Auslese, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Auslese · Nominativ Plural: Auslesen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungAus-le-se (computergeneriert)
Grundformauslesen2
Wortbildung mit ›Auslese‹ als Erstglied: ↗Auslesekaffee  ·  mit ›Auslese‹ als Letztglied: ↗Beerenauslese · ↗Begabtenauslese · ↗Bestenauslese · ↗Schülerauslese · ↗Trockenbeerenauslese
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
das Auswählen, die Auswahl
Beispiele:
eine scharfe Auslese treffen
die Auslese geeigneter Bewerber für eine Stelle
die Steigerung des Milchertrags wurde durch bewusste Auslese erreicht
die Pflanzen unterliegen einer natürlichen Auslese durch Klima und Boden
Schon begann eine friedliche Auslese der schwächeren ... Elemente der Gesellschaft [Anzengr.1,87]
Harte Winter mit kümmerlicher Nahrung und der Kampf mit dem Raubwild halten eine strenge Auslese unter dem Rotwild [Natur u. Heimat1956]
2.
die ausgewählte Menge
a)
die Besten, die Elite
Beispiele:
eine Auslese edler, pflichtgetreuer Menschen
zur Olympiade trat die Auslese der Jugend an
b)
Auswahl, Chrestomathie
Beispiel:
der Verlag stellte eine mustergültige Auslese (der deutschen Dichtung) zusammen
3.
Wein aus ausgelesenen Trauben
Beispiel:
wir tranken eine Flasche Niersteiner Auslese
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lesen · Lese · Ährenlese · Auslese · Blütenlese · Nachlese · Traubenlese · Weinlese · auslesen · erlesen · erlesen · auserlesen · verlesen · belesen · Lesebuch · Leser · leserlich · Lesung
lesen Vb. ‘den Sinn von Schriftzeichen erfassen, Schrift durch Sprechen wiedergeben, vorlesen, Vorlesungen halten, auflesen, sammeln, ernten’, ahd. lesan (8. Jh.), Prät. Plur. lārum (mit grammatischem Wechsel von r und s), mhd. lesen ‘auswählend sammeln, aufheben, an sich nehmen, (sich ver)sammeln, in Ordnung bringen, wahrnehmen, erblicken, (vor)lesen, als Lehrer vortragen, Messe lesen, erzählen, berichten’, asächs. lesan ‘sammeln, auflesen, lesen’, mnd. mnl. lēsen, nl. lezen ‘lesen’, aengl. lesan ‘zusammenlesen, sammeln’ (daraus mundartlich engl. to lease ‘Ähren lesen’), anord. lesa ‘auflesen’ (die Bedeutung ‘lesen’ ist aus dem Mnd. entlehnt), schwed. läsa ‘lesen, lernen, studieren’, got. lisan ‘auflesen, sammeln’ sind vergleichbar mit lit. lèsti ‘picken, pickend fressen’, lasýti ‘picken, auslesen, aussuchen, auswählen’, hethit. leššāi- ‘auflesen’ und führen auf eine Wurzel ie. *les- ‘sammeln, auflesen’. Gemeingerm. ist die Bedeutung ‘auflesen, sammeln’, zu der im Dt. und Nl. noch ‘Geschriebenes lesen’ hinzutritt. Dieselbe Bedeutungsentwicklung liegt vor in lat. legere ‘auflesen, sammeln, auslesen, auswählen, (vor)lesen’ und griech. légein (λέγειν) ‘auflesen, sammeln, sagen, sprechen, vortragen, vorlesen’ (s. ↗Legion und ↗Lexikon). Möglicherweise ist für das Germ. vom Aufsammeln und Deuten der zur Weissagung ausgestreuten Runenstäbe auszugehen. Die Bedeutung ‘Geschriebenes lesen’ wird sich unter dem Einfluß von lat. legere entwickelt haben. Die ursprüngliche Bedeutung ‘(auf-, ein)sammeln, auflesen’ ist bis heute in Ähren, Holz, Trauben lesen, die von ‘aussondern, verlesen’ in Linsen, Erbsen lesen bewahrt. Dazu auch Lese f. ‘das Auf-, Einsammeln, Ernte’, besonders ‘Weinernte’ (Anfang 18. Jh.), aus älterem Weinlese (s. unten) gekürzt; Ährenlese f. (18. Jh.), zuvor Ährlese (1700); Auslese f. ‘Auswahl’ (18. Jh.), ‘die ausgewählte Menge, die Besten, Elite, Wein aus ausgelesenen Trauben’ (19. Jh.); Blütenlese f. ‘Sammlung ausgewählter Gedichte oder Prosastücke’ (Ende 18. Jh.), s. auch ↗Anthologie; Nachlese f. ‘das Nachsammeln (von Ähren, Weintrauben), Nachernte’ (17. Jh.); Traubenlese f. (17. Jh.); Weinlese f. (15. Jh.). auslesen Vb. ‘prüfend herauslesen, aussuchen, als untauglich aussondern, zu Ende lesen’, ahd. ūʒlesan ‘heraussuchen, aussondern’ (10. Jh.), mhd. ūʒlesen ‘auswählen, zu Ende lesen’. erlesen Vb. heute noch in gehobener Sprache für ‘auswählen, durch Lesen aneignen’, ahd. irlesan (9. Jh.), mhd. erlesen ‘durch Lesen erforschen, bis zu Ende lesen, erwählen’; dazu erlesen Part.adj. ‘ausgesucht, von hervorragender Qualität’ (16. Jh.), daneben gleichbed. auserlesen Part.adj. mhd. ūʒerlesen. verlesen Vb. ‘Schlechtes, Ungeeignetes aussondern, öffentlich vorlesen’, reflexiv ‘sich beim lauten Lesen versprechen, falsch lesen’, mhd. verlesen ‘öffentlich vorlesen’. belesen Part.adj. ‘durch vieles Lesen gut unterrichtet, gebildet’ (17. Jh.), zu belesen ‘durchlesen, gründlich lesen’ (17. Jh.); vgl. schon Wohlbelesenheit (16. Jh.). Lesebuch n. ‘Buch mit nach besonderen Gesichtspunkten zusammengestelltem Lesestoff, zumal für Schulkinder’ (18. Jh.). Leser m. ‘wer (Bücher) liest’, ahd. lesā̌ri ‘(Vor)leser eines Buches, Traubenleser’ (Hs. 12. Jh.), mhd. lesære ‘(Vor)leser, Weinleser’. leserlich Adj. ‘gut zu lesen, leicht zu entziffern’ (17. Jh.), älter leslich (Ende 15. Jh.), daneben lesenlich (15. Jh.). Lesung f. ‘das Lesen von Büchern, das laute Lesen von Texten, besonders im Gottesdienst’ (15. Jh.), ‘Beratung über Gesetzentwürfe, Haushaltsvorlagen, Verträge im Parlament, in der Volksvertretung’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach engl. reading (of a bill), eigentlich ‘Vorlesen eines Gesetzentwurfs’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Auslese · ↗Ernte · ↗Ernteertrag · ↗Lese
Synonymgruppe
Auslese · ↗Auswahl · ↗Bevorzugung · ↗Selektion · ↗Wahl  ●  ↗Blütenlese  geh. · ↗Körung (Tierzucht)  fachspr. · ↗Präferenz  fachspr.
Unterbegriffe
  • Lemmaselektion · ↗Lemmatisierung
  • freie Standpunktwahl · freie Stationierung
  • Antiselektion (bei Lebensversicherungen) · Gegenauslese · Negativauslese · Negativselektion · adverse Selektion · negative Risikoauslese
Assoziationen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Auslese · ↗Auswahl · ↗Sammelband · ↗Sammlung · ↗Zusammenstellung
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
(die) Besten (der Besten) · Auslese · ↗Auswahl · ↗Bestenauslese · ↗Elite  ●  (die) erste Garde  fig. · (sich lesen wie ein) Who is who (von)  floskelhaft
Unterbegriffe
  • (die) intellektuelle Elite · führende Köpfe (ihrer Zeit) · große Geister (einer Epoche)
Assoziationen
Synonymgruppe
Auslese · ↗Auswahl · ↗Blütenlese · ↗Sammlung · ↗Textsammlung · ↗Zusammenstellung  ●  ↗Anthologie  geh., Hauptform, bildungssprachlich · ↗Florilegium  fachspr., historisch, bildungssprachlich, lat. · ↗Spicilegium  fachspr., historisch, bildungssprachlich, lat.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auslese Beerenauslese Begabte Eiswein Evolution Fördern Kabinettwein Leistungsdruck Mutation Spätlese Spätlesen Trockenbeerenauslese Tüchtige Vererbung Weingut Zuchtwahl Züchtung darwinistisch darwinsch edelsüß geschlechtlich gnadenlos knallhart natürlich negativ rassisch restsüß streng ständisch verschärft

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Auslese‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ergänzt wird das mediterrane kulinarische Angebot von einer Auslese griechischer Weine.
Süddeutsche Zeitung, 13.08.2004
Auch bei uns gibt es seit rund 6000 Jahren eine künstliche Auslese.
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1978, Nr. 12
Augenblicklich haben wir in den meisten Fächern so gut wie gar keine Auslese.
Die Zeit, 19.06.1959, Nr. 25
Jedoch würde jede wie auch immer geartete Prüfung die Freiheit der politischen Auslese beeinträchtigen.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 386
Freilich ragt nur eine bestimmte Auslese in die jeweils höhere Schicht hinein.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 179
Zitationshilfe
„Auslese“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Auslese>, abgerufen am 20.03.2019.

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