Aufnahmeraum, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Aufnahmeraum(e)s · Nominativ Plural: Aufnahmeräume
Aussprache [ˈaʊ̯fnaːməˌʀaʊ̯m]
Worttrennung Auf-nah-me-raum
Wortzerlegung  Aufnahme Raum
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
mit Tontechnik ausgestatteter, speziell für die Aufzeichnung von Sprache, Gesang, Musikinstrumenten oder Geräuschen eingerichteter Raum
siehe auch Regieraum, Tonstudio
Beispiele:
In der üblichen Rockproduktion allerdings wird jeder Musiker einzeln in den Aufnahmeraum geschickt, gewöhnlich zuerst Schlagzeuger, dann Bassist und schließlich Keyboarder und Gitarristen. [Der Spiegel, 14.02.2008 (online)]
Wenn kein Studioraum mit guter [Schall-]Dämmung zur Verfügung stehen sollte, gibt es einige kleine Tricks, um die Raumakustik des eigenen Aufnahmeraums zu verbessern: Ein zum Beispiel mit Sofas, Teppichen und Vorhängen eingerichteter Raum hat bereits gute Voraussetzungen für gute Gesangsaufnahmen, da der Stoff der Möbel, ähnlich wie die Absorber im Studio, Reflexionen und Hall auffängt und diese Störgeräusche minimieren kann. [Shure Blog, 16.06.2015, aufgerufen am 28.04.2016]
Der Tonmeister beobachtet die Musiker im Aufnahmeraum, seine Hände jedoch schweben über den unzähligen Reglern des großen Mischpults. [Süddeutsche Zeitung, 30.07.2014]
2.
Bereich in einer medizinischen Einrichtung, in dem die Registrierung, Anmeldung von Patienten erfolgt
Beispiele:
Dort [am Schalter der Patientenaufnahme] erhalten Sie eine Wartemarke und werden dann zu unserem Aufnahmeraum aufgerufen. Im Aufnahmeraum werden verschiedene Daten von Ihnen abgefragt und der Behandlungsvertrag unterschrieben. [Patienteninformation, aufgerufen am 09.06.2020]
Seine Partnerin und er wurden [nach der Ankunft im Krankenhaus] von einer gähnenden Leere im Wartebereich empfangen, der Aufnahmeraum sei mit einer Krankenschwester und einem Mediziner besetzt gewesen. [Rhein-Zeitung, 14.01.2019]
Während eine Ärztin die [von der Polizei zugeführte] Patientin beruhigt, die Handschellen löst und sie untersucht, sitzen Rettungsassistenten und Beamte im Aufnahmeraum. [Frankfurter Rundschau, 20.08.1997]
Der Aufnahmeraum muß so eingerichtet sein, daß hier eine Schockbehandlung, eine Akutbehandlung im Sinne der lebensrettenden Sofortmaßnahmen durch den Arzt durchgeführt werden kann. [Frey, Rudolf: Die Alkoholvergiftung. Verhütung und Behandlung, o. O.: Springer-Verlag 2013 (Erstausgabe: 1976), S. 61]
3.
Bereich einer Strafvollzugsanstalt (Gefängnis, Zuchthaus o. Ä.), in dem neu aufgenommene bzw. eingelieferte Inhaftierte registriert, visitiert (2) und über das weitere Vorgehen, Verhaltensregeln o. Ä. instruiert werden
Beispiele:
Im U‑förmigen, überschaubaren Unterkunftsgebäude [der Frauenjustizvollzugsanstalt] sind neben den eigentlichen Hafträumen auch die Aufnahmeräume und die Räume für die Gesundheitsfürsorge untergebracht – dieser Bereich kann eigenständig abgetrennt werden, so daß ein reibungsloser Betrieb gewährleistet ist. [Neubau Justizvollzugsanstalt, 11.02.2015, aufgerufen am 09.06.2020]
Im Aufnahmeraum musste ich mich komplett entkleiden für die Leibesvisite[…]. Anschließend wurde ich in die Zelle gebracht. [Aufnahmeraum und Inhaftierungszelle, aufgerufen am 09.06.2020]
4.
verhüllend Bereich einer Tötungsanstalt, eines Konzentrationslagers o. Ä., in der neu Angekommenen Registrierungsformalitäten und häufig eine medizinische Untersuchung unter Verheimlichung der unmittelbaren Tötungsabsicht oder der tatsächlichen Haftbedingungen vorgetäuscht werden
Beispiele:
Nach Passieren des bewachten Eingangstores der Tötungsanstalt wurden die Opfer vom Pflegepersonal im Erdgeschoss des ehemaligen Paralytikerhauses – nach Männern und Frauen getrennt – in je einen Aufnahmeraum gebracht. In einem weiteren Raum wurden sie einzeln in der Regel zwei Ärzten der Anstalt vorgeführt, die die Identität der Opfer überprüften sowie eine fingierte Todesursache festlegten. [Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, aufgerufen am 09.06.2020]
Der Gaskammer vorgelagert war der sogenannte Aufnahmeraum, in dem Ärzte die Opfer ein letztes Mal begutachteten, nachgelagert der Leichen‑ und der Krematoriumsraum, in den man einen leistungsfähigen Verbrennungsofen einbaute. [Bauer, Kurt: Die dunklen Jahre. Politik und Alltag im nationalsozialistischen Österreich 1938 bis 1945. Frankfurt am Main: Fischer 2017, o. S.]
Nach dieser Prozedur [der Entkleidung der Angekommenen und Nummerierung durch Kräfte der Tötungsanstalt] wurden die Personen in eine nebenan befildiche Kammer geführt, und dort fotografiert. Von der Fotokammer weg, führte man die Leute durch einen zweiten Ausgang wieder in den Aufnahmeraum[,] von dort durch eine Stahltüre in die Gaskammer. [Friedländer, Henry: Die Entwicklung der Mordtechnik. Von der »Euthanasie« zu den Vernichtungslagern der »Endlösung«. In: Herbert, Ulrich u.a., Die nationalsozialistischen Konzentrationslager – Entwicklung und Struktur, Band 1, o. O.: Wallstein-Verlag 1998, S. 496]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Aufnahmeraum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aufnahmeraum>, abgerufen am 23.09.2021.

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