Aufriss, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Aufrisses · Nominativ Plural: Aufrisse
Aussprache 
Worttrennung Auf-riss
Grundformaufreißen2
Ungültige Schreibung Aufriß
Rechtschreibregeln § 2, § 25 (E1)
Wortbildung  mit ›Aufriss‹ als Erstglied: Aufrisszeichnung  ·  mit ›Aufriss‹ als Letztglied: Problemaufriss
eWDG

Bedeutungen

1.
Technik Zeichnung der Vorderansicht eines Hauses, Gegenstandes
Beispiele:
ein maßstabgerechter Aufriss
der Bauherr lässt vom Architekten einen Aufriss seines Hauses anfertigen
der genaue Aufriss eines Grundstückes
2.
gedrängte Darstellung, Überblick
Beispiele:
das Geschichtsbuch bietet einen Aufriss von der Frühzeit bis zur Gegenwart
der Aufriss einer Handlung, eines Romans
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch reizen, Riß, ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
(großes) Getöse · (großes) Tamtam · Aufhebens · Aufregung · Aufsehen · Federlesen(s) · Gesums · Getue · Gewese · Hype · Schaumschlägerei · Theaterdonner · Wirbel · viel Lärm um nichts  ●  (einen) ganz großen Bahnhof (machen)  fig. · Aufruhr  fig. · Hysterie  fig. · (großes) Trara  ugs. · (übertrieben viel) Tamtam (um etwas)  ugs., salopp, Hauptform · Aufgeregtheit  geh. · Aufriss  ugs. · Bohei  ugs. · Buhei  ugs. · Furore (machen)  geh. · Gehabe  ugs. · Gemach(e)  ugs. · Geschiss  derb · Getrommel  ugs. · Riesenbohei  ugs. · Rummel  ugs. · Sturm im Wasserglas  ugs. · Tebs  ugs., sehr selten · Theater  ugs.
Assoziationen
  • (die) Mode sein · Konjunktur haben(d) · Szene... · aktuell · dem Zeitgeist entsprechend · gefragt · im Trend liegen(d) · stylisch  ●  (...) ist das neue (...; ist der / die neue ...)  Jargon, floskelhaft · zum guten Ton gehören(d)  fig. · (voll) im Trend  ugs. · Kult  ugs. · angesagt  ugs. · en vogue  geh., franz. · hip  ugs. · hoch im Kurs stehen  ugs. · im Schwange (sein)  geh. · in (betont, Emphase)  ugs., engl. · in Mode  ugs., Hauptform · kultig  ugs. · sexy  ugs., fig. · trendig  ugs. · trendy  ugs.
  • (eine) Schau machen · (sich) aufblasen · (sich) aufführen wie der große Zampano · (sich) aufplustern · Eindruck schinden · große Reden schwingen · laut werden  ●  (sich) auf die Brust klopfen  fig. · (sich) aufs hohe Ross setzen  fig. · (sich) aufspielen  Hauptform · (das) große Wort führen  geh. · (den) (großen) Zampano machen  ugs. · (den) Dicken markieren  ugs. · (den) Hermann machen  ugs. · (den) Larry machen  ugs. · (den) Lauten machen  ugs. · (den) Molli machen  ugs., regional · (den) Mund (sehr) voll nehmen  ugs., fig. · (den) Mund zu voll nehmen  ugs. · (den) dicken Mann markieren  ugs. · (den) dicken Max machen  ugs. · (den) dicken Max markieren  ugs. · (die) (große) Welle reißen  ugs. · (die) Backen aufblasen  ugs. · (die) Schnauze aufreißen  ugs., fig. · (die) Welle machen  ugs. · (eine) (dicke) Lippe riskieren  ugs. · (eine) Show abziehen  ugs. · (eine) große Fresse haben  derb · (eine) große Klappe haben  ugs. · (eine) große Schnauze haben  ugs. · (einen) auf dicke Hose machen  derb · (einen) auf großer Zampano machen  ugs. · (gewaltig) das Maul aufreißen  ugs. · (groß) herumtönen  ugs. · (sich) aufführen wie Graf Koks von der Gasanstalt  derb, veraltend, regional · (sich) aufmandeln  ugs., bayr. · (sich) aufpupsen  derb · (sich) großtun (mit)  ugs. · (sich) in die Brust werfen  geh. · (sich) wichtig machen  ugs. · Sprüche klopfen  ugs. · auf den Putz hauen  ugs., fig. · auf die Kacke hauen  derb, fig. · auf die Pauke hauen  ugs., fig. · auf die Pferde hauen  ugs., fig. · blärzen  ugs., regional · den (...) raushängen lassen  ugs. · dicke Backen machen  ugs. · dicketun  ugs. · dicktun  ugs. · einen auf (...) machen  ugs. · groß rumtönen  ugs. · große Töne spucken  ugs. · herumblärzen  ugs., regional · pranzen  ugs. · strunzen  ugs., regional · wichtigtun  ugs.
  • Gelärm · Gelärme · Herumlärmen · Lärmerei  ●  (das) Rumlärmen  ugs. · Affentheater  ugs. · Affenzirkus  ugs. · Heckmeck  ugs. · Zirkus  ugs.
  • zu viel Aufwand · übertriebener Aufwand  ●  (sich) Arbeit (machen)  ugs. · Umstände (machen)  ugs.
  • Gezeter · Wehgeschrei · großes Geschrei  ●  Heulen und Zähneklappern  fig., übertreibend
  • großes Hallo · laute Begrüßung
  • ausposaunen  ugs., fig. · groß ankündigen  ugs., Hauptform · groß herumtönen  ugs. · herausposaunen  ugs., fig. · hinausposaunen  ugs., fig. · mit großem Trara verkünden  ugs. · rausposaunen  ugs., fig.
  • (etwas / viel) hermachen (von) · (viel) Aufhebens machen (von)  ●  (ein) Drama machen (aus)  fig. · (viel) Wind machen (um)  ugs., fig.
  • Haupt- und Staatsaktion · Staatsaffäre · Staatsaktion · aufgeblähte Show

Typische Verbindungen zu ›Aufriss‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›Aufriss‹ und ›Aufriß‹.

Verwendungsbeispiele für ›Aufriss‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir haben hier einen skizzenhaften Aufriß davon gegeben, nicht mehr. [Weber, Alfred: Neue Wissenschaft - Soziologie. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 19288]
Dieser Aufriß zeigt die formale Gleichheit der B. in den Religionen. [Freytag, W.: Bekehrung. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 22069]
Um so nötiger ist es, einen genauen Aufriß über seinen tatsächlichen Zweck, seine wichtigsten Funktionen und seinen teilweise noch nicht abgeschlossenen Aufbau zu geben. [Die Zeit, 27.02.1950, Nr. 09]
Immer schon wurde ein eigener Reiz der Pläne und Aufrisse bemerkt. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 264]
Dabei gelang es niemandem, eine halbwegs realistische Kontur des Gesamtkomplexes, einen annähernd verläßlichen Aufriß von Lösungen anzubieten. [Die Zeit, 28.05.1982, Nr. 22]
Zitationshilfe
„Aufriss“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aufriss>.

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