Aussehen, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Aussehens · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Aus-se-hen
Grundformaussehen
eWDG

Bedeutungen

1.
das äußere Erscheinungsbild
a)
von Lebewesen   Gesichtsausdruck, Gesichtszüge
Beispiele:
sie hat ein zufriedenes, kluges Aussehen
nach ihrer Krankheit entsetzte mich ihr schlechtes Aussehen
wir waren über sein verstörtes Aussehen erschreckt
Auf einen Wink des Richters beugt sich ein übereleganter Arzt finsteren Aussehens über Fish [ BrechtArturo Ui9]
das Äußere, die ganze äußere Erscheinung
Beispiele:
sie hat ein gutes, gepflegtes Aussehen
ich wunderte mich über sein verändertes Aussehen
sie legen Wert auf ihr Aussehen
jmdn. nach dem Aussehen beurteilen
b)
von Sachen
Beispiele:
das Kleid hat ein gefälliges Aussehen
die alten baufälligen Häuser zeigen ein ärmliches, verwahrlostes Aussehen
unsere Stadt hat nach dem Kriege ein ganz anderes Aussehen angenommen
ein großes helles Zimmer von steifleinenem Aussehen [ SteinbergTag39]
2.
veraltend Anschein
Beispiele:
dem Aussehen nach ist er gesund
es ging besser, als es anfangs das Aussehen hatte (= als es anfangs aussah)
unversehens nahm die Sache ein ernsteres Aussehen (= sah die Sache ernster aus) [ Ric. HuchDreißigjähr. Krieg1,68]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta Sicht und Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. sagen) entwickelt hat. Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Synonymgruppe
(äußeres) Erscheinungsbild · Aussehen · Erscheinung · Äußeres (das Äußere) · äußere Erscheinung · äußere Merkmale  ●  Look  engl., Jargon · Apparenz  geh., lat., bildungssprachlich, ausgestorben
Assoziationen
Synonymgruppe
Aussehen · Erscheinung · Erscheinungsbild · Figur · Gestalt
Physik
Synonymgruppe
Ausbreitung des Lichts · Aussehen · Lehre vom Licht · Optik
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Aussehen · Gepräge · Note  ●  Anstrich  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Aussehen · Form · Gestalt · Äußeres  ●  Fasson  Textilien

Typische Verbindungen zu ›Aussehen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aussehen‹.

Verwendungsbeispiele für ›Aussehen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er war ausnahmsweise so extrem eitel, sein Aussehen selbst sehr anziehend zu finden. [Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 131]
So behält der Raum sein einheitliches Aussehen trotz der Gliederung. [o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 376]
Das Dasein sucht das Ferne, lediglich um es sich in seinem Aussehen nahe zu bringen. [Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 164]
Als sie schließlich überwunden war, hatte das Römische Reich ein anderes Aussehen. [Heuß, Alfred: Herrschaft und Freiheit im griechisch-römischen Altertum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 25458]
Auch mutet das Aussehen der fertigen Anwendungen etwas angestaubt an. [C't, 2001, Nr. 17]
Zitationshilfe
„Aussehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aussehen>.

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