Augapfel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
WorttrennungAug-ap-fel
WortzerlegungAugeApfel
eWDG, 1967

Bedeutung

kugelförmiger Hauptteil des Auges, der in der Augenhöhle liegt, Sehkörper
Beispiele:
die Augäpfel, mit den Augäpfeln rollen
daß die kleinen Adern des Augapfels blutrot hervortraten [Th. MannBuddenbrooks1,583]
gehoben, übertragen das Wertvollste, Liebste
Beispiele:
etw. wie seinen Augapfel hüten, hegen
Zwei Doktoren gingen keinen Schritt von dem Hohen Kind / Augapfel des Gouverneurs [BrechtKaukas. Kreidekreis2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Auge · Augapfel · äugeln · liebäugeln · äugen
Auge n. Organ des Gesichtssinnes. Ahd. ouga (8. Jh.), mhd. ouge stimmt mit asächs. ōga, mnd. ōge, mnl. ōghe, nl. oog, aengl. ēage, (angl.) ēge, engl. eye, anord. auga, schwed. öga, dän. øje, got. augō überein. Die Herleitung von germ. *augan- aus ie. *okū- ‘sehen, Auge’, das sich aus aind. ákṣi, griech. ómma (ὄμμα), Dual ósse (ὄσσε), lat. oculus (s. ↗Okular), aslaw. oko, russ. (älter) óko (око), lit. akìs ‘Auge’ erschließen läßt, ist durch die germ. Lautgestalt erschwert, wird aber doch für wahrscheinlich gehalten. Allgemein nimmt man an, daß der Vokal eines regulär entwickelten germ. *agw- (dieses z. B. noch in ahd. awizoraht ‘augenscheinlich’, um 800, acsiunī ‘äußere Erscheinung’, 9. Jh.) unter dem Einfluß von germ. *auzan- ‘Ohr’, vgl. ahd. ōra und (mit grammatischem Wechsel) got. ausō (s. ↗Ohr), umgebildet wurde. Vielleicht hat dabei auch Ausgleich zwischen verschiedenen Flexionsformen eine Rolle gespielt; vgl. Feist ³64. Augapfel m. ‘kugelförmiger Sehkörper des Auges’, ahd. ougaphul (Hs. 12. Jh.), mhd. ougapfel; die durch Ähnlichkeit mit der runden Frucht motivierte übertragene Verwendung von ↗Apfel (s. d.) ebenfalls in aengl. ēagæppel, mnl. ōgheappel, nl. oogappel. Gleichbed. anord. augasteinn, schwed. ögonsten, engl. eyeball oder frz. globe de l’œil gehen von ähnlichen Vorstellungen aus. äugeln Vb. ‘jmdm. bedeutungsvolle Blicke zuwerfen’, als Ausdruck des Gartenbaus ‘okulieren’. Mhd. öugeln, wohl zur Deminutivform öugel von mhd. ouge ‘Auge’ gebildet, heißt zunächst ‘mit Augen versehen’ (so Part. Prät. geöugelt mit Bezug auf Pfauenfedern, Mitte 14. Jh.). Die Bedeutung ‘verliebte Blicke tauschen’, mhd. nur durch den substantivierten Infinitiv daʒ öugeln belegt (daneben steht mnd. ȫgelen ‘äugeln, schmeicheln’), findet sich seit dem 16. Jh. und häufiger vom 18. Jh. an. Im 16. Jh. verbreiteter als das einfache Verb ist gleichbed. liebäugeln Vb. wie älteres ↗liebkosen (s. d.) als Zusammenrückung entstanden und heute vorwiegend in übertragenem Sinne ‘mit dem Gedanken an etw. spielen’ geläufig. Die Verwendung von äugeln für das schon dem mittelalterlichen Weinbau bekannte Veredelungsverfahren, die dem übertragenen Gebrauch von Auge für ‘Knospe’ folgt, wird im 17. Jh. üblich. äugen Vb. ‘blicken’, besonders in der Jägersprache von Tieren. Ahd. ougen (8. Jh.), mhd. ougen, öugen bedeutet ‘vor Augen bringen, zeigen’ (s. ↗ereignen; außerdem ist ahd. ougen ‘Knospen ansetzen’, um 1000, bezeugt), daneben mnd. ȫgen auch ‘sehen, schauen’; in diesem Sinne im älteren Nhd. selten, seit Anfang des 19. Jhs. öfter vorkommend, namentlich als Jagdausdruck.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandes) Ein und Alles (Person) · (jemandes) Lieblings... · (jemandes) Liebstes (Person)  ●  (das) Licht seiner alten Tage  fig. · (jemandem von allen) der Liebste sein  männl. · (jemandem von allen) die Liebste sein  weibl. · (jemandem) das Liebste sein (Person)  veraltend · (jemandes) Augapfel  fig. · ↗(jemandes) Sonnenschein  fig. · (jemandes) kleiner Liebling  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Augenhöhle Bewegung Fläche Höhle Lid Prellung Pupille Quetschung Verletzung Weiß Weiße bedecken behüten bewegen drehen entfernen gelblich hervorquellend hervortreten hüten leuchten link prellen riesig rollen schimmern verdreht weiß

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Augapfel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann senken sich die Lider, und wenn sie sich wieder heben, wirken die Augäpfel starr.
Die Welt, 08.07.2002
Hier zeigt einer der Welt, die ihn anerkennen soll, den persönlichen Augapfel!
Der Tagesspiegel, 24.03.2001
Gleich nach Tisch ging sie hin, er lag im Bett, blaß wie die Wand, mit schrecklich verdrehten Augäpfeln.
Reventlow, Franziska Gräfin zu: Ellen Olestjerne. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 6087
Ein Augapfel verlängerte sich, teilte sich und starrte mir verdoppelt entgegen.
Hein, Christoph: Horns Ende, Hamburg: Luchterhand 1987 [1985], S. 86
Die Finger hatten sich verkrümmt, die Augen verdrehten sich, daß nur noch der weiße Augapfel zu erkennen war.
Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 76
Zitationshilfe
„Augapfel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Augapfel>, abgerufen am 20.08.2019.

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