Ausschweifung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ausschweifung · Nominativ Plural: Ausschweifungen
Aussprache
WorttrennungAus-schwei-fung
eWDG, 1967

Bedeutung

Maßlosigkeit, Übertreibung
Beispiele:
kindische, sentimentale Ausschweifungen
ihr ... erlaubt dem sogenannten Gefühl die größten Ausschweifungen [HeyseI 4,339]
Zügellosigkeit, Sittenlosigkeit
Beispiele:
sinnliche, tolle Ausschweifungen
jmdn. zu wüsten Ausschweifungen verleiten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schweifen · abschweifen · ausschweifen · ausschweifend · Ausschweifung · weitschweifig
schweifen Vb. ‘herumstreifen, umherziehen, -wandern’. Ein starkes (reduplizierendes) Verb ahd. sweifan ‘kämpfen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘in drehende, schwingende Bewegung setzen, schwingen’, intransitiv ‘bogenförmig gehen, herumwandern, schwanken, taumeln’, asächs. farswēpan ‘vertreiben’, aengl. swāpan ‘fegen, schwingend bewegen’, engl. (schwach) to swoop ‘niederstoßen, sich stürzen (von Vögeln)’, anord. sveipa ‘werfen, umhüllen’ (germ. *swaipan) führt mit dem unter ↗Schweif (s. d.) behandelten Substantiv sowie mit mnd. mnl. swēpe, nl. zweep, aengl. swipu, swipe, anord. svipa ‘Peitsche’, got. midjasweipains ‘Überflutung, Sintflut’ (eigentlich ‘Fegung der Mitte’) und vielleicht mit awest. xšvaēwayat̰. aštrā- ‘der die Peitsche kreisen läßt, schwingt’, xšviwra- ‘flink’ auf ie. *su̯eib-, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *su̯ē̌(i)- ‘biegen, drehen, schwingen’ (wozu auch ↗schweben, s. d.). Das starke Verb fällt in frühnhd. Zeit mit dem zugehörigen schwachen Verb ahd. sweifen ‘umstürzen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘schwingen’ zusammen und gibt die starke Flexion auf. abschweifen Vb. ‘sich davonmachen’ (15. Jh.), ‘abweichen von etw.’ (16. Jh.), ‘durch Hin-und-her-Bewegen im Wasser reinigen’ (17. Jh.), ‘beim Reden, in Gedanken vom Thema abkommen’ (18. Jh.). ausschweifen Vb. ‘eine gerade Linie verlassen, sich verbreiten, herumstreifen’ (15. Jh.), ‘vom Thema abkommen, in Gedanken abirren, über ein vertretbares (moralisches) Maß hinausgehen’ (16. Jh.); ausschweifend Part.adj. ‘das rechte moralische Maß übersteigend’ (18. Jh., ausschweifende Laster, Triebe, ausschweifende Lebensart); Ausschweifung f. ‘Üppigkeit’ (15. Jh.), ‘gekrümmte, von der Geraden abweichende Linienführung’ (16. Jh.), ‘(moralische) Maßlosigkeit’ (17. Jh.). weitschweifig Adj. ‘ausgedehnt, ausführlich’, spätmhd. wītsweific ‘umherschweifend, weitläufig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausschweifung · Ausschweifungen · zügelloses Leben

Typische Verbindungen zu ›Ausschweifung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Abschweifung Alkohol Askese Dekadenz Exzeß Intrige Laster Luxus Neigung Orgie Schauplatz Unzucht alkoholisch dionysisch erotisch gedanklich geschlechtlich hemmungslos hingeben homosexuell jugendlich kulinarisch nächtlich orgiastisch rhetorisch sexuell sinnlich viktorianisch wild wüst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ausschweifung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ausschweifung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie ich vermute, führt meine Schwester ein Leben geheimer nächtlicher Ausschweifungen in der Stadt.
Süddeutsche Zeitung, 15.02.2003
Am Schluss sah ich das Bild eines orgiastischen Festes mit grotesken sinnlichen Ausschweifungen.
Die Zeit, 21.08.2000, Nr. 34
Der andere Mann holte mich erbarmungslos von meinen Ausschweifungen zurück.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 90
Das nahm dem jungen Schriftsteller die Lust an weiteren nächtlichen Ausschweifungen.
Spoerl, Heinrich: Die Feuerzangenbowle, München: Piper o.J. [1933], S. 107
Auch seien Ausschweifungen wie übermäßiges Trinken und Rauchen mehr oder minder ausgeschlossen.
Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 141
Zitationshilfe
„Ausschweifung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ausschweifung>, abgerufen am 19.01.2020.

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