mediziner schon häufig beobachten können […]. Meist wollen die Patienten auf diese Weise erreichen, daß sie länger krank geschrieben bleiben. [Der Spiegel, 05.08.1964]
2.
Wissenschaft, Technik durch menschliche Einwirkung oder technische Voraussetzungen unabsichtlich, fehlerhaft erzeugtes, täuschendes, störendes Phänomen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: störende Artefakte; ein statistisches Artefakt
Beispiele:
Dass [der ferne Planet] Kepler‑186f tatsächlich existiert – und nicht etwa ein Artefakt in den Teleskopdaten ist – erscheint ebenfalls nahezu sicher. [Der Spiegel, 17.04.2014 (online)]
Es kann passieren, dass in größeren Gruppen auch die Wirksamkeit des Halbe‑Dosis‑ganze‑Dosis‑Impfschemas in Richtung 60 Prozent bröckelt. Dann wären die Unterschiede nur ein statistisches Artefakt. [Süddeutsche Zeitung, 26.11.2020]
Auch hier [bei dem Ausdruck eines digitalen Fotos] sind Artefakte übertriebener Schärfung erkennbar. Die Farbwiedergabe wirkt neutral und rauscharm. [C’t, 2001, Nr. 4]
Klicks, unnötiges Rauschen oder ähnliche Artefakte im Sound, die auf Grund des Enkodier‑Prinzips von MP3 [Kompressionsverfahren für Audiodaten] zu Stande kommen, kann die Software natürlich nicht wieder entfernen. [C’t, 2000, Nr. 14]
Solche »Schrittmaße« im Universum stellten sich meist als »mathematische Artefakte« heraus, die dadurch zustande kämen, daß nur in einem ganz engen Himmelsbereich gemessen würde. [Die Zeit, 06.11.1992]
Zweitens konnte aufgrund des vorliegenden Materials noch nicht entschieden werden, ob es sich bei der mehrgipfeligen Struktur um ein reales Phänomen oder nur um ein Artefakt der eingesetzten Analysemethoden handelt. [Rösler, Frank: Hirnelektrische korrelate kognitiver Prozesse. Berlin: Springer 1982]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein vom Menschen hergestellter) Gegenstand · (ein) von Menschenhand Geschaffenes  ●  Artefakt (Volkskunde, Archäologie)  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
Artefakt · Verfälschungseffekt

Typische Verbindungen zu ›Artefakt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Artefakt‹.

Zitationshilfe
„Artefakt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Artefakt>.

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