Austerität, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Austerität · Nominativ Plural: Austeritäten
WorttrennungAus-te-ri-tät
Herkunftzu austēritāslat ‘Herbheit, Strenge’
Wortbildung mit ›Austerität‹ als Erstglied: ↗Austeritätspolitik
DWDS, 2017

Bedeutungsgeschichte

Lesart 1 wurde nach dem 2. Weltkrieg aus gleichbedeutend austerityengl übernommen.
DWDS (Vollartikel), 2017

Bedeutungen

1.
nur im Singular
Politik (Politik der) Sparsamkeit zur Erreichung eines ausgeglichenen Staatshaushaltes (durch Beschränkung der öffentlichen Ausgaben)
Beispiele:
Austerität heißt das Stichwort – Sparsamkeit. […] Um den Euro zu retten, werden sich die Staaten noch schlanker sparen müssen – oder sie erhöhen die Steuern. [Spiegel, 29.09.2011 (online)]
»Austerität« – die harte Sanierung des Staatshaushalts – war gestern. Jetzt fordert Italien […] mehr »fiskalpolitische Flexibilität«. [Focus, 23.06.2014, S. 70]
Krugmans Vorwurf: Rehns Rezept gegen die Krise sei Austerität, eine rigide Sparpolitik, die jedes Wachstum im Keim ersticke. [Die Zeit, 23.01.2014, Nr. 05]
Im Kern geht es bei dieser Wahl […] um die Entscheidung zwischen disziplinierter Austerität und einem (mit entsprechender Steuerlast) weiterhin großzügigen öffentlichen Geldbeutel. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.1993]
Er [der Staatschef] erklärte, die Situation des Landes sowohl in politischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht sei schwierig und fordere u. a. für viele kommende Jahre strikte Austerität. [Archiv der Gegenwart, 39, 1969]
Kollokation:
als Genitivattribut: eine Politik der Austerität
allgemeiner
Beispiel:
Infolge der Austerität sowie hoher Einnahmen [des Fußballklubs] aus den Transfers von Marchena […] und Jesuli […] wurden die Verbindlichkeiten um 30 auf 40 Millionen Franken abgebaut. [Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2001]
2.
selten,
Plural selten
veraltend, bildungssprachlich (asketische, mönchische) Strenge, Ernsthaftigkeit, Nüchternheit; asketische Handlung, asketisches Verhalten
Beispiele:
Die Welt sieht Mahatma Gandhi als Heiligen mit mönchischer Austerität. [Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2008]
Andere Präsidenten […] hatten eine neue Austerität versprochen und die Rückbesinnung auf althergebrachte konfuzianische Tugenden verlangt. […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.1993]
Wie wenig strapazenreich ist das Dasein […] derer, die sich als Mönche [auf Ceylon] endgültig auf den Pfad der Erlösung begeben haben! Da wird keine Austerität verlangt, keine Anspannung, die nicht jeder sich zumuten dürfte. [Keyserling, Hermann: Das Reisetagebuch eines Philosophen. Bd. 1., 3. Aufl. Darmstadt: Otto Reichl 1920, S. 59]
[…] [Der Gründer der Gemeinschaft reist umher] in elendester Kleidung, unter Ausübung der strengsten Austeritäten (Schlafen auf hartem Strohsack, […] harte Fastenaskese etc. […]). [Herzog, Johann Jakob (Begr.): Realencyclopädie für protestantische Theologie und Kirche. 3. Aufl. Leipzig: Hinrichs 1902, S. 491]
übertragen Schlichtheit, einfache Linienführung der Form
Beispiele:
Von den […] Bauten, die […] durch Austerität sich auszeichnen, über Schinkels Castrum bis in den schlichten Innenraum erlebte der Betrachter eine sich steigernde Strenge. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.1993]
Der unterirdische Ausstellungsraum versprüht nach wie vor den Charme eines Luftschutzbunkers, doch findet seine Austerität eine Entsprechung in der – dem Sujet angemessenen – Strenge der Präsentation. [Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2003]
Es entstand, was der Baukunst noch gefehlt hatte, ein Stil, der in seiner strengen, gebieterischen Austerität in jedem Zoll mönchisch war und dabei doch der Größe nicht entbehrte. [Dehio, Georg: Geschichte der deutschen Kunst. Bd. 1. Berlin u. a., 1919.]

Thesaurus

Ökonomie
Synonymgruppe
Oberbegriffe
Zitationshilfe
„Austerität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Austerität>, abgerufen am 25.07.2017.

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