Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Auslese, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Auslese · Nominativ Plural: Auslesen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Aus-le-se
Grundformauslesen2
Wortbildung  mit ›Auslese‹ als Erstglied: Auslesekaffee · Ausleseprozess  ·  mit ›Auslese‹ als Letztglied: Beerenauslese · Begabtenauslese · Bestenauslese · Schülerauslese · Trockenbeerenauslese
eWDG

Bedeutungen

1.
das Auswählen, die Auswahl
Beispiele:
eine scharfe Auslese treffen
die Auslese geeigneter Bewerber für eine Stelle
die Steigerung des Milchertrags wurde durch bewusste Auslese erreicht
die Pflanzen unterliegen einer natürlichen Auslese durch Klima und Boden
Schon begann eine friedliche Auslese der schwächeren … Elemente der Gesellschaft [ Anzengr.1,87]
Harte Winter mit kümmerlicher Nahrung und der Kampf mit dem Raubwild halten eine strenge Auslese unter dem Rotwild [ Natur u. Heimat1956]
2.
die ausgewählte Menge
a)
die Besten, die Elite
Beispiele:
eine Auslese edler, pflichtgetreuer Menschen
zur Olympiade trat die Auslese der Jugend an
b)
Auswahl, Chrestomathie
Beispiel:
der Verlag stellte eine mustergültige Auslese (der deutschen Dichtung) zusammen
3.
Wein aus ausgelesenen Trauben
Beispiel:
wir tranken eine Flasche Niersteiner Auslese
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lesen · Lese · Ährenlese · Auslese · Blütenlese · Nachlese · Traubenlese · Weinlese · auslesen · erlesen · erlesen · auserlesen · verlesen · belesen · Lesebuch · Leser · leserlich · Lesung
lesen Vb. ‘den Sinn von Schriftzeichen erfassen, Schrift durch Sprechen wiedergeben, vorlesen, Vorlesungen halten, auflesen, sammeln, ernten’, ahd. lesan (8. Jh.), Prät. Plur. lārum (mit grammatischem Wechsel von r und s), mhd. lesen ‘auswählend sammeln, aufheben, an sich nehmen, (sich ver)sammeln, in Ordnung bringen, wahrnehmen, erblicken, (vor)lesen, als Lehrer vortragen, Messe lesen, erzählen, berichten’, asächs. lesan ‘sammeln, auflesen, lesen’, mnd. mnl. lēsen, nl. lezen ‘lesen’, aengl. lesan ‘zusammenlesen, sammeln’ (daraus mundartlich engl. to lease ‘Ähren lesen’), anord. lesa ‘auflesen’ (die Bedeutung ‘lesen’ ist aus dem Mnd. entlehnt), schwed. läsa ‘lesen, lernen, studieren’, got. lisan ‘auflesen, sammeln’ sind vergleichbar mit lit. lèsti ‘picken, pickend fressen’, lasýti ‘picken, auslesen, aussuchen, auswählen’, hethit. leššāi- ‘auflesen’ und führen auf eine Wurzel ie. *les- ‘sammeln, auflesen’. Gemeingerm. ist die Bedeutung ‘auflesen, sammeln’, zu der im Dt. und Nl. noch ‘Geschriebenes lesen’ hinzutritt. Dieselbe Bedeutungsentwicklung liegt vor in lat. legere ‘auflesen, sammeln, auslesen, auswählen, (vor)lesen’ und griech. légein (λέγειν) ‘auflesen, sammeln, sagen, sprechen, vortragen, vorlesen’ (s. Legion und Lexikon). Möglicherweise ist für das Germ. vom Aufsammeln und Deuten der zur Weissagung ausgestreuten Runenstäbe auszugehen. Die Bedeutung ‘Geschriebenes lesen’ wird sich unter dem Einfluß von lat. legere entwickelt haben. Die ursprüngliche Bedeutung ‘(auf-, ein)sammeln, auflesen’ ist bis heute in Ähren, Holz, Trauben lesen, die von ‘aussondern, verlesen’ in Linsen, Erbsen lesen bewahrt. Dazu auch Lese f. ‘das Auf-, Einsammeln, Ernte’, besonders ‘Weinernte’ (Anfang 18. Jh.), aus älterem Weinlese (s. unten) gekürzt; Ährenlese f. (18. Jh.), zuvor Ährlese (1700); Auslese f. ‘Auswahl’ (18. Jh.), ‘die ausgewählte Menge, die Besten, Elite, Wein aus ausgelesenen Trauben’ (19. Jh.); Blütenlese f. ‘Sammlung ausgewählter Gedichte oder Prosastücke’ (Ende 18. Jh.), s. auch Anthologie; Nachlese f. ‘das Nachsammeln (von Ähren, Weintrauben), Nachernte’ (17. Jh.); Traubenlese f. (17. Jh.); Weinlese f. (15. Jh.). auslesen Vb. ‘prüfend herauslesen, aussuchen, als untauglich aussondern, zu Ende lesen’, ahd. ūʒlesan ‘heraussuchen, aussondern’ (10. Jh.), mhd. ūʒlesen ‘auswählen, zu Ende lesen’. erlesen Vb. heute noch in gehobener Sprache für ‘auswählen, durch Lesen aneignen’, ahd. irlesan (9. Jh.), mhd. erlesen ‘durch Lesen erforschen, bis zu Ende lesen, erwählen’; dazu erlesen Part.adj. ‘ausgesucht, von hervorragender Qualität’ (16. Jh.), daneben gleichbed. auserlesen Part.adj. mhd. ūʒerlesen. verlesen Vb. ‘Schlechtes, Ungeeignetes aussondern, öffentlich vorlesen’, reflexiv ‘sich beim lauten Lesen versprechen, falsch lesen’, mhd. verlesen ‘öffentlich vorlesen’. belesen Part.adj. ‘durch vieles Lesen gut unterrichtet, gebildet’ (17. Jh.), zu belesen ‘durchlesen, gründlich lesen’ (17. Jh.); vgl. schon Wohlbelesenheit (16. Jh.). Lesebuch n. ‘Buch mit nach besonderen Gesichtspunkten zusammengestelltem Lesestoff, zumal für Schulkinder’ (18. Jh.). Leser m. ‘wer (Bücher) liest’, ahd. lesā̌ri ‘(Vor)leser eines Buches, Traubenleser’ (Hs. 12. Jh.), mhd. lesære ‘(Vor)leser, Weinleser’. leserlich Adj. ‘gut zu lesen, leicht zu entziffern’ (17. Jh.), älter leslich (Ende 15. Jh.), daneben lesenlich (15. Jh.). Lesung f. ‘das Lesen von Büchern, das laute Lesen von Texten, besonders im Gottesdienst’ (15. Jh.), ‘Beratung über Gesetzentwürfe, Haushaltsvorlagen, Verträge im Parlament, in der Volksvertretung’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach engl. reading (of a bill), eigentlich ‘Vorlesen eines Gesetzentwurfs’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Auslese · Ernte · Ernteertrag · Lese
Synonymgruppe
Auslese · Auswahl · Selektion · Wahl  ●  Blütenlese  geh. · Körung (Tierzucht)  fachspr.
Assoziationen
  • (das) Beste vom Besten · auserlesen · exklusiv · exquisit · nicht für die breite Masse (bestimmt) · nicht für jeden  ●  handverlesen  fig. · erlesen  geh. · etwas Besonderes  ugs. · klein aber fein  ugs. · vom Feinsten  ugs.
Synonymgruppe
Auslese · Auswahl · Sammlung · Zusammenstellung
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(die) Besten (der Besten) · Auslese · Auswahl · Bestenauslese · Elite  ●  (die) erste Garde  fig. · (sich lesen wie ein) Who is who (von)  floskelhaft · (die) Crème de la Crème (des / der ...)  geh., franz.
Assoziationen
  • (die) Reichen · (die) reiche Oberschicht · Finanzelite
  • (die) besten Kreise · (die) oberen Zehntausend · Auswahl der Besten · Elite · Führungsschicht · Spitze(n) der Gesellschaft · die Besten der Besten  ●  Crème de la Crème  ugs., franz.
  • (die) intellektuelle Elite · führende Köpfe (ihrer Zeit) · große Geister (einer Epoche)
  • Berühmtheit · Prominenter · Star · bekannte Persönlichkeit · berühmte Persönlichkeit  ●  V. I. P.  engl. · VIP  engl. · Adabei  ugs., österr. · Promi  ugs.
  • (das) Beste vom Besten · auserlesen · exklusiv · exquisit · nicht für die breite Masse (bestimmt) · nicht für jeden  ●  handverlesen  fig. · erlesen  geh. · etwas Besonderes  ugs. · klein aber fein  ugs. · vom Feinsten  ugs.
Synonymgruppe
Auslese · Auswahl · Blütenlese · Sammlung · Textsammlung · Zusammenstellung  ●  Anthologie  geh., Hauptform, bildungssprachlich, griechisch · Florilegium  fachspr., historisch, bildungssprachlich, lat. · Spicilegium  fachspr., historisch, bildungssprachlich, lat.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Auslese‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Auslese‹.

Verwendungsbeispiele für ›Auslese‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch bei uns gibt es seit rund 6000 Jahren eine künstliche Auslese. [P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1978, Nr. 12]
Jedoch würde jede wie auch immer geartete Prüfung die Freiheit der politischen Auslese beeinträchtigen. [Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 386]
Das System ersetzt sie beim Auslesen durch die Pfade der jeweiligen Installation. [C’t, 2001, Nr. 6]
Vor allem funktioniert das automatische Auslesen der Parameter oft nicht besonders gut. [C’t, 2000, Nr. 8]
Defekte Blöcke lassen sich nur durch Auslesen erkennen, nicht beim Beschreiben. [C’t, 1998, Nr. 3]
Zitationshilfe
„Auslese“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Auslese>.

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