Aschermittwoch, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Aschermittwochs · Nominativ Plural: Aschermittwoche · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [ˌaʃɐˈmɪtvɔχ]
Worttrennung Ascher-mitt-woch
Wortzerlegung  Asche Mittwoch
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Mittwoch nach dem Ende des Karnevals, an dem die Fastenzeit vor Ostern beginnt
Kollokationen:
in Koordination: Weiberfastnacht, Rosenmontag, Faschingsdienstag und Aschermittwoch
in Präpositionalgruppe/-objekt: Fischessen am Aschermittwoch; [die Fastenzeit] von Aschermittwoch bis Ostern
Beispiele:
Am Aschermittwoch hat die traditionelle Fastenzeit begonnen, die bis Ostern dauert. [Welt am Sonntag, 01.03.2020]
Die Narrenvereinigung Kleggau verweist auf ihrer Internetseite auf das Kulturerbe der Schwäbisch‑Alemannischen Fasnacht, welche zwischen dem Dreikönigstag und Aschermittwoch mit zahlreichen Bräuchen gefeiert wird. [Südkurier, 14.01.2021]
Die fünfte Jahreszeit wird ausfallen […] Diese Entscheidung zeichnete sich am Freitagnachmittag unmittelbar vor Beginn eines sogenannten »Karneval‑Gipfels« ab, bei dem die großen Karnevalsverbände mit der NRW‑Regierung nach Corona‑gerechten Verhaltensregeln für die feucht‑fröhlichen Zeiten zwischen dem 11. 11. und Aschermittwoch suchten. [Süddeutsche Zeitung, 19.09.2020]
Nachdem mit dem Aschermittwoch alles vorbei ist, kann man sich, trotz Fastenzeit, wieder der Normalität erfreuen. [Süddeutsche Zeitung, 08.03.2019]
Gestern war Aschermittwoch, aber in Wien ist der Fasching noch lange nicht zu Ende. In Wien tanzt man gewöhnlich bis zu Ostern, also bis in den April hinein. [Berliner Tageblatt, 16.02.1902]
Der Bettanzug riecht nicht mehr ganz so frisch und das Fasnachtsgewand könnte nach langem Auslüften oder mehrmaligem Waschen dann auch mal verräumt werden – denn die Fasnacht ist vorbei. Morgen geht es wieder zur Arbeit, und der Alltag fängt von vornean. Tschüss Parallelwelt. Ich kann mich gut an unzählige trostlose Aschermittwoche erinnern. [Luzerner Zeitung, 06.03.2019] ungewöhnl. Pl.
besonders in Bayern
Phrasem:
Politischer, politischer Aschermittwoch (= Veranstaltung größerer Parteien am Aschermittwoch, bei der oft in süffisanter Weise gegen die politischen Gegner polemisiert wird)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der traditionelle, diesjährige Politische Aschermittwoch
mit Genitivattribut: der Politische Aschermittwoch der CSU, FDP, Grünen
als Akkusativobjekt: Politischen Aschermittwoch feiern
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Veranstaltung, Rede zum Politischen Aschermittwoch; jmdn. beim Politischen Aschermittwoch attackieren, angreifen
Beispiele:
Wegen des Unglücks hatten sich die Parteien in Bayern entschieden, auf den Politischen Aschermittwoch zu verzichten, bei dem traditionell mit markigen Worten in Bierzeltatmosphäre der politische Gegner ins Visier genommen wird. [Der Standard, 10.02.2016]
Der de‑facto‑Ausfall der Fastnacht wie die gesamte Situation rund um Corona ließen momentan eine Versammlung zum politischen Aschermittwoch etwas aus der Zeit gefallen wirken. [Saarbrücker Zeitung, 15.01.2021]
Söder hatte schon beim politischen Aschermittwoch im Februar volle Breitseite gegen die AfD gefahren, damals war noch der thüringische Landeschef Björn Höcke das Ziel. [Die Welt, 29.05.2020]
Die Stadtväter der an der Peripherie der Bundesrepublik gelegenen Stadt zwischen Donau, Inn und Ilz sind Franz Josef Strauß auf ewig dankbar, daß er seinen »politischen Aschermittwoch« vor zwei Jahren vom 23 Kilometer entfernten Vilshofen, wo es ihm und seinen Anhängern zu eng geworden war, nach Passau in die große Nibelungenhalle verlegte. [Die Zeit, 12.03.1976]
Das mehr oder weniger betrunkene Poltern und Beschimpfen des Gegners beim Politischen Aschermittwoch hat sich in der hessischen Landespolitik nicht durchgesetzt. Zum Glück. Es gibt zwar lokale Aschermittwochs‑Veranstaltungen. Aber sie sind nicht annähernd mit Passau zu vergleichen, der Mutter aller Politischen Aschermittwoche. [Frankfurter Rundschau, 29.02.2020] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Asche · einäschern · Einäscherung · Aschenbrödel · Aschenputtel · Aschermittwoch
Asche f. ‘Rückstand eines Brandes’, ahd. asca (8. Jh.), mhd. asche, esche, mnd. asche, mnl. assce, nl. as, aengl. æsce, æxe, engl. (Plur.) ashes, anord. schwed. aska führen auf eine Gutturalerweiterung ie. *azg- der Wurzel ie. *hā̌s- ‘glühen, Herd’, zu der auch nhd. Esse (s. d.) sowie außergerm. aind. ā́saḥ ‘Asche, Staub’, hethit. hašša- ‘Asche’, lat. āra ‘Brandaltar, Opferstätte’, ārēre ‘trocken, dürr sein’, āridus ‘trocken, dürr’, ārea ‘freier Platz, Fläche, Tenne’ (eigentlich ‘ausgebrannte, trockene Stelle’) sowie (über eine Dentalerweiterung) griech. ázein (ἄζειν) ‘trocknen, dörren’, azaléos (ἀζαλέος) ‘dürr, trocken’ (s. Azalee) gehören. einäschern Vb. ‘in Asche legen, niederbrennen’ und Einäscherung f. (beide 16. Jh.; im 16. Jh. auch einäschigen); seit Anfang des 20. Jhs. bezeichnen Verb und Substantiv vornehmlich den Vorgang der Feuerbestattung. Aschenbrödel, landschaftlich Aschenputtel n. ‘wer niedrige Arbeit tut und nicht beachtet wird’, mhd. aschenbrodele m. ‘Küchenjunge’, zu brodeln bzw. putteln, buddeln (s. d.) in der mundartlichen Bedeutung ‘wühlen, stauben’. Aschermittwoch m. ‘Tag nach Fastnacht und Beginn der Fastenzeit’, wo den katholischen Gläubigen Asche als Symbol der Vergänglichkeit und Buße aufs Haupt gestreut oder auf die Stirn gestrichen wird. Die Zusammensetzung bewahrt eine (vorwiegend südd.) Nebenform Ascher m. und tritt im 14. Jh. neben gleichbed. mhd. aschtac, das die Literatursprache im 16. Jh. aufgibt.

Typische Verbindungen zu ›Aschermittwoch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aschermittwoch‹.

Zitationshilfe
„Aschermittwoch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aschermittwoch>, abgerufen am 25.10.2021.

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