Aufruhr, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Aufruhr(e)s · Nominativ Plural: Aufruhre · wird meist im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Auf-ruhr
eWDG

Bedeutungen

1.
Rebellion gegen die Staatsgewalt, Empörung
Beispiele:
Aufruhr stiften
der Aufruhr flackert auf, bricht aus, bricht los, ebbt ab
es kam zum versteckten, offenen Aufruhr
einen Aufruhr dämpfen, beruhigen, unterdrücken, blutig niederschlagen
Unter die Menschen kam ich zur Zeit des Aufruhrs [ BrechtGedichte306]
2.
gehoben heftige Bewegtheit in der Natur
Beispiele:
der Aufruhr der Elemente, Fluten
der Aufruhr (= Unwetter) legte sich gegen Abend
3.
heftige seelische Erregung
Beispiele:
ein Aufruhr des Herzens, der Gefühle, Sinne
sein Herz in Aufruhr versetzen
seinen inneren Aufruhr zähmen, stillen, besiegen
Seine ganze Natur war in Aufruhr [ HeyseI 1,518]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Aufruhr · Aufrührer · aufrührerisch
Aufruhr m. ‘Erhebung, Empörung’, überhaupt ‘heftige Erregung’ (vgl. nl. oproer, engl. uproar in derselben Bedeutung), ein Kompositum zu ahd. (h)ruora f., mhd. ruor(e) f. ‘eilige, heftige Bewegung’ (s. Ruhr), das seinerseits zu ahd. (h)ruoren, mhd. rüeren, ruoren ‘bewegen, anrühren’ (s. rühren) gehört, ist seit der Mitte des 15. Jhs. in hd. Texten, im 14. Jh. bereits in mnd. uprōr nachweisbar. Im Hd. bewahrt die Zusammensetzung das feminine Genus des Grundwortes noch bis ins 18. Jh., daneben kommt die Verwendung als Maskulinum in der 1. Hälfte des 16. Jhs. auf. Aufrührer m. ‘Empörer, Rebell’ (Ende 15. Jh.). aufrührerisch Adj. ‘einen Aufruhr hervorrufend, empörerisch’, abgeleitet von Aufrührer, löst zu Beginn des 18. Jhs. die älteren Bildungen aufrührig (Ende 15. Jh.) und aufrührisch (16. Jh.) ab und ist vereinzelt neben diesen schon im 16. Jh. bezeugt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Auflehnung · Aufruhr · Aufstand · Aufstand der Massen · Ausschreitung(en) · Erhebung · Krawall · Massenaufstand · Massenproteste · Massenunruhen · Protestaktionen · Proteste · Putsch · Rebellion · Tumult · Unruhe(n) · bürgerkriegsähnliche Zustände
Assoziationen
Synonymgruppe
Synonymgruppe
Aufruhr · Krawall · Lärm · Rabatz · Randale · Spektakel · Tumult · Unruhe  ●  (die) Welle  ugs. · Aufstand  ugs. · Terz  ugs. · Theater  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(großes) Getöse · (großes) Tamtam · Aufhebens · Aufregung · Aufsehen · Federlesen(s) · Gesums · Getue · Gewese · Hype · Schaumschlägerei · Theaterdonner · Wirbel · viel Lärm um nichts  ●  (einen) ganz großen Bahnhof (machen)  fig. · Aufruhr  fig. · Hysterie  fig. · (großes) Trara  ugs. · (übertrieben viel) Tamtam (um etwas)  ugs., salopp, Hauptform · Aufgeregtheit  geh. · Aufriss  ugs. · Bohei  ugs. · Buhei  ugs. · Furore (machen)  geh. · Gehabe  ugs. · Gemach(e)  ugs. · Geschiss  derb · Getrommel  ugs. · Riesenbohei  ugs. · Rummel  ugs. · Sturm im Wasserglas  ugs. · Tebs  ugs., sehr selten · Theater  ugs.
Assoziationen
  • (die) Mode sein · Konjunktur haben(d) · Szene... · aktuell · dem Zeitgeist entsprechend · gefragt · im Trend liegen(d) · stylisch  ●  (...) ist das neue (...; ist der / die neue ...)  Jargon, floskelhaft · zum guten Ton gehören(d)  fig. · (voll) im Trend  ugs. · Kult  ugs. · angesagt  ugs. · en vogue  geh., franz. · hip  ugs. · hoch im Kurs stehen  ugs. · im Schwange (sein)  geh. · in (betont, Emphase)  ugs., engl. · in Mode  ugs., Hauptform · kultig  ugs. · sexy  ugs., fig. · trendig  ugs. · trendy  ugs.
  • (eine) Schau machen · (sich) aufblasen · (sich) aufführen wie der große Zampano · (sich) aufplustern · Eindruck schinden · große Reden schwingen · laut werden  ●  (sich) auf die Brust klopfen  fig. · (sich) aufs hohe Ross setzen  fig. · (sich) aufspielen  Hauptform · (das) große Wort führen  geh. · (den) (großen) Zampano machen  ugs. · (den) Dicken markieren  ugs. · (den) Hermann machen  ugs. · (den) Larry machen  ugs. · (den) Lauten machen  ugs. · (den) Molli machen  ugs., regional · (den) Mund (sehr) voll nehmen  ugs., fig. · (den) Mund zu voll nehmen  ugs. · (den) dicken Mann markieren  ugs. · (den) dicken Max machen  ugs. · (den) dicken Max markieren  ugs. · (die) (große) Welle reißen  ugs. · (die) Backen aufblasen  ugs. · (die) Schnauze aufreißen  ugs., fig. · (die) Welle machen  ugs. · (eine) (dicke) Lippe riskieren  ugs. · (eine) Show abziehen  ugs. · (eine) große Fresse haben  derb · (eine) große Klappe haben  ugs. · (eine) große Schnauze haben  ugs. · (einen) auf dicke Hose machen  derb · (einen) auf großer Zampano machen  ugs. · (gewaltig) das Maul aufreißen  ugs. · (groß) herumtönen  ugs. · (sich) aufführen wie Graf Koks von der Gasanstalt  derb, veraltend, regional · (sich) aufmandeln  ugs., bayr. · (sich) aufpupsen  derb · (sich) großtun (mit)  ugs. · (sich) in die Brust werfen  geh. · (sich) wichtig machen  ugs. · Sprüche klopfen  ugs. · auf den Putz hauen  ugs., fig. · auf die Kacke hauen  derb, fig. · auf die Pauke hauen  ugs., fig. · auf die Pferde hauen  ugs., fig. · blärzen  ugs., regional · den (...) raushängen lassen  ugs. · dicke Backen machen  ugs. · dicketun  ugs. · dicktun  ugs. · einen auf (...) machen  ugs. · groß rumtönen  ugs. · große Töne spucken  ugs. · herumblärzen  ugs., regional · pranzen  ugs. · strunzen  ugs., regional · wichtigtun  ugs.
  • Gelärm · Gelärme · Herumlärmen · Lärmerei  ●  (das) Rumlärmen  ugs. · Affentheater  ugs. · Affenzirkus  ugs. · Heckmeck  ugs. · Zirkus  ugs.
  • zu viel Aufwand · übertriebener Aufwand  ●  (sich) Arbeit (machen)  ugs. · Umstände (machen)  ugs.
  • Gezeter · Wehgeschrei · großes Geschrei  ●  Heulen und Zähneklappern  fig., übertreibend
  • großes Hallo · laute Begrüßung
  • ausposaunen  ugs., fig. · groß ankündigen  ugs., Hauptform · groß herumtönen  ugs. · herausposaunen  ugs., fig. · hinausposaunen  ugs., fig. · mit großem Trara verkünden  ugs. · rausposaunen  ugs., fig.
  • (etwas / viel) hermachen (von) · (viel) Aufhebens machen (von)  ●  (ein) Drama machen (aus)  fig. · (viel) Wind machen (um)  ugs., fig.
  • Haupt- und Staatsaktion · Staatsaffäre · Staatsaktion · aufgeblähte Show
Synonymgruppe
Aufruhr · Volkszorn · allgemeine Empörung
Assoziationen
  • (öffentlicher) Aufschrei · Empörungswelle · Proteststurm · Welle der Empörung · wüste Beschimpfungen · wütende(r) Protest(e)  ●  Shitstorm  engl. · Empörungswoge  geh.
  • Populismus · populistische Parolen  ●  (das) gesunde Volksempfinden  Jargon, ironisch · Lufthoheit über die Stammtische  ironisch
  • Stammtischparolen · markige Sprüche · starke Sprüche
Synonymgruppe
Aufruhr · Spannungen · Unruhen

Typische Verbindungen zu ›Aufruhr‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aufruhr‹.

Verwendungsbeispiele für ›Aufruhr‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Weiß brachte Grün in Aufruhr, Braun behauptete sich gegen Grau. [Lenz, Siegfried: Deutschstunde, Hamburg: Hoffmann u. Campe 1997 [1968], S. 194]
Drohend strich der Schatten des jüngsten bolschewistischen Aufruhrs über das Reich. [o. A.: Reichsparteitag der NSDAP: Kulturtagung im Nürnberger Opernhaus, 11.09.1935]
Durch den Aufruhr gegen den Schöpfer ist sie zu »dieser W.« qualifiziert. [Gloege, G.: Welt. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 33817]
Ich habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen; all ihr Blut ist auf meinem Hals. [Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 6954]
Und der Zar hielt seine Generäle dazu an, den Aufruhr gnadenlos zu ersticken. [Die Zeit, 16.07.1998, Nr. 30]
Zitationshilfe
„Aufruhr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aufruhr>.

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