Aussteiger, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Aussteigers · Nominativ Plural: Aussteiger
Aussprache [ˈaʊ̯sʃtaɪ̯gɐ]
Worttrennung Aus-stei-ger
Wortzerlegung  aussteigen -er
Wortbildung  mit ›Aussteiger‹ als Erstglied: Aussteigerin  ·  mit ›Aussteiger‹ als Letztglied: Berufsaussteiger
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Person, die (auch zusammen mit Gleichgesinnten) ihr gewöhnliches gesellschaftliches Umfeld verlässt, um (oft außerhalb der Gesellschaft) neu anzufangen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein zivilisationsmüder, jugendlicher, alternativer, freiwilliger, unfreiwilliger Aussteiger
als Prädikativ: als Aussteiger leben, bezeichnet werden, gelten
in Koordination: Aussteiger und Hippies, Freaks, Außenseiter, Punks, Künstler
Beispiele:
Seit fünf Jahren lebt Aussteiger Marc F[…] in einer selbst gebauten Jurte im hessischen Odenwald. [Bild, 08.02.2020]
Wer den Status quo aufkündigen will, […] der muss raus aus der Stadt. Das gilt für die Aussteiger von Slab City, die linken Altermondialisten in Tarnac, Frankreich, und für die alt gewordenen Hippies auf der Black Bear Ranch in Nordkalifornien. [Die Welt, 25.02.2020]
Es sind […] Alternativkonzepte etwa für Arbeit und Rente vonnöten – wohlgemerkt für die ganze Welt und nicht bloß für einige Aussteiger. [Süddeutsche Zeitung, 15.10.2018]
Aber gleich zwei neue Bücher erzählen gerade noch einmal die Geschichte von der Deutschen Ida Hofmann und dem Belgier Henri Oedenkoven, die im Jahr 1900 genau hier auf einem Hügel, den sie Monte Verità nannten, eine Kommune für Proto‑Hippies, Aussteiger und spirituelle Sinnsucher gründeten. [Süddeutsche Zeitung, 14.07.2018]
Roland gab Haus und Mercedes auf und zog zu seiner Freundin Brigitte, Inhaberin eines Kosmetiksalons in Gelsenkirchen, der der Aussteiger im Bett wie an der Waschmaschine willkommen war, solange sie hoffen konnte, er werde wieder um berufliche Positionen kämpfen. [konkret, 2000 [1980]]
2.
Person, die eine engere gesellschaftliche Gruppe (gewöhnlich eine Sekte oder Subkultur) verlässt, um in der Gesamtgesellschaft zu leben
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein rechter Aussteiger
als Dativobjekt: Aussteigern [beim Verlassen der Szene] helfen
in Präpositionalgruppe/-objekt: Hilfe, ein Zeugenschutzprogramm, Programm, Verfahren, eine Hotline für Aussteiger
Beispiele:
Die Meinungen über den Imam [Gülen] gehen seit jeher weit auseinander. Aussteiger seiner Bewegung beschreiben seine Gemeinde als Sekte wie Scientology. [Der Spiegel, 16.07.2016 (online)]
Immer mehr Mandatsträger verlassen die AfD. Sechs Aussteiger berichten von Beleidigungen, intransparenten Finanzen, einer Politikerin, die ein Jahr lang auf keiner Sitzung aufgetaucht ist, und einer voranschreitenden Radikalisierung [Überschrift] [Die Welt, 01.02.2020]
Der Job ist gefährlich; wenn es gut geht, verdienen sie in wenigen Minuten Zehn‑, ja Hunderttausende Euro. Die Dockarbeiter sind eine Schwachstelle in jedem Hafen. In der Scheldestadt lassen sie sich offenbar besonders leicht anwerben. Ein Aussteiger erzählte 2015 einem Radiosender, wie das geht: Die Rekrutierer treiben sich in den Hafencafés herum und suchen Arbeiter mit Geldproblemen. [Süddeutsche Zeitung, 06.10.2018]
Auch der wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilte Holger G[…] ist weiterhin auf freiem Fuß, ebenso der Aussteiger Carsten S[…], der wegen Beihilfe zum neunfachen Mord verurteilt wurde. [Süddeutsche Zeitung, 19.07.2018]
Olaf D[…] verließ den Saal und die Grüne Partei; mit ihm etwa 30 seiner Anhänger. […] Der Landesverband forderte die Aussteiger auf, wieder »gemeinsame Sache« zu machen[…]. [konkret, 2000 [1980]]
3.
Person, die ein (öffentliches) Verkehrsmittel verlässt
Beispiele:
Der BVGer (= Berliner ÖPNV-Mitarbeiter) auf dem Bahnsteig schickt die Aussteiger, die Richtung Westen wollen, gleich in den Zug zurück. [Der Tagesspiegel, 08.07.2003]
Ein Teil der Züge ist mit automatischen Zählvorrichtungen an den Türen ausgerüstet, mit denen die Ein‑ und Aussteiger registriert werden. [Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2013]
An Haltepunkten mit täglich weniger als 100 Ein‑ und Aussteigern dagegen will die Bahn nicht ohne weiteres [die Technik] nachrüsten. [Die Zeit, 05.03.2013 (online)]
Gegen 3.30 Uhr eilen Caterer auf die Bahnsteige, um die Getränke‑ und Süßigkeitenautomaten zu bestücken. Keine Minute zu früh, denn wenig später, um 4.05 Uhr stoppt die erste offizielle S‑Bahn im »Lehrter«. Obschon die Station noch im Dunklen liegt, haben sich Dutzende Schaulustige und BGS‑Beamte auf den Bahnsteigen eingefunden. Die ersten Aussteiger bekommen von der Bahn eine Urkunde geschenkt: »Lehrter Bahnhof, 4. Juli 2002«, heißt es dort schlicht. [Die Welt, 05.07.2002]
Nun beginnt ein fröhliches Geschnatter im Bus, immer wieder unterbrochen von Aussteigern und Neuzugängen, die sich offenbar alle kennen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.1994]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Außenseiter · Eigenbrötler · Einzelgänger · Individualist · Nonkonformist · Underdog  ●  Aussteiger  fig. · Einzelkämpfer  fig. · Nerd  Jargon · einsamer Wolf  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Aussteiger‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aussteiger‹.

Zitationshilfe
„Aussteiger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aussteiger>, abgerufen am 17.01.2022.

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