Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Aufsicht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Aufsicht · Nominativ Plural: Aufsichten
Aussprache 
Worttrennung Auf-sicht
Grundformaufsehen
eWDG

Bedeutungen

1.
Beaufsichtigung, Überwachung
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
jmdm. die Aufsicht über sein Haus anvertrauen, übergeben
Lehrer B hat heute in der großen Pause Aufsicht (= Aufsichtspflicht) auf dem Schulhof
über eine Abteilung von Soldaten und Sträflingen … die Aufsicht zu üben [ Th. MannJoseph5,54]
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »unter«
Beispiele:
etw., jmd. ist, steht unter (ärztlicher) Aufsicht
etw., jmdn. unter (polizeiliche) Aufsicht stellen
er arbeitet unter Aufsicht, macht unter Aufsicht seiner Schwester Schularbeiten
jmdn. unter (seiner) Aufsicht haben, unter (seine) Aufsicht nehmen
Grammatik: in Verbindung mit »ohne«
Beispiele:
etw., jmd. soll keine Minute ohne Aufsicht sein
der Junge ist zu Hause, beim Spielen, tagsüber ohne Aufsicht
2.
umgangssprachlich jmd., der die Aufsicht hat
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
die Aufsicht auf dem Bahnhof, in der Schule, Bibliothek
zur Aufsicht gehen
die Aufsicht fragen, um Auskunft bitten
wo ist die Aufsicht hingegangen?
3.
Sicht von oben
Beispiele:
der Flügel des Schmetterlings erscheint bei gerader Aufsicht schwarz, bei schräger Aufsicht schillert er
eine Wohnung in der Aufsicht zeichnen
Ein Ding nachformen, das hieß … alle die hundert Profile kennen, alle die Aufsichten [ Rilke4,387]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta Sicht und Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. sagen) entwickelt hat. – Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Militär
Synonymgruppe
Aufsicht · Beaufsichtigung · Beschirmung · Beschützung · Bewachung · Patrouille · Posten · Schutzaufsicht · Security Service · Sicherheitsdienst · Wachdienst · Wache · Wachehalten · Wachestehen · Wachmannschaft · Wachposten · Wacht · Wachtposten · Überwachung
Assoziationen
Synonymgruppe
Aufpasser · Aufseher · Aufsicht · Bewacher · Hüter · Wächter · Wärter  ●  Supervisor  fachspr. · Wachhund  ugs., fig. · Zuchtmeister  geh., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (ein) strenges Regiment führen · keine Nachlässigkeit(en) dulden · sehr streng sein

Typische Verbindungen zu ›Aufsicht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aufsicht‹.

Verwendungsbeispiele für ›Aufsicht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Kinder unter zehn Jahren sitzen aber doch besser an einem großen Tisch unter Aufsicht. [Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 210]
Die Aufsicht, die man ihnen bestellt, macht sich bestimmt bezahlt. [Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 135]
Er war ab 1941 teilweise unter der Aufsicht der Gestapo. [Baumgartner, Gabriele u. Hebig, Dieter (Hg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR – M. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1997], S. 6686]
Durch die so entstandene Aufsicht werden die in den Raum führenden Flächen in geringerer perspektiv. [o. A.: Lexikon der Kunst – P. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1993], S. 26294]
Sie sind fast alle zum ersten Mal ohne Aufsicht gewesen. [Die Zeit, 19.12.1997, Nr. 52]
Zitationshilfe
„Aufsicht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aufsicht>.

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